Menschenrechte

11.3.2008 | Von:
Axel Herrmann

Menschenrechte in einer globalisierten Welt

Menschenrechtsorganisationen

Im weiteren Sinne stehen alle Organisationen im Dienste des Menschenrechtsschutzes, die - insbesondere in der Dritten Welt - humanitäre Hilfe leisten. Dem Gründungsziel der UN entsprechend, allen Menschen ein Leben frei von Not zu ermöglichen, sind zunächst wieder die verschiedenen Hilfsorganisationen der UNO zu nennen, beispielsweise das Kinderhilfswerk UNICEF.

An dieser Stelle soll aber der Blick vor allem auf private Organisationen gerichtet werden, die beim Menschenrechtsschutz oft wesentlich weniger politische Rücksichten nehmen müssen als UN-Organisationen oder einzelstaatliche Initiativen. Neben so namhaften und weltweit tätigen NGOs wie Amnesty International oder Human Rights Watch gibt es heute auch zahlreiche kleinere und regional begrenzte Organisationen, die selbst in sehr repressiven Staaten aktiv werden. Dies ist sicher auch ein Verdienst der von der UNO so nachdrücklich propagierten Menschenrechtsidee. Allein im deutschsprachigen Raum haben etwa 150 Organisationen den Schutz der Menschenrechte ausdrücklich zum Ziel ihrer Arbeit erklärt. Während die weltweit vertretenen meist eine große Bandbreite abdecken, haben kleinere Initiativen oft nur bestimmte Menschenrechte, Regionen oder Zielgruppen vor Augen. So kümmern sich zum Beispiel einige Organisationen um bedrohte Naturvölker wie die Indios im tropischen Regenwald oder umdie Benachteiligung von Homosexuellen in der Gesellschaft.

Auf Grund massiver und verbreitet vorkommender Menschenrechtsverletzungen wie Frauenhandel und Gewalt gegen Frauen, Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit sowie des Asylrechtes haben Organisationen wie Terre des Femmes, Reporter ohne Grenzen oder PRO ASYL größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Im Allgemeinen versuchen NGOs, durch Mahnwachen, Unterschriftenaktionen und Protestbriefe Aufmerksamkeit zu erzeugen und öffentlichen Druck auf die Urheber von Menschenrechtsverletzungen auszuüben. Nicht weniger wichtig erscheint ihnen aber auch die direkte Unterstützung von Opfern, sei es durch Rechtshilfe oder materielle Leistungen im Sinne einer sozialen Fürsorge. Dabei setzen die NGOs vor allem auch auf moderne Technologie und Kommunikationsstrukturen. So verfolgt Amnesty International beispielsweise mit Hilfe von Satellitenbildern, die auch in das Internet gestellt werden, die Lage im Krisengebiet von Darfur. Auf diese Weise vermögen die NGOs, Menschenrechtsverletzungen aus einer Dunkelzone des Schweigens an das Licht der Weltöffentlichkeit zu befördern, die auf diplomatischem Wege über die Staaten niemals entschleiert würden. Selbstverständlich können die NGOs solche Fälle auch mit einer ganz anderen Deutlichkeit zur Sprache bringen und damit unter Umständen wesentlich rascher Hilfe leisten. Schließlich gilt für nichtstaatliche Organisationen auch das völkerrechtliche Interventionsverbot nicht.

Quellentext

Amnesty International

  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat nach eigenen Angaben in 150 Ländern etwa 2,2 Millionen Mitglieder oder Unterstützer.
  • 700 Menschenrechtsverteidiger wurden im vergangenen Jahr geschult. Die Organisation veröffentlichte 473 Berichte und startete 330 Aktionen für gefährdete Personen. Zudem organisierte Amnesty Kampagnen.
  • Im Jahresbericht schildert AI die Lage der Menschenrechte in 153 Ländern. Beschrieben wird, welche Menschenrechte ein Land in welchem Maß einschränkt. [...] Demnach haben 57 Regierungen Menschen aus möglichen politischen Gründen inhaftiert.
  • 1961 wurde Amnesty International in London von dem englischen Rechtsanwalt Peter Benenson gegründet. Ihm soll die Idee zur Gründung gekommen sein, als er in der Zeitung zum wiederholten Mal über das ungerechtfertigte Handeln von Regierungen gegen die eigene Bevölkerung las.
  • Ausgezeichnet wurde Amnesty International zweimal - 1976 mit dem Erasmuspreis und 1977 mit dem Friedensnobelpreis.

