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Internationale Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen

10.11.2017 | Von:
Heribert Dieter

Grenzüberschreitende Investitionen

Droht ein Ausverkauf deutschen Know-Hows

Lange Zeit sahen die deutsche Politik und die deutschen Wirtschaftsverbände in ausländischen Investitionen kaum Grund zur Sorge. Das änderte sich im Jahr 2016. Den Anlass dazu bot die Wirtschaftspolitik Chinas, die vor allem in drei Punkten kritisch betrachtet wird:
Der erste betrifft die Behandlung deutscher Investitionen in China. Die Politik hat den Eindruck gewonnen, dass deutsche Unternehmen in China gerne als Technologieträger genutzt werden. Mit ihnen wird solange kooperiert, bis die chinesischen Unternehmen die Technologie kopiert haben.

Ein Beispiel hierfür ist die Eisenbahnindustrie. Siemens lieferte zunächst komplette Züge und wurde dann von der chinesischen Regierung gezwungen, ein Gemeinschaftsunternehmen mit einer chinesischen Firma zu gründen. Diese übernahm die deutsche Technologie. Siemens ist heute vom chinesischen Eisenbahnmarkt verschwunden, und der frühere Siemens-Kooperationspartner CNR drängt nun als Anbieter auf den deutschen Markt.

Der zweite Punkt betrifft die Ungleichbehandlung: Chinesische Unternehmen können in Deutschland hiesige Firmen vollständig übernehmen, aber deutschen Unternehmen wird dies in China nicht gestattet. Sie müssen sich auf Minderheitsbeteiligungen beschränken.

Der dritte Punkt betrifft die Aushöhlung der technologischen Kompetenz in Deutschland. China hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 ein führender Anbieter in zehn anspruchsvollen Industriezweigen zu werden, darunter die Luftfahrt, Hochgeschwindigkeitszüge und Elektromobilität. Technologische Kompetenz, die nicht im Land selbst vorhanden ist, soll im Ausland eingekauft werden.

Wenn der Argwohn wächst, dass strategische Aufkäufe deutscher Unternehmen durch konkurrierende Unternehmen aus China die künftige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands schwächen könnten, wäre es denkbar, dies zu verhindern, indem ausländische Investitionen zuvor nach bestehenden Regeln (Außenwirtschaftsgesetz) geprüft und in einzelnen Fällen untersagt werden.

Unternehmensverbände warnen bislang vor solch einer Beschränkung, weil sie negative Reaktionen im Ausland erwarten und dadurch die Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen gefährdet sehen.
Die Karikatur zeigt ein Firmengebäude "Plöger-Tech-Spitzentechnologie vom Feisnten", in dem zwei Firmenchefs in Krawatte am Fenster stehen. Der eine sagt zum anderen: "Mit der Schlüsselfertigkeit unserer Schlüsseltechnologie scheint's ja wohl nicht allzu weit her zu sein!" Der andere fragt: "Noch immer kein Übernahmeversuch der Chinesen?" (© Thomas Plaßmann / Baaske Cartoons)