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Internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen

10.11.2017 | Von:
Heribert Dieter

Grenzüberschreitende Investitionen

Deutsche Investitionen im Ausland und ausländische Investitionen in Deutschland

1991 bis 2015, in Mrd. Euro 
(© Bundesbank, Zeitreihendatenbanken, Außenwirtschaft, im Internet unter 
http://kurz.bpb.de/ft5; für aktuelle Daten http://kurz.bpb.de/ft61991 bis 2015, in Mrd. Euro
(© Bundesbank, Zeitreihendatenbanken, Außenwirtschaft, im Internet unter http://kurz.bpb.de/ft5; für aktuelle Daten http://kurz.bpb.de/ft6
Die Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen in Deutschland hat in den letzten Jahren immer wieder lebhafte Debatten ausgelöst. Neben dem Augsburger Roboterhersteller KUKA sollte ein weiteres Unternehmen, der Anlagenbauer Aixtron, von einem chinesischen Unternehmen gekauft werden. Diese Übernahme wurde aber von der US-Regierung aus Gründen der amerikanischen nationalen Sicherheit – Aixtron produziert Anlagen, die militärisch genutzt werden können – untersagt.

Die Investitionstätigkeit deutscher Unternehmen im Ausland wird hierzulande dagegen weniger diskutiert. Laut Statistik haben in den letzten 25 Jahren deutsche Unternehmen in jeder Fünf-Jahres-Periode mehr im Ausland investiert als ausländische Unternehmen in Deutschland. In den fünf Jahren von 2001 bis 2005 waren beide Summen nahezu gleich hoch, aber seit 2006 sind die deutschen Investitionen im Ausland deutlich höher. Allerdings wird in dieser Statistik nicht unterschieden zwischen Firmenübernahmen, also dem Aufkauf bestehender Unternehmen, und Investitionen etwa in eine neue Fertigungsstätte.

Quellentext

Made in Spartanburg

[…] Auf einem 460 Hektar weiten Gelände links der Straße breitet sich da inmitten grüner Felder ein gigantisches Ensemble strahlendweißer Fabrikgebäude aus – das größte BMW-Werk der Welt.

Vor genau 25 Jahren fiel die Standortentscheidung des Münchner Konzerns für Spartanburg, [South Carolina, USA]. […]. Seit der Gründung der ersten Baumwollspinnereien Ende des 19. Jahrhunderts schlug in dieser Ecke […] das Herz der amerikanischen Textilindustrie. Mit dem Exodus der Branche nach Asien setzte in den 1960er Jahren […] ein dramatischer Niedergang ein. Zehntausende Jobs in der Region gingen verloren. Geschäfte machten Pleite. Das Zentrum von Greenville [Nachbarort von Spartanburg] verödete. […]

Heute empfängt den Besucher eine angenehme, europäisch anmutende Innenstadt mit Parks und vielen Bäumen entlang einer Flanierstraße. Die Arbeitslosenquote liegt unter dem US-weiten Wert von 4,3 Prozent. Viele junge Berufstätige sind aus dem Umland in schicke ehemalige Fabrikgebäude gezogen. Die Mieten steigen. Es gibt kleine Geschäfte und gute Restaurants, in denen man bisweilen mit "Gutten Tack" begrüßt und mit "Dankie" verabschiedet wird.

Schon frühzeitig hatten sich einige Maschinenbauer und der Reifenhersteller Michelin in der Region angesiedelt. Doch erst die Ankunft des Autoriesen BMW vor 25 Jahren brachte den echten Umschwung. "BMW hat uns gerettet", urteilt David Britt. Der Verkaufsmanager eines amerikanischen Zementteileherstellers weiß, wovon er spricht: Er sitzt seit 1991 im Bezirksparlament von Spartanburg. Der deutsche Autokonzern habe mit Investitionen von insgesamt 7,8 Milliarden Dollar die "Region zu einem industriellen Mekka gemacht", schwärmt der Republikaner.

Knudt Flor […] Leiter des BMW-Werkes in Spartanburg […] zählt […] die Eckdaten des Unternehmens auf: 411.000 Fahrzeuge liefen hier im vorigen Jahr vom Band. Bald soll die Jahresproduktion auf 450.000 steigen. Mehr als zwei Drittel davon werden ins Ausland verkauft. Damit ist BMW der größte Autoexporteur der USA.

