Verfassungsfeier am 11. August 1929 in Berlin

Weimarer Republik

Die Epoche der Weimarer Republik hat auch ein Jahrhundert später nicht an Bedeutung verloren. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland fußt auf der fortschrittlichen Verfassung dieser ersten deutschen Demokratie, ihre politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung lädt immer wieder zum Vergleich mit der Aktualität ein. Eine chronologische Darstellung lässt die Ereignisse der Zeit von 1919 bis 1933 lebendig werden.

Informationen zur politischen Bildung Nr. 346/2020

Editorial

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Warteschlange vor einem Metzgerei im süddeutschen Raum

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Konstituierung der Demokratie 1918/1919

Im Sommer 1918 erklärt die Oberste Heeresleitung den Ersten Weltkrieg für verloren und plädiert für Waffenstillstandsverhandlungen. Revolutionäre Unruhen führen das Ende der Monarchie in Deutschland herbei. Durch maßgeblichen Einfluss der SPD wird das Reich eine parlamentarische Demokratie, deren Repräsentanten das Waffenstillstandsabkommen und einen umstrittenen Friedensvertrag unterzeichnen.

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Die ersten Jahre der Weimarer Republik sind geprägt
von Auseinandersetzungen: Im französisch besetzten
Düsseldorf kämpfen Separatisten für eine Rheinische
Republik und attackieren am 30. September 1923 einen
Polizisten, im Hintergrund französische Kavallerie.

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Umkämpfte Republik 1919-1923

Die neu gegründete Republik muss sich von Anfang an gegen Feinde von rechts und links behaupten, die ihre demokratischen Grundprinzipien ablehnen. Während die Kommunisten eine Räteherrschaft nach sowjetischem Vorbild errichten wollen, finden sich im rechten Lager neben den alten monarchistisch gesinnten Eliten völkische und nationalistische Akteure wie die neu gegründete NSDAP. Es herrschen teilweise bürgerkriegsähnliche Zustände, die im Krisenjahr 1923 ihren Höhepunkt erreichen.

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Der Titania-Palast, ein repräsentatives Großkino im Stil der Neuen Sachlichkeit,
wird nach dem Entwurf der Architekten Schöffler, Schlönbach & Jacobi erbaut
und 1928 in Berlin-Steglitz eröffnet. Er gilt in seiner Zeit als Sensation und
verkörpert symbolhaft die Bedeutung des Films als neues Massenmedium.

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Gefährdete Stabilität 1924-1929

Nachdem die Weimarer Demokratie die Umsturzversuche von links und rechts abgewehrt hat, folgt in den Jahren von 1924 bis 1929 eine Phase relativer politischer und wirtschaftlicher Stabilität. Sie ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt künstlerischer, kultureller und wissenschaftlicher Leistungen. Doch die Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten 1925 gibt den demokratiefeindlichen Kräften die Chance, die Rückkehr zu autoritären Verhältnissen legal, unter Zuhilfenahme der präsidialen Elemente der Reichsverfassung, zu realisieren.

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Die Weltwirtschaftskrise setzt auch das von Auslandsgeldern
abhängige deutsche Wirtschaftsleben
unter starken Druck. Schon bald herrscht
Massenarbeitslosigkeit, der die Sozialsysteme
nicht mehr gewachsen sind. Arbeitslose im Hof
des Arbeitsamts Hannover, 1931

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Zerstörung der Demokratie 1930-1933

Die Weltwirtschaftskrise beendet die wirtschaftliche Stabilisierung. Nach dem Sturz der letzten, auf eine parlamentarische Mehrheit gestützten Regierungskoalition beginnt mit dem Amtsantritt Heinrich Brünings die Zeit der Präsidialkabinette. Seine Nachfolger entmachten die Sozialdemokratie. In Verkennung des Risikos binden sie die radikalen Systemveränderer der NSDAP in die Ausübung der politischen Macht ein und geben so das Gesetz des Handelns aus der Hand.

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Garanten demokratischer Ordnung über die
Zeiten hinweg: Der erste demokratisch gewählte
Präsident des Deutschen Reichs, Friedrich Ebert,
und der spätere erste Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschland, Konrad Adenauer, bei
der Eröffnung der Kölner Messe, 11. Mai 1924

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Nachbemerkung: die Weimarer Republik als Ort der Demokratiegeschichte

Die Weimarer Republik war eine für damalige Verhältnisse sehr fortschrittliche Demokratie, deren Platz in der deutschen Demokratiegeschichte lange unterschätzt worden ist. So führte sie z. B. als einer der ersten Staaten das Frauenwahlrecht ein. Dagegen bot die quasi monarchische Stellung des Reichspräsidenten Ansatzpunkte, die mit zu ihrem Scheitern beitrugen. Nicht nur im Grundgesetz wurden aus den Erfahrungen der Weimarer Republik Konsequenzen gezogen – auch wir können für unser Zusammenleben als mündige Bürgerinnen und Bürger Erkenntnisse aus ihr gewinnen.

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