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Neuwahl in Griechenland am 20. September

Redaktion

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Bei einer vorgezogenen Parlamentswahl haben die Griechen am 20. September der linken Partei Syriza erneut das Vertrauen ausgesprochen. Erst bei den Parlamentswahlen im Januar 2015 hatte die Partei von Alexis Tsipras einen Erdrutschsieg erzielt, doch der parteiinterne Streit um den Kurs in der Schuldenkrise veranlasste den Regierungschef im August zum Rücktritt.

Nach einer Marathonsitzung stimmt das griechische Parlament am 16. August 2015 dem dritten Hilfspaket zu. (© picture-alliance)

Am 20. September 2015 waren die Griechen zur Wahl ihres Parlaments aufgerufen. Regierungschef Alexis Tsipras von der linken Partei Syriza hatte die Neuwahlen angekündigt, nachdem er am 20. August Interner Link: nach nur sieben Monaten im Amt zurückgetreten war. Grund für den Rücktritt war der parteiinterne Widerstand gegen seinen Kurs in der Interner Link: Schuldenkrise. Seine Hoffnung, dass ihm die Wähler erneut das Vertrauen aussprechen, hat sich erfüllt: Er gewann den Urnengang und kann wieder eine Regierung bilden. Weil Syriza die absolute Mehrheit verfehlte, ist sie auf einen Koalitionspartner angewiesen.

Deutliches Wahlergebnis

Unter dem Druck einer drohenden Staatspleite hatte Tsipras im Juli 2015 den Bedingungen der Euro-Staaten für ein drittes Hilfsprogramm zugestimmt: weitere Kürzungen im Staatshaushalt, Steuererhöhungen, Privatisierung von Staatseigentum sowie umfassende Reformen im Justiz- und Verwaltungssystem. Viele Syriza-Politiker sahen dies als Verrat an seinen Wahlversprechen an. Aber nachdem Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Syriza und der konservativen Nea Dimokratia vorausgesagt hatten, fiel das Wahlergebnis doch deutlich aus: Syriza erzielte mit 35,5 Prozent der Stimmen einen klaren Vorsprung vor Nea Dimokratia, die auf 28,1 Prozent kam.

Drittstärkste Kraft wurde die neofaschistische Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) mit 6,9 Prozent, die sozialdemokratische Pasok erzielte 6,3 Prozent. Vier weitere Parteien schafften den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde: Die rechtspopulistische Partei Unabhängige Griechen (ANEL), die nach Stimmeneinbußen auf 3,7 Prozent kam, die Kommunistische Partei (KKE) mit 5,6 Prozent, die wirtschaftsliberale To Potami mit 4,1 Prozent und die Union der Zentristen (Enosi), die mit 3,4 Prozent der Stimmen erstmals ins Parlament einzieht.

Syriza kommt auf 145 der 300 Sitze im Parlament, inklusive der 50 Bonus-Sitze, die nach griechischem Wahlrecht der stärksten Partei zustehen. Noch am Wahlabend kündigte Tsipras eine Fortsetzung der Koalition mit der ANEL an, die mit zehn Sitzen im neuen Parlament vertreten ist.

Bereits bei Wahl im Januar triumphiert

Die ursprünglich als linkes Wahlbündnis gestartete Interner Link: Syriza hatte die Wahl im Januar 2015 mit dem Versprechen gewonnen, die im Zuge der Schuldenkrise eingeleitete Interner Link: Austeritätspolitik zu beenden und einen Schuldenerlass zu verhandeln. Mit einem Wahlergebnis von 36,4 Prozent der Stimmen hatte sie die bisher regierende konservative Nea Dimokratia abgelöst. Da Syriza die absolute Mehrheit knapp verfehlt hatte, ging Tsipras eine Regierungskoalition mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen (ANEL) ein, welche die europäische Sparpolitik ebenfalls ablehnten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das hoch verschuldete Griechenland bereits zwei Hilfsprogramme der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten. Im Gegenzug hatte Athen gegenüber den drei Geldgebern umfassenden Sparmaßnahmen und Reformen zugestimmt. Doch die Folgen dieser Austeritätspolitik für die griechische Bevölkerung hatten zu zunehmenden Protesten und Streiks im Land geführt.

Neue Verhandlungen und Referendum

Nach ihrem Wahlsieg im Januar 2015 hatte die neue Regierung die Zