izpb USA

20.3.2014 | Von:
Stormy-Annika Mildner
Julia Howald

Die US-amerikanische Wirtschaft

Die USA in der Weltwirtschaft

Der Handel von Waren und Dienstleistungen

Im Jahr 2012 waren die USA noch die weltweit größte Handelsnation – 2013 wurden sie von China überholt. Laut Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2013 lagen sie 2012 bei den Güterexporten mit einem Anteil von 10,9 Prozent hinter China und vor Deutschland auf Rang zwei, bei den Güterimporten mit einem Anteil von 15,6 Prozent auf Platz eins. Im Dienstleistungshandel sind die USA laut der World Trade Organization (WTO) sowohl bei den Exporten (18,3 %) als auch bei Importen (12,7 %) weltweit führend.
Haupthandelspartner der USA 2012Haupthandelspartner der USA 2012
Rohstoffimporte, insbesondere Importe von Energieträgern, stellen einen erheblichen Anteil an den US-Gesamtimporten; bei den Exporten dominieren verarbeitete Produkte. Hauptexportgut der USA im Nahrungsmittelbereich ist Soja. In der Kategorie Industriebedarf und -materialien exportieren die USA vor allem Brennöl, Mineralölerzeugnisse, nichtmonetäres Gold (Warengold), organische Chemikalien und Plastikmaterialien; im Bereich Investitionsgüter in erster Linie Zivilflugzeuge und deren Teile, Automobile, Autoteile und -zubehör, Halbleiter, Telekommunikationsausstattung, elektrische Geräte, medizinische Ausrüstung und Computerzubehör. In der Konsumgütersparte führen pharmazeutische Präparate die Liste an.
Haupthandelspartner der USA war im Jahr 2012 die Europäische Union, gefolgt von Kanada, China, Mexiko und Japan. Insgesamt wickelten die USA laut der UNCTAD 28,8 Prozent ihres Handels – 26 Prozent ihrer Importe und 32,9 Prozent ihrer Exporte – mit Kanada und Mexiko ab, mit denen seit 1994 ein Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement, NAFTA) besteht.

Leistungsbilanzkomponenten im Verhältnis zum BIPLeistungsbilanzkomponenten im Verhältnis zum BIP
Der internationale Handel ist aufgrund der Wirtschaftskrise weltweit eingebrochen. Als Folge sank auch das seit den 1970er-Jahren hohe Defizit in der US-Leistungsbilanz. Sie setzt sich zusammen aus der Handelsbilanz (Güterexporte minus -importe), der Dienstleistungsbilanz (Dienstleistungsexporte minus -importe) sowie den Kapitaleinkommen und den Übertragungen (bei Letzterem handelt es sich beispielsweise um Überweisungen ausländischer Arbeitnehmer in ihre Heimat). Das große Defizit in der Leistungsbilanz ist vor allem auf das Minus in der Handelsbilanz der USA zurückzuführen. 2007 betrug es im Güterhandel dem BEA zufolge noch 823 Milliarden US-Dollar; 2009 nur noch 511 Milliarden US-Dollar, weil die Importe stärker abnahmen als die Exporte. Bis 2011 wuchs das Defizit in der Handelsbilanz wieder auf 744 Milliarden US-Dollar und blieb seitdem mit 741 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 relativ konstant.
Die Leistungsbilanz weist also nach wie vor ein starkes Minus auf, obwohl die Exporte von Gütern und Dienstleistungen 2011 kräftig anzogen. Positiv auf die Handelsbilanz wirken sich derzeit die sinkenden Energieimporte aus. Sollten sich die USA – wie von vielen Analysten erwartet – zu einem großen Exporteur von Gas entwickeln, dürfte dies den positiven Trend weiter verstärken. Das Handelsbilanzdefizit der USA konzentriert sich auf wenige Länder. Während sie seit 2009 Defizite im Handel mit vielen ihrer Partner abbauen konnten, vergrößerte sich das Güterbilanzdefizit mit China noch.

