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Dossierbild Jüdisches Leben in Deutschland

5.8.2010 | Von:
Prof. em. Dr. Arno Herzig

1650-1815: Territorialstaat und Schutzjudentum

Einschränkung und Schutz: die Judenordnungen

Wie die Reichsstadt Hamburg so versuchten auch die Territorialherren durch so genannte Judenordnungen das Leben der Juden in ihren Staaten zu regeln und zu schützen. Dies war allerdings mit großen Einschränkungen verbunden. So legten sie die jüdischen Sonderabgaben fest, schränkten die Freizügigkeit ein, verboten weitgehend den Grundbesitz sowie den Zugang zu den Zunftberufen und Kaufmannsgilden. Auch das religiöse Leben bestimmten sie, indem sie den Bau von Synagogen einschränkten und öffentliche Umzüge der Juden untersagten. Für den Landesherren war es günstiger, wenn die Juden eine Korporation, eine geschlossene Gemeinschaft, bildeten, da er von ihnen auf diese Weise eine Gesamtsteuer und weitere Abgaben verlangen konnte. Die Verteilung hatte die Judenheit unter sich zu regeln. Meist bestellte der Territorialherr jedoch auch einen so genannten Judenvorgänger oder -hauptmann, der vielfach von der Landjudenschaft abgelehnt wurde, da er zu stark sowohl die Interessen des Landesherrn als auch seine eigenen vertrat. Als Korporation musste die Landjudenschaft zudem solidarisch für die Vergehen einzelner Mitglieder haften. Die Aufteilung der Steuersummen auf die einzelnen Mitglieder erfolgte auf den so genannten Judenlandtagen, bei Konflikten vermittelte der Landesrabbiner.

Die für die Entwicklung der Juden in Deutschland wichtigste Judenordnung erließ 1750 der preußische König Friedrich II. (Reg.: 1740-1786). Diese Ordnung privilegierte die Mitglieder der Judenschaft je nach ihrer ökonomischen Stellung unterschiedlich und differenzierte sie damit sozial. Dabei ging es dem König primär darum, die reichen Juden als Fabrik- und Manufakturbesitzer zu fördern, die ärmeren aber möglichst aus seinem Land zu verdrängen. An erster Stelle standen die Generalprivilegierten, die den christlichen Kaufleuten gleichgestellt waren und als Bankiers, Münzstättenverwalter oder aber Manufakturisten für die wirtschaftliche Entwicklung größten Nutzen hatten. Als weitere bevorzugte Gruppe galten die ordentlichen Schutzjuden, deren erstgeborene Kinder ebenfalls "vergeleitet" (also mit einem Geleitbrief zu ihrem Schutz versehen) wurden. So erhielt der älteste Sohn mit dem Schutz das Recht, im Land zu leben, der Zweitgeborene aber musste für diesen Status hohe Summen und Sonderabgaben zahlen. Dann folgten die außerordentlichen Schutzjuden, deren Kinder nicht vergeleitet wurden, so dass sie in der Regel bei Volljährigkeit das Land verlassen mussten. Außerhalb der eigentlich vergeleiteten Judenschaft standen die Bediensteten, eine sozial nicht genau bestimmbare Gruppe, bei der es sich häufig um nichtvergeleitete Familienmitglieder oder Mitarbeiter in einflussreichen ökonomischen Positionen handeln konnte, wie das Beispiel Moses Mendelssohn zeigt. Als einer der führenden Philosophen in Preußen war er hauptberuflich als Prokurist in der Seidenmanufaktur des Isaak Bernhard in Berlin beschäftigt und gehörte gleichsam zu dessen Familie. Mendelssohn und seine Frau wurde das außerordentliche Schutzjudenprivileg nur auf Fürsprache anderer Gelehrter in Anerkennung seiner Gelehrsamkeit verliehen. Das Bleiberecht für seine Kinder wurde ihm erst viel später und gegen Zahlung gewährt. Die jüdische Unterschicht stellten die Armen/Verarmten, die von den jüdischen Gemeinden mitgetragen, häufig aber ausgewiesen wurden und sich den herumziehenden Bettlerscharen anschlossen. Dabei glitten sie nicht selten ins kriminelle Milieu ab.