    "Amnesty", in: Frankfurter Rundschau vom 24. Mai 2007

  • Das alles führte dazu, dass die NGOs manchen Regierungen ein Dorn im Auge sind. So versucht man gerne, sie je nach Lage in eine bestimmte ideologische Ecke zu drängen und als Handlanger des politischen Gegners zu diffamieren. Wichtig ist es deshalb, dass die Menschenrechtsorganisationen nach Möglichkeit nur für Personen eintreten, die selbst keine Gewalt ausgeübt haben, aber eindeutig als Opfer angesehen werden können. Schon im Hinblick auf die Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist es für NGOs unerlässlich, die Öffentlichkeit über ihre Arbeit zu informieren und für den Menschenrechtsschutz zu mobilisieren. Dazu setzen sie mehr und mehr auch auf die Macht von Bildern. So werden inzwischen auf mehreren Filmfestivals neben einschlägigen Dokumentarfilmen auch Spielfilme gezeigt, die Menschenrechte bzw. Menschenrechtsverletzungen zum Thema haben. Auf großes Publikumsinteresse stieß beispielsweise auf der Berlinale 2005 der Film "Hotel Ruanda", der vom Genozid in Ruanda handelt. Ebenso bedeutsam ist es, wenn sich Künstler und Personen des öffentlichen Lebens für die Menschenrechte einsetzen. Stellvertretend für viele seien hier der Abenteurer Rüdiger Nehberg und Bianca Jagger, die Ex-Frau von "Rolling Stones"-Sänger Mick Jagger, erwähnt. Ersterer macht mit spektakulären Aktionen auf Menschenrechte aufmerksam und kämpft besonders gegen die grausame Praxis der Genitalverstümmelung junger Frauen, Bianca Jagger wurde im Jahre 2004 für ihre Arbeit bei Amnesty International sowie im Kampf gegen weltweiten Hunger mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

    Heute gibt es Organisationen im Dienste der Menschheit in einer Vielzahl und Bandbreite wie niemals zuvor in der Geschichte, die sich in irgendeiner Form für die Verwirklichung der Menschenrechte einsetzen. In unserer globalisierten Welt fällt es immer schwerer, Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen oder gar zu beschönigen. Wie der demokratische Rechtsstaat aber von der aktiven Beteiligung seiner Bürgerinnen und Bürger lebt, so kann der Kampf um die Menschenrechte niemals Sache von wenigen sein. Daher stellt der Schutz der Menschenrechte eine Herausforderung für alle dar, die wir im Interesse des Friedens und des Wohlergehens aller Menschen annehmen müssen. Es gibt dazu keine Alternative.

    Quellentext

    Bewusst einkaufen, Menschenrechte schützen

    Manchmal lässt sich die Frage nach den Menschenrechten durch einen Blick in den Kleiderschrank oder aufs eigene Konto beantworten. Woher kommen die T-Shirts und Hosen dort? Und wie ist das Geld im Spardepot angelegt, welche Aktien und Fonds sollen den Wert des Depots mehren?