Bilaterale Handelsdefizite 2005 und 2012Bilaterale Handelsdefizite 2005 und 2012
Wie kann der hohe Fehlbetrag in der Handelsbilanz erklärt werden? Die USA haben einen riesigen Binnenmarkt mit einer kauffreudigen Gesellschaft. Anders als kleine Länder wie Deutschland, die auf Exportmärkte angewiesen sind, spielen Ausfuhren somit für Unternehmen eine geringere Rolle. Zudem können sich die Vereinigten Staaten die hohen Einfuhren leisten. Wenn die USA mehr importieren als exportieren, bedeutet dies, dass sie mehr ausgeben als sie selbst erwirtschaften. Dies ist nur möglich, weil Kapital aus anderen Ländern in die USA strömt, indem beispielsweise Ausländer ihr Geld bei amerikanischen Banken anlegen. Die USA leihen sich also Geld von anderen Ländern, mit welchem sie wiederum die Importe bezahlen. Hierbei spielen Zinsen eine wichtige Rolle: Sind diese hoch, so strömt eher Kapital ins Land. Aber auch die wirtschaftliche Attraktivität der USA wirkt sich positiv auf die Kapitalzuflüsse aus.
Wie viel ein Land importiert und exportiert, hängt darüber hinaus auch vom Wechselkurs ab: Ist der Dollar stark, so ist es teuer für andere Länder, US-Güter zu importieren, und für Amerikaner ist es wiederum vergleichsweise günstig, Güter aus dem Ausland zu kaufen. Sinkt der Wert des Dollars gegenüber anderen Währungen, dann steigen die Exporte, und die Importe gehen zurück. Seit Beginn der 1990er-Jahre bis zur Krise 2008/09 wurde das Leistungsbilanzdefizit der USA fast von Jahr zu Jahr größer. In diesem Zeitraum stieg auch der reale Wert des Dollars gegenüber den Währungen der Handelspartner.

Speziell im bilateralen Handel mit China spielt auch eine Rolle, dass viele US-amerikanische Unternehmen die Produktion – oft auch nur die Montage der Einzelteile – aufgrund der niedrigen Lohnkosten nach China verlegt haben. Ein prominentes Beispiel ist das iPhone, das größtenteils in China zusammengesetzt wird. Für Apple produziert auch das taiwanesische Unternehmen Foxconn zu großen Teilen in China. Der Mehrwert, der dabei in China entsteht, ist häufig sehr gering. Trotzdem gelten Produkte, die dort hergestellt und weiter in die USA und den Rest der Welt verschifft werden, als chinesische Exporte. Das große Handelsbilanzdefizit mit China ist also auch auf regionale Produktionsnetzwerke in Asien zurückzuführen. In den kommenden Jahren könnte das Handelsdefizit mit China allerdings zurückgehen, denn die chinesische Regierung will künftig von exportorientiertem auf ein stärker konsum-(und damit import-)orientiertes Wirtschaftswachstum umschwenken, auch um die Nachfrage der wachsenden chinesischen Mittelschicht zu befriedigen. China ist schon jetzt einer der am stärksten wachsenden Exportmärkte für US-amerikanische Güter.

Ausländische Direktinvestitionen

Laut Angaben der UN-Organisation UNCTAD befinden sich 22 Prozent der weltweiten Bestände ausländischer Direktinvestitionen in US-amerikanischem Besitz. Auch als Gastland für ausländische Direktinvestitionen stehen die USA anteilsmäßig mit 17,2 Prozent mit Abstand an der Spitze. Unter ADI (siehe auch Seite 50) versteht man langfristig orientierte Kapitalexporte und -importe, so beispielsweise Unternehmensfusionen, -käufe und -beteiligungen, Kapitaltransfers zur Gründung von Unternehmen im Ausland, Kredite an Tochtergesellschaften im Ausland sowie erneut angelegte Erträge von ausländischen Tochtergesellschaften. Im Gegensatz zu Portfolioinvestitionen bedingen ADI die Eigentümerschaft und unternehmerische Kontrolle durch die investierende Firma. Mit ihnen wird also ein entscheidender Einfluss auf die Unternehmenspolitik sichergestellt.
Ende 2012 befanden sich laut dem BEA 14,5 Prozent der gesamten US-amerikanischen Bestände an ADI in den Niederlanden, 13,4 Prozent im Vereinigten Königreich, 8,6 in Luxemburg, 7,9 in Kanada und 6,8 Prozent auf den Bermudas. Die fünf Hauptursprungsländer ausländischer Direktinvestitionen in den USA waren wiederum das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 18,4 Prozent, Japan mit 11,6, die Niederlande mit 10,4, Kanada mit 8,5 und Frankreich mit 7,9 Prozent.
Während der globalen Wirtschaftskrise sanken die Zuflüsse in die USA von 306 Milliarden US-Dollar 2008 auf rund 144 Milliarden US-Dollar 2009, während umgekehrt die Investitionsflüsse der USA ins Ausland im selben Zeitraum nur leicht von rund 308 Milliarden US-Dollar auf 288 Milliarden US-Dollar abnahmen. Nach der Krise stiegen die ADI-Flüsse ins Ausland sprungartig von 278 Milliarden US-Dollar 2010 auf 367 Milliarden US-Dollar 2012 an. Die Zuflüsse in die USA lagen zwar mit 161 Milliarden US-Dollar 2012 unter dem Wert von 2010 (198 Mrd. US-Dollar). Aufgrund der niedrigen Energiepreise rechnen viele Analysten jedoch mit einer Investitionswelle in die USA.