Hoffaktoren - die jüdische Oberschicht

Im Gegensatz zum mittelalterlichen Fernhandel bzw. dem damaligen Stadthandel für das Umland stand im Zeitalter des Merkantilismus die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Territoriums im Vordergrund. Nach Wunsch der Landesherren sollte die Produktion im eigenen Land gesteigert, die geschaffenen Güter aber sollten ins "Ausland" exportiert werden. Dazu griffen sie auch dirigistisch in die Wirtschaftsabläufe ein. Für die Juden erschlossen sich dabei ertragreiche Tätigkeitsfelder; so für die Generalprivilegierten bzw. Hoffaktoren oder Hofagenten der Handel mit den Fürstenhöfen. Ihre Aufgabe bestand weitgehend in der Warenbeschaffung, Kreditvermittlung, Münzherstellung, bisweilen auch in diplomatischen und politischen Diensten, was nicht ohne Gefahr war. Dies belegt das Schicksal des württembergischen Hofagenten Joseph Süß Oppenheimer. Seine Vorrangstellung unter Herzog Carl Alexander büßte er unter dem Druck der Stände nach dessen Tod 1737 mit der Hinrichtung. Doch war das eher die Ausnahme, denn die Fürsten waren auf die Kredite der Hoffaktoren angewiesen.

Quellentext

Joseph Süß Oppenheimer

Auf welch dünnem Eis und vor welch tiefem Abgrund die Hofjuden agierten, belegt exemplarisch der Fall des Joseph Süß Oppenheimer, dessen Geschichte die Menschen schon zu seinen Lebzeiten ungeheuer erregt hat. Während des Nationalsozialismus wurde Oppenheimer im Auftrag des Propagandaministers Goebbels gar zum dämonischen Juden schlechthin stilisiert und erlangte in dem antisemitischen Agitationsfilm "Jud Süß" des Regisseurs Veit Harlan traurige Berühmtheit.

Oppenheimer, erst mit dem Tag seiner Verhaftung im Jahr 1737 in herabsetzender Absicht zum "Jud Süß" gemacht, zählt wohl zu den bekanntesten Gestalten in der Geschichte der deutschen Juden. 1698 geboren, kann sein Aufstieg zum Bankier, zum württembergischen Geheimen Finanzrat und zum engen Vertrauten des Herzogs Carl Alexander von Württemberg das gefährliche Spannungsverhältnis gut veranschaulichen, in das die Hofjuden zur Zeit des kleinstaatlichen Absolutismus notwendig geraten mussten. An jedem Erfolg hafteten zugleich die Spuren des Unheils, und Oppenheimer war sehr erfolgreich: Er modernisierte das württembergische Finanzwesen, schaffte die alten Privilegien der Ständevertreter ab und sanierte den Staatshaushalt; doch mit jedem Anwachsen der Staatskasse nahm auch die Zahl der Neider und Gegner zu. Als der Herzog 1737 überraschend stirbt, ist Oppenheimer der Rache seiner Feinde schutzlos ausgeliefert. Er wird festgenommen und nach einem äußerst fragwürdigen Prozess zum Tode verurteilt.
Dieser Prozess, schnell angezettelt, schlecht vorbereitet und immer am Rande des offenen Justizskandals, offenbart die Mentalitäten und Mächte, denen Joseph Süß zum Opfer fiel. Da ihm keinerlei finanzielles oder politisches Vergehen nachgewiesen werden konnte, war es am Ende die pure Feindseligkeit, die ihn an den Galgen brachte: In den Augen seiner Ankläger gebührte dem "lüsternen Verführer", dem "kaltblütigen Geschäftsmann", dem "Freidenker" und nicht zuletzt dem "Juden" der Strick. Am Morgen des 4. Februars 1738 starb Joseph Oppenheimer am höchsten Galgen des Deutschen Reiches. Über 1200 Schaulustige, mehr als die Hälfte der Stuttgarter Bevölkerung, machten seine Hinrichtung zu einem grausigen Fest.