Fast 9000 Männer und Frauen arbeiten im Werk Spartanburg. Doch das Unternehmen hat auch zahlreiche Zulieferer nachgezogen. Insgesamt, so Flor, sichere der bayerische Konzern damit etwa 30.000 Jobs in der Region und 70.000 in den ganzen USA. "BMW wird längst als lokale Marke gesehen", berichtet der Manager stolz. […]

Seit den 1990er Jahren haben die Amerikaner fast alles getan, um BMW nach South Carolina zu locken und dort zu halten: Das Bauland stellten sie extrem günstig zur Verfügung, bauten die Straßen aus, stellten 55 Appartements zur Verfügung und gewährten massive Steuervorteile. US-Medien schätzten den Wert dieser Subventionen auf 130 bis 145 Millionen Dollar. […] Gewerkschaften spielen hier im Süden ohnehin kaum eine Rolle. Hauptsächlich für BMW wurde die Landebahn des Flughafens verlängert, und als die Deutschen reklamierten, sie bräuchten größere Frachtschiffe, ließ ein Vorgänger von Gouverneur McMaster kurzerhand den Hafen von Charleston ausbaggern. 800 bis 1000 BMW-Geländewagen werden dort nun jede Nacht verschifft. […]

Karl Doemens, "Die Bösen im Bibelgürtel", in: Frankfurter Rundschau vom 24./25. Juni 2017. Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Rundschau GmbH, Frankfurt

Der Fahrzeughersteller Daimler hat im Jahr 2016 die Erweiterung seines ungarischen Werks und Investitionen von einer Milliarde Euro bekanntgegeben. Diese Neuinvestition nutzt der ungarischen Volkswirtschaft, zeigt aber auch, dass in Deutschland vergleichsweise wenig investiert wird. Im genannten Beispiel verzichtet der Fahrzeughersteller Daimler darauf, im Inland seine Produktionskapazität zu erweitern.
Die Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen blieben in den letzten Jahren auf einem hohen Niveau. Zugleich gab es Umschichtungen: Die verarbeitende Industrie und der Handel bauten ihre Investitionen aus, die Banken und Versicherer dagegen reduzierten ihre Investitionen im Ausland. Dies ist auch eine Folge der anhaltenden Krise im Finanzsektor. Banken und Versicherungen bauen Geschäftstätigkeiten ab und reduzieren auf diese Weise den Bedarf an Eigenkapital.

Nahezu keine Veränderungen zeigen sich bei ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. In der verarbeitenden Industrie nahmen die Investitionen zwischen 2012 und 2015 sogar leicht ab. Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen im verarbeitenden Gewerbe betrug 2015 etwa ein Drittel der entsprechenden deutschen Investitionen im Ausland.

Deutsches Unternehmensvermögen im Ausland nach Wirtschaftsbereichen und Ausländisches Unternehmensvermögen in Deutschland nach Wirtschaftsbereichen (© Deutsche Bundesbank, Bestandserhebungen über Direktinvestitionen, Statistische Sonderveröffentlichung 10, Wiesbaden, April 2017. S. 6 f und S. 52 f.)



2015, in Mrd. Euro 
(© Deutsche Bundesbank, Bestandserhebungen über Direktinvestitionen, Statistische Sonder­veröffentlichung 10, Wiesbaden, April 2017. S. 1off und S. 52ff, im Internet unter 
https:/ /www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Down!oadsNeroeffentlichungen/Statistische_ Sonderveroeffentlichungen/Statso _ 10/2017 _ bestandserhebung_ direktinvestitionen. pdf? _ blob=publicationFile )2015, in Mrd. Euro
(© Deutsche Bundesbank, Bestandserhebungen über Direktinvestitionen, Statistische Sonder­veröffentlichung 10, Wiesbaden, April 2017. S. 10ff und S. 52ff, im Internet unter http://kurz.bpb.de/ft7)
Bemerkenswert sind die deutschen Investitionen in Großbritannien, die dreimal so hoch sind wie die in Frankreich. Das liegt vor allem an der Automobilindustrie, allen voran den Investitionen der Firma BMW in die Mini-Fabriken. Sehr niedrig sind bislang die Investitionen aus Schwellenländern in Deutschland. Der Bestand an Direktinvestitionen aus China, Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika belief sich 2015 auf gerade einmal 3,5 Milliarden Euro und damit auf lediglich 0,8 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. China als Herkunftsland von Kapital holt aber in den vergangenen Jahren deutlich auf.