Dossierbild Jüdisches Leben in Deutschland

5.8.2010 | Von:
Prof. em. Dr. Arno Herzig

Neubeginn

Juden in der DDR

Im Gegensatz zu den zu diesem Zeitpunkt ca. 30000 jüdischen Bürgern in Westdeutschland waren die 350 jüdischen Bürger der DDR 1989 numerisch kaum von Bedeutung. Viele Juden (Stand 1959: 3100) hatten noch vor dem Mauerbau 1961 die DDR verlassen, als im Zuge der spätstalinistischen antijüdischen Aktionen, zum Beispiel der "Ärzteverschwörung" in der Sowjetunion (1953), die Juden in der DDR der Spionage für den "US-Imperialismus" verdächtigt wurden. Auch jüdische Intellektuelle wie der Germanist Hans Mayer und der Philosoph Ernst Bloch, die aus dem Exil kommend sich in der DDR niedergelassen hatten, gingen in den Westen. Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat und weigerte sich mit dieser Begründung, Ausgleichszahlungen für erlittenes Unrecht zu leisten oder den durch die Nationalsozialisten enteigneten Besitz jüdischer Bürger zurückzuerstatten. Als die DDR 1987/88 politisch und wirtschaftlich in die Krise geriet, versuchte sie durch symbolische Gesten gegenüber den wenigen jüdischen Gemeinden in der DDR von den USA wirtschaftliche Vergünstigungen zu erreichen. So gestattete die SED die Anstellung eines amerikanischen Rabbiners sowie den Wiederaufbau der größten Synagoge Berlins in der Oranienburger Straße, der nach der Einheit vollendet wurde. Heute ist diese Synagoge mit ihrer goldenen Kuppel ein Wahrzeichen Berlins und dient mit dem dort untergebrachten Centrum Judaicum als Erinnerungsort jüdischer Geschichte in dieser Stadt.


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