Ingke Brodersen, Rüdiger Dammann, Zerrissene Herzen. Die Geschichte der Juden in Deutschland, Bonn 2007, S. 77 f.

Schon seit dem 17. Jahrhundert heirateten die Hoffaktorenfamilien untereinander, um auf diese Weise ein Netz für die Kreditbeschaffung bzw. -sicherung herzustellen. Doch reichten diese Verbindungen wiederum nicht so weit, dass es bei nicht eingehaltenen fürstlichen Verpflichtungen zu einer solidarischen Kreditverweigerung gekommen wäre. Dafür war die Konkurrenzsituation zu stark.

Unter den jüdischen Unternehmern profilierten sich auch einige Frauen. So in Hamburg Glikl Hameln, die aufschlussreiche Memoiren hinterließ. Nach dem Tod ihres Mannes 1689 führte sie erfolgreich das Geschäft mit Gold, Silber, Edelsteinen, Geld und Unzenperlen. Ihre 13 Kinder verheiratete sie strategisch geschickt mit Kindern der Hofagentenfamilien. An der Hochzeit ihrer Tochter Zippora mit dem klevischen Hofagenten Kosman Gomperz 1674 nahm sogar der preußische Prinz und spätere König Friedrich (I.) teil. Unter den erfolgreichen Hofagenten in Berlin, Kassel, München und Mainz befanden sich mindestens sieben Frauen, darunter die durch ihren Aufstieg aus kleinen Verhältnissen zu einer einflussreichen Finanzagentin bekannte Karoline Raphael, genannt "Madame Kaulla". Vielfach passten sich die jüdischen Hofagenten dem höfischen Lebensstil in Kleidung und Haartracht an, gaben aber ihre Verbindungen zu den jüdischen Gemeinden ihres Landes nicht auf. Für diese erreichten sie beim Fürsten manche Privilegien. Im Übergang von der Ständegesellschaft zur kapitalistischen Klassengesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten sich viele Hoffaktoren im Bankgeschäft etablieren. Manche stiegen in den Adel auf, mussten aber dafür zuvor zum Christentum konvertieren.

Quellentext

Glikl von Hameln

Glikl bas Juda Leib (1646/47 - 1724) oder, wie sie lange genannt wurde, Glückel von Hameln ist zweifellos die prominenteste Frau der deutsch-jüdischen frühen Neuzeit. Dies hat, wie sollte es anders sein, mit ihrer "Medienpräsenz" zu tun. Seit dem Erscheinen ihres unbetitelten autobiografischen Textes in der jiddischen Druckausgabe von 1896 sind ihre Erinnerungen (Sichroines) im deutschen und englischen Sprachraum in Übersetzung und in vielen Auflagen von Juden und Nichtjuden gelesen worden.[...]