Die Handelspolitik

Eines der wenigen Politikfelder, in denen trotz der politischen Blockade in Washington Fortschritte zu verzeichnen sind, ist die Handelspolitik. Im März 2010 wurde die Nationale Exportinitiative (NEI) ins Leben gerufen: Kleine und mittlere Unternehmen sollten stärker unterstützt werden, und die Regierung wollte internationale Handelsregeln auf wichtigen Märkten aggressiver durchsetzen. Neben dem Engagement in den multilateralen Verhandlungen der WTO, der sogenannten Doha-Runde, sollten vor allem Handelsbeziehungen mit Asien und zentralen Handelspartnern wie Südkorea gestärkt werden. Im März 2010 nahmen die USA dann zum ersten Mal an den Verhandlungen zu einer Transpazifischen Partnerschaft (TPP) teil. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit zeigte Obama zudem auch ein verstärktes Interesse an einer Vertiefung und Ausweitung der Handels- und Investitionsbeziehungen mit der EU. Seit Mitte 2013 verhandeln die USA und die EU ein umfassendes Transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen (TTIP).
Auf dem Gebiet der Außenpolitik ist der Präsident verfassungsrechtlich mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet: "Er hat das Recht, auf Anraten und mit Zustimmung des Senats Verträge zu schließen, vorausgesetzt, dass zwei Drittel der anwesenden Senatoren zustimmen" (Artikel II, Abschnitt 2 der Verfassung). Der Präsident ist zwar befugt, auch ohne die Ermächtigung des Kongresses mit anderen Staaten den Abschluss von bilateralen, regionalen oder multilateralen Handelsverträgen zu verhandeln und zu unterzeichnen. Grundsätzlich obliegt die Regelung des Außenhandels aber nach Artikel I, Abschnitt 8 der Verfassung eindeutig dem Kongress: "Der Kongress hat das Recht: Steuern, Zölle, Abgaben und Akzisen aufzuerlegen und einzuziehen [und] den Handel mit fremden Ländern, zwischen den Einzelstaaten und mit den Indianerstämmen zu regeln."