    Zuletzt erwischte es die Modemarke Esprit: Das Magazin "Stern" berichtete im Juni nicht nur, unter welchen Bedingungen der Konzern Kinder 14 Stunden am Tag Sommertops nähen und verzieren lasse, sondern auch, wie die indischen Jungen offenbar von Menschenhändlern in die Slums von Neu-Delhi gebracht würden. Dort müssten sie in Hinterhof-Klitschen jeweils 200 winzige Perlen auf Baumwollstretch nähen, damit diese später das Dekolleté westeuropäischer Käuferinnen schmückten - für 25,95 Euro Ladenpreis.
    Problematische Zustände für die Beschäftigten deckten Menschenrechts-Aktivisten nach eigenen Angaben in der Vergangenheit auch bei Zulieferern für den Otto-Konzern, Tchibo, Puma, Wal-Mart oder Adidas auf. Menschenunwürdige Bedingungen für Fabrikarbeiterinnen oder Malocher auf Plantagen lassen sich immer wieder finden, nicht nur bei den Produkten von Billiganbietern und Discount-Supermärkten. Auch Luxushandtaschen oder Seidenkleider können zum Hungerlohn fabriziert werden. Selbst Edelstein-Händler wie DeBeers nahmen jahrelang billigend in Kauf, dass "Blutdiamanten" für gut gefüllte Kriegskassen in manchem Bürgerkrieg sorgten. Erst nachdem ein Boykott der betuchten Klientel zur ernsten Gefahr wurde, lenkte die Branche ein und verlangt nun von ihren Lieferanten bei dem Abbau der Klunker zumindest halbwegs menschenwürdige Umstände.
    Obwohl die Globalisierung es schwer macht zu überblicken, wer wo unter welchen Bedingungen näht, schmirgelt oder erntet, sind gerade durch die weltweite Verflechtung die Chancen gewachsen, dass jede und jeder als Verbraucher Druck ausüben kann. Konzerne fürchten nicht nur Umsatzschwund bei zwiespältigen Produkten, sondern noch schlimmer, dass ihr Image leidet, sobald ein Fall bekannt wird, der menschenrechtsbewusste Verbraucher schreckt. Und das Internet befördert schnell Nachrichten um den Erdball, über Fabrikarbeiter, die Giften ausgesetzt sind, oder Arbeiterinnen, die trotz Schwangerschaft doppelte Schichten ohne Pause leisten müssen.
    Dies erleichtert Organisationen wie Oxfam oder Human Rights Watch die Arbeit. [...]
    Die Macht des Einkaufswagens ist groß, wenn es darum geht, sich für die Einhaltung von Menschenrechten, für angemessene Arbeitszeiten, den Schutz der Gesundheit oder das Recht auf eine Mitgliedschaft in Gewerkschaften einzusetzen. Nimmt man die Macht des Bankdepots hinzu, verdoppeln sich die Möglichkeiten. Die meisten internationalen Textilhändler oder Nahrungsmittelkonzerne sind an der Börse notiert. Deshalb ist für ihren wirtschaftlichen Erfolg wichtig, dass nichts am Image kratzt und große Investoren nicht abspringen. Die riesigen US-Pensionsfonds oder finanzstarke angelsächsische Privatuniversitäten setzen als Kapitalgeber verstärkt darauf, ihr Geld nur in ethisch unbedenkliche Firmen fließen zu lassen. Solche Großinvestoren können sogar Druck auf Regierungen ausüben - etwa die Regierung des Sudan wegen des Mordens in der Region Darfur.
    Die Gruppe der bewussten Verbraucher wächst. Deshalb boomt die Ökobranche, deshalb wird aber auch fairer Handel wichtiger. Es sind nicht mehr nur die dogmatischen Weltverbesserer von früher, die auf die Herkunft von Badelatschen, Bananen oder BHs achten. Seit Filmstars wie Brad Pitt oder George Clooney immer mal wieder über Menschenrechte und Fairness plaudern, wollen auf einmal viele so sein. Diese Konsumenten verstehen sich nicht mehr als Opfer von Marktmechanismen, sondern als treibende Kraft. [...]

    Cordula Tutt, "Die Macht des Einkaufswagens", in: Das Parlament Nr. 32/33 vom 6./13. August 2007



    Dossier

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