Geboren wurde Glikl in Hamburg als dritte Tochter des angesehenen und wohlhabenden Kaufmanns Juda Leib und seiner Frau Bele, der Tochter des Nathan Melrich. [...] Als knapp Zwölfjährige wurde Glikl mit dem wenig älteren Chaim verlobt, dem jüngsten Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Josef Hameln alias Jobst Goldschmidt. Zwei Jahre später (zirka 1659/1660) fand die Hochzeit statt, und das junge Paar lebte zunächst [...] in Hameln [...].
Es waren vor allem ökonomische Gründe, die Chaim und Glikl jedoch schon bald nach Hamburg zogen: Sie wollten sich in der aufblühenden Hafen- und Handelsstadt selbstständig machen. [...] Chaim startete einen erfolgreichen Handel mit Goldketten und Glikl bekam mit 16 Jahren ihr erstes Kind; im Abstand von jeweils etwa zwei Jahren folgten 13 weitere Kinder, von denen zwölf das Erwachsenenalter erreichten. [...] Ihren Handel erweiterten Chaim und Glikl auf Gold, Silber, Edelsteine, Geld und Unzenperlen, [...] der oft kränkliche Chaim ging regelmäßig auf Reisen, nach Amsterdam und auf die Messen in Leipzig und Frankfurt. [...] 1689 starb er unerwartet und hinterließ Glikl mit acht unverheirateten Kindern und der vollen Verantwortung für das Geschäft.
Um jedem Zweifel an ihrer Kreditwürdigkeit zuvorzukommen, veranstaltete Glikl eine Versteigerung und bezahlte aus dem Gewinn alle Schulden. Anschließend führte sie ein Ladengeschäft, in dem sie lokale Waren und Importe aus Holland anbot, Unzenperlen aufkaufte, sortierte und dann wieder verkaufte, Geldleihe und Wechselgeschäfte betrieb; auf den Messen in Leipzig und Braunschweig kaufte sie Waren ein, immer begleitet von einem ihrer älteren Söhne. [...] Ferner gründete sie eine Strumpfmanufaktur mit angeschlossenem Handel. Sie war so erfolgreich, dass sie an der Hamburger Börse 20000 Reichstaler Kredit hätte haben können. [...] Sie starb 1724 mit 78 Jahren, nachdem sie bereits 1719 das Schreiben an ihrem autobiografischen Text beendet hatte. [...]
Im Schreiben fand sie eine Ausdrucksmöglichkeit für ihre Trauer, für ihre Einsamkeit in der großen Verantwortung für acht unmündige Kinder. Kinder und Enkel sind ihre Adressaten. [...] Als Frau, Mutter und Kauffrau schrieb Glikl über andere Dinge als ein - meist männlicher - Gelehrter. Im Zentrum dieser weiblichen Perspektive stehen die Familie, die Kinder, die alltäglichen Herausforderungen durch das Geschäft. Zugleich eine Religiosität, die anders als bei den Männern nicht geprägt war durch gemeinschaftliches Lernen, Studieren und Beten, sondern in ihrer spezifisch weiblichen Form und angesichts von Schicksalsschlägen einen sehr individuellen und selbstbewussten Dialog mit Gott offenbart. [...]
[Wir finden] bei Glikl Nichtjuden ausschließlich an der Peripherie. Sie gehören einer anderen Welt an [...]. Sie sind wichtig, weil sie Macht und Herrschaft repräsentieren [...] und gefährlich als Urheber individueller oder kollektiver Gewalttaten gegen Juden. Doch dies verleitet Glikl nicht zu einer undifferenzierten Schwarz-Weiß-Malerei. Sie schildert auch Begebenheiten, bei denen sie positive Erfahrungen mit Nichtjuden machte, [...]. Ihre Distanz zu Nichtjuden bleibt bei aller Anerkennung jedoch immer spürbar, [...].
Glikl zeigt sich uns als eine sehr individuelle Schriftstellerin, als kluge Beobachterin der Gesellschaft ihrer Zeit und als selbstbewusst handelnde und denkende, dabei auch mit Gott argumentierende Persönlichkeit. Es sind die literarische Vielseitigkeit, der Blick aufs Alltagsleben und Einstellungen, auf Religiosität und Wirtschaftsgebaren, auf Personen, Familien und Gesellschaft, die an ihrem Werk noch heute faszinieren.

Rotraud Ries, Glikl: Der Blick einer jüdischen Frau auf die Gesellschaft der frühen Neuzeit, in: Arno Herzig / Cay Rademacher, Die Geschichte der Juden in Deutschland, Hamburg 2007, S. 66ff.