Der Kongress kann jedoch einen Teil seiner Handelskompetenz an den Präsidenten delegieren. Er tat dies erstmals 1934 mit dem Reciprocal Trade Agreement Act (RTAA). Unter dem RTAA war der Präsident für eine vom Kongress bestimmte Dauer (durchschnittlich drei Jahre) berechtigt, in bilateralen Verhandlungen auf der Basis der Reziprozität Zölle in bestimmten Margen zu senken, ohne dass diese Maßnahmen anschließend vom Kongress ratifiziert werden mussten. Bei den Abkommen handelte es sich somit um sogenannte Executive Agreements. 1974 wurde der RTAA durch die Fast Track Authority abgelöst. Das Mandat bezog sich nicht nur auf den Abbau von Zöllen, sondern auch auf nichttarifäre Handelshemmnisse, die zunehmend auf die Agenda der internationalen Verhandlungen gerückt waren. Eingeschränkt wurde die neue Verhandlungsvollmacht dadurch, dass von der Exekutive ausgehandelte Abkommen nun vom Kongress (mit einfacher Mehrheit) ratifiziert werden mussten (Congressional-Executive Agreements). Diese Modifikation war nötig, da anders als bei Zollsenkungen der Kongress weder im Verhandlungsmandat des Präsidenten spezifische Liberalisierungsmargen im Vorhinein festlegen konnte noch der Administration freie Hand in einem Bereich lassen wollte, der tief in die Binnenregulierung der nationalen Wirtschaft eingreift. Gleichwohl verpflichtete sich der Kongress, die Abkommen beschleunigt zu bearbeiten. Zusätze oder Modifizierungen waren nicht möglich; Repräsentantenhaus und Senat konnten das Abkommen nur komplett annehmen oder ablehnen. Wie der RTAA galt auch das Fast-Track-Mandat nur für eine vom Kongress bestimmte Dauer. Im Jahr 2002 erfolgte eine erneute Modifikation des Handelsmandats. Was die Regelung des parlamentarischen Ratifizierungsverfahrens betraf, unterschied sich die neu eingeführte Trade Promotion Authority (TPA) nicht vom Fast-Track-Mandat, doch wurden die Konsultations- und Notifizierungspflichten der Administration gegenüber dem Kongress deutlich gestärkt.
Die TPA lief Mitte 2007 aus und wurde bislang vom Kongress nicht erneuert. TPA ist keine Voraussetzung für die Verhandlung von Handelsabkommen, aber sie erleichtert den Prozess deutlich und ist grundlegend für den Ratifizierungsprozess. Umso wichtiger ist es für Präsident Obama, zügig das Handelsmandat zu erhalten, will er doch bis Ende 2014 die Verhandlungen um die Transpazifische Partnerschaft und bis 2016 die TTIP-Verhandlungen abschließen. Anfang Januar 2014 wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf im Kongress eingereicht.

Quellentext

Handelsabkommen der USA

Neben ihrer Mitgliedschaft in der WTO haben die USA mit 20 Staaten bilaterale und plurilaterale Freihandelsabkommen abgeschlossen. Unter Präsident George Bush sen. wurde im Jahr 1992 das North American Free Trade Agreement (NAFTA) unterzeichnet, das am 1. Januar 1994 in Kraft trat. Ein Freihandelsabkommen ("free trade agreement", FTA) bestand vorher schon zwischen den USA und Kanada; durch NAFTA wurde dieses Abkommen um ein weiteres Land, Mexiko, erweitert. Gerade unter Präsident George W. Bush spielten bilaterale Freihandelsabkommen in der Außenwirtschaftspolitik eine zunehmend wichtige Rolle, um Märkte im Ausland für US-Waren und Dienstleistungen zu öffnen. So gingen die USA bilaterale Freihandelsabkommen mit Jordanien, Singapur, Chile, Australien, Marokko, Bahrain, Oman, Peru, Kolumbien, Panama und Südkorea (die drei letzteren traten erst unter Obama in Kraft) ein. Außerdem unterzeichneten die USA 2004 das plurilaterale Dominican Republic-Central America-United States Free Trade Agreement (CAFTA-DR) mit fünf zentralamerikanischen Ländern – Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua – und der Dominikanischen Republik.

Die USA verhandeln zurzeit mit elf Pazifikanrainern (Australien, Brunei, Chile, Japan, Malaysia, Neuseeland, Peru, Singapur, Vietnam, Kanada und Mexiko) über ein Freihandelsabkommen, die Transpazifische Partnerschaft (TPP). Zusammengenommen sind die TPP-Länder der viertgrößte Markt für amerikanische Industriegüter- und Dienstleistungsexporte. Das geplante Abkommen soll neben den klassischen Handelsthemen auch sogenannte Handels-Plus-Themen umfassen, darunter Regelungen zum Wettbewerb, zur öffentlichen Auftragsvergabe, zu Investitionen und Umweltschutz. Langfristig erhoffen sich die USA die Weiterentwicklung zu einer Free Trade Area of the Asia Pacific (FTAAP).
Mitte Juni 2013 fiel zudem der Startschuss für die Verhandlungen über ein Transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP). Wenige Volkswirtschaften sind so eng miteinander verflochten wie die der USA und der EU.

