Staat und Wirtschaft

5.7.2007 | Von:
Hans-Jürgen Schlösser

Ziele und Instrumente

Zielbeziehungen

Wirtschaftspolitische Ziele können in unterschiedlichem Bezug zueinander stehen. Als vertikal gelten Zielbeziehungen, in denen ein Ziel einen dienenden Charakter für andere Ziele hat. Die wirtschaftspolitischen Ziele dienen der Realisierung gesellschaftlicher Grundwerte.

Die ÖkosteuerDie Ökosteuer
Zu den vertikalen treten horizontale Zielbeziehungen, die in der praktischen Wirtschaftspolitik eine wichtige Rolle spielen. Sie lassen sich nochmals unterscheiden in logische und technologische Zielbeziehungen. Zu den logischen Zielbeziehungen gehört zum Beispiel die Vereinbarkeit bzw. die Unvereinbarkeit von Zielen. Unvereinbar ist beispielsweise, wenn die Wirtschaftspolitik gleichzeitig auf eine Erhöhung der Energiepreise hinwirken will, um zum Umweltschutz beizutragen, und auf eine Senkung der Energiepreise, um das Wirtschaftswachstum zu steigern.

Von Zielidentität spricht man dann, wenn Ziele sich inhaltlich nicht unterscheiden oder sich mehrere Ziele auf ein einziges Ziel zurückführen lassen. Dies ist etwa der Fall, wenn man gleichzeitig Geldwertstabilität verfolgen und Inflation vermeiden will.

Logische Vereinbarkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass mehrere Ziele gleichzeitig angestrebt werden können. Aber auch bei logischer Vereinbarkeit kann die Annäherung an ein Ziel zu Einbußen bei der Erfüllung anderer Ziele führen. Solche horizontalen Zielbeziehungen werden als technologische Zielbeziehungen bezeichnet: Wenn die Verfolgung eines Ziels die Erreichung anderer Ziele beeinträchtigt,dann liegt ein Zielkonflikt vor, beispielsweise bei den Zielen Wirtschaftswachstum und Erhalt der natürlichen Umwelt. Gibt es dagegen keine Wirkungen auf andere Ziele, so spricht man von Zielneutralität. Die unproblematischste Situation ist die Zielharmonie: Die Verfolgung eines Ziels begünstigt die Erreichung anderer Ziele, beispielsweise bei den Zielen Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung.

Im Zielkonflikt muss ein Kompromiss gefunden werden. Gelingt dies nicht, befindet sich die Wirtschaftspolitik in einem Dilemma. Sie muss abwägen, ob der Nutzen bei der Verfolgung des einen Ziels die Beeinträchtigungen beim Erreichen des anderen Ziels wert ist.

Die Ursachen von Zielkonflikten liegen im Einsatz der wirtschaftspolitischen Instrumente. Wenn nur ein einziges Instrument zur Erreichung von zwei Zielen eingesetzt wird, kann davon eine negative Wirkung auf eines der beiden Ziele ausgehen. Soll beispielsweise eine Energiesteuer gleichzeitig den Energieverbrauch senken und die öffentlichen Einnahmen erhöhen, führt ein Erfolg beim ersten Ziel zum Verfehlen des zweiten. Beide Ziele sind nur gleichzeitig zu erreichen, wenn noch ein zweites wirtschaftspolitisches Instrument eingesetzt wird, zum Beispiel ein höherer Mehrwertsteuersatz. Im Idealfall verfügt die Wirtschaftspolitik also über so viele Instrumente, wie sie Ziele anstrebt. Allerdings lässt sich in der Praxis häufig nicht hinreichend kontrollieren, ob und inwieweit die eingesetzten Instrumente die angestrebten Ziele befördern.


Dossier

Wirtschaft

Wirtschaftliche Grundkenntnisse sind so wichtig wie das kleine 1x1. Das Dossier liefert Hintergründe und Themenbeiträge zu den wichtigsten aktuellen Wirtschaftsdebatten.

Mehr lesen

Lexika-Suche