Händler - die jüdische Mittelschicht

Unterhalb der jüdischen Oberschicht bildete sich ein jüdischer Mittelstand, dessen Mitglieder außerhalb der Zunftwirtschaft im Manufakturgewerbe und im Handel mit Kolonialprodukten sowie als Zwischenhändler neue Tätigkeitsbereiche fanden. Ihre Risikobereitschaft und die damit verbundenen Erfolge riefen wiederholt Kritik und auch Feindseligkeit sowohl der etablierten Kaufmannschaft wie der einfachen Bevölkerung hervor. Diese vertraten den Grundsatz, dass erst die Versorgung der Bevölkerung sicher gestellt werden müsse, bevor Lebensmittel ins "Ausland" verkauft werden dürften. Verstießen die Exporteure dagegen, kam es zu sozialem Protest, die Protestierenden verteilten die Exportgüter zum "gerechten Preis" unter sich. Mitunter konnte diese Verteilung in Plünderungen ausarten, wie 1699 in Bamberg. Hier drang das "liederliche Gesindel" - so die Bezeichnung im amtlichen Protokoll - in die Häuser der jüdischen Zwischenhändler ein und zerstörte deren Inventar. Trotz Militäreinsatz setzte sich der Protest bis ins Umland fort, wo sich ihm die Bauern anschlossen, die den in ihren Dörfern wohnenden Juden Geld, Gold und Schmuck wegnahmen, weil es sich angeblich um Wuchergut handele. Die bischöfliche Regierung versuchte die Situation zu retten, indem sie eine "Einschränkung der Juden-Gewerbschaften" verfügte. Doch dies erwies sich als kurzsichtig und führte zum Zusammenbruch der Agrarwirtschaft im Bamberger Land. Die Bauern konnten ihr Vieh nicht mehr wie bisher an die jüdischen Viehhändler verkaufen. 1713 musste deshalb eine bischöfliche Verordnung das Scheitern dieser Politik eingestehen und einräumen: "Was die Christen nicht führen und handeln können oder wollen, absonderlich auf dem Land, das solle dem Juden erlaubt seyn".

Unterstützung der jüdischen Unterschicht

Mochte eine respektable Gruppe des jüdischen Mittelstands relativ wohlhabend sein, so existierte doch auch eine Unterschicht, die durch Klein-, Trödel- und Hausierhandel ihr Dasein fristete und ständig in Gefahr lebte, in Armut und damit Schutzlosigkeit abzusteigen. Zu den Grundsätzen jüdischer Ethik gehört die Mildtätigkeit, zu der sowohl die Gemeinde wie der Einzelne verpflichtet sind. Als nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) immer mehr Juden verarmten, da von den Juden hohe Sonderabgaben verlangt wurden und der Handel unter den Kriegszügen litt, kam auf die Gemeinden eine schwere Aufgabe zu. Deutlich wird dies am Beispiel der kleinen jüdischen Gemeinde im fränkischen (Reichsdorf!) Gochsheim nahe Schweinfurt. Obwohl das Gesamtvermögen der dortigen 26 jüdischen Haushalte in den 1780er Jahren nur 7200 Gulden betrug, versorgten und beköstigten sie im Laufe des Jahres 1200 jüdische Bettler und Bettlerinnen, die in das Dorf kamen. Für diese Unterstützungsmaßnahmen wandten sie einen Betrag von 350 Gulden auf, immerhin fünf Prozent des Gesamtvermögens aller Mitglieder dieser Gemeinde, wobei die Hilfe für die in der eigenen Gemeinde wohnenden Bedürftigen noch nicht einmal berücksichtigt war.

Letztlich ist dies auch ein Beweis dafür, wie gut das soziale und geistliche Leben der Landgemeinden funktionierte und sich weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen entfalten konnte. Garantierte im Mittelalter die städtische Gemeinde die Infrastruktur der Judenheit, so war es nun der Verband der Landgemeinden, die zumeist in den Grenzen des frühneuzeitlichen Territorialstaates zusammengeschlossen waren. Diese Landjudenschaften besaßen ihre eigenen Selbstverwaltungsorgane mit einem Obervorsteher an der Spitze, der auf den so genannten Judenlandtagen durch die männlichen Gemeindemitglieder gewählt wurde.


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