Der transatlantische Handel ist bereits stark liberalisiert. Die durchschnittlichen angewandten Zölle sind mittlerweile sehr niedrig. Es gibt allerdings noch eine Vielzahl an Spitzenzöllen, die sich in der EU vor allem im Agrarhandel und in den USA insbesondere bei Textilien, Bekleidung sowie Leder und Schuhwerk finden. Bedeutender sind aber die technischen, nicht tarifären Marktzugangsbarrieren ("non-tariff barriers", NTBs) im transatlantischen Handel. Technische (regulative) Handelsbarrieren existieren vor allem in der Pharma- und Kosmetikindustrie, der Kraftfahrzeugbranche sowie der Textil- und Bekleidungsindustrie. Daneben belasten Registrierungs-, Dokumentations- und Zollabwicklungsverfahren den transatlantischen Handel. In den TTIP-Verhandlungen soll es daher neben der Beseitigung von Zöllen vor allem um den Abbau von NTBs gehen. Darüber hinaus sollen die Verhandlungen auch Handels-Plus-Themen umfassen: die öffentliche Auftragsvergabe, Investitionen, Schutz geistigen Eigentums und Patente, Wettbewerb, Datenschutz, Umwelt und Soziales.

Neben den bilateralen und plurilateralen Freihandelsabkommen unterhalten die USA eine Vielzahl weiterer Abkommen, beispielsweise einseitige Präferenzprogramme – wie den African Growth and Opportunity Act (AGOA) –, die ausgewählten Ländern bevorzugten, teilweise zollfreien Zugang zu den Märkten der USA gewähren. Mit 86 Ländern haben die USA sogenannte "trade and investment frame-work"-Abkommen geschlossen; bilaterale Investitionsabkommen ("bilateral investment treaties") bestehen mit 42 Ländern.


Die USA – nicht immer eine Freihandelsnation

Die Handelspolitik der USA kann in vier Perioden unterteilt werden: Bis 1934 war sie eine Politik des Hochzolls und des Protektionismus. Zwischen dem Bürgerkrieg (1861-1865) und dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise (1929), in der Aufschwungsphase des Industriekapitalismus, wurde sie – mit Ausnahme der Präsidentschaft Woodrow Wilsons (1913-1921) – über mehrere Dekaden hinweg durch Mehrheiten der industriefreundlichen Republikaner im Kongress und durch republikanische Präsidentschaften bestimmt. Die hohen Zölle wurden mit dem durch den ersten US-Finanzminister Alexander Hamilton geprägten Erziehungszollargument (infant industries) gegründet: Junge, sich entwickelnde Industrien müssten geschützt werden, bis sie im internationalen Wettbewerb mithalten könnten. Zölle sollten jedoch nicht nur die heimische Industrie schützen, sie waren auch die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Ihre fiskalische Bedeutung verloren sie erst mit dem 16. Verfassungszusatz, durch den 1913 eine Einkommensteuer eingeführt wurde. Seinen Höhepunkt fand der Handelsprotektionismus in dem 1930 eingeführten Smoot-Hawley-Zoll, der maßgeblich zur internationalen Ausbreitung und Vertiefung der Weltwirtschaftskrise beitrug.
Der Reciprocal Trade Agreemant Act (RTAA) legte 1934 den Grundstein für den Wechsel zur Freihandelspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Einer der wichtigsten Gründe für deren Erfolg war die weltwirtschaftliche Stellung der USA nach 1945. Während die wirtschaftlichen Strukturen und die Industrie der Kriegsgegner wie der Verbündeten der USA weitgehend zerstört waren, verfügten die USA bei Kriegsende über eine prosperierende und wachsende Wirtschaft, in der sich der industrielle Output verdoppelt hatte. Zudem wurde mittlerweile das Fehlen einer offenen Weltwirtschaft als eine der Ursachen der Weltwirtschaftskrise und auch des Zweiten Weltkrieges angesehen. Schließlich galt es, den wirtschaftlichen Aufbau der verbündeten Staaten zu fördern – auch, um ein Bollwerk gegen den Kommunismus zu schaffen. Die USA förderten daher den Aufbau eines liberalen, multilateralen Handelssystems auf Grundlage der Prinzipien der Wechselseitigkeit (reciprocity) und der Meistbegünstigung (Zugeständnisse, die einem Handelspartner gemacht werden, gelten automatisch auch für die anderen Handelspartner). Die USA gehörten nicht nur zu den ersten Unterzeichnerstaaten des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) 1947, sondern setzten sich auch maßgeblich für die folgenden Liberalisierungsrunden ein.

In den 1970er- und 1980er-Jahren vollzog sich ein erneuter Paradigmenwechsel, auch wenn die USA nach wie vor für ein offenes Welthandelssystem einstanden. Geprägt war diese Periode insbesondere durch den sogenannten Fair Trade (Herstellung eines Level-Playing Fields für US-Exporteure) und aggressiven Unilateralismus (d. h. Handeln ohne Rücksicht auf andere). Angesichts des steigenden internationalen Wettbewerbs, nachlassender Wettbewerbsfähigkeit US-amerikanischer Exporteure, binnenwirtschaftlicher Probleme (u. a. hohes Haushaltsdefizit, hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Wachstumsraten) und der Ölkrise wurden Rufe nach einem Schutz vor ausländischer Konkurrenz laut. Die handelspolitischen Rechte der USA sollten stärker eingefordert werden. Der Trade Act von 1974 mit seinem Abschnitt 301 (Verletzung von Handelsabkommen oder -regeln) ermächtigte den Präsidenten, alle möglichen Schritte einzuleiten, um ungerechtfertigte Importbeschränkungen anderer Länder abzubauen. Zuvor eingeräumte Handelszugeständnisse sollten zurückgezogen werden, falls die anderen Nationen an ihren Handelsbarrieren gegenüber den USA festhielten. Außerdem erhielt der Präsident die Befugnis, auf unfaire Handelsmethoden anderer Handelsnationen wie etwa Exportsubventionen mit ähnlichen Maßnahmen zu antworten, wenn die importierten Waren heimische Produzenten gleicher oder ähnlicher Produkte grundlegend unter Druck setzten. Mit dem Super 301 des Omnibus Trade and Competitiveness Act von 1988 wurde dieser Instrumentenkasten noch einmal verschärft. Dieser Abschnitt verlangte eine jährliche Auflistung der Haupthandelsbarrieren sowie derjenigen Länder, die diese zu verantworten haben. Führen Konsultationen mit den betroffenen Ländern zu keinem Ergebnis, sollte der US-Handelsbeauftragte 90 Tage nach Vorlage des Berichts ein Sektion-301-Verfahren gegen sie einleiten. Diese international höchst umstrittene Maßnahme wurde von 1999 bis 2001 unter Präsident Clinton das letzte Mal in Kraft gesetzt.

Parallel setzten die USA weiterhin auf multilaterale Verhandlungen innerhalb des GATT und forcierten den Beginn einer neuen Handelsrunde, der sogenannten Uruguay-Runde. Sie mündete schließlich in die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO), die am 1. Januar 1995 ihre Arbeit aufnahm und das GATT ablöste. Ebenso bemühten sich die USA verstärkt um den Abschluss bilateraler und regionaler Handelsabkommen, bedienten sich also verschiedener Strategien (Multilateralismus, Regionalismus und Unilateralismus), um ihre Handelsbilanz zu verbessern.
Seit Abschluss der Uruguay-Runde und Unterzeichnung des NAFTA-Vertrags ist die Liberalisierungsskepsis in der Bevölkerung jedoch deutlich gestiegen, geschürt durch einen steigenden Wettbewerbs- und ökonomischen Anpassungsdruck, durch stagnierende Löhne der Mittelklasse und zunehmende Einkommensungleichheit. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz und der rasante weltwirtschaftliche Aufstieg Chinas, dessen immense Dollarreserven und die Verlagerung von Produktion und Beschäftigung in Billiglohnländer haben in der US-amerikanischen Gesellschaft ein Gefühl wirtschaftlicher Verwundbarkeit hervorgerufen. Gesetze mit dem Ziel, den Handel weiter zu liberalisieren, fanden in den 1990er- und 2000er-Jahren im Kongress immer dünnere Mehrheiten. Zuletzt gelang es George W. Bush, eine Reihe von Freihandelsabkommen auf den Weg zu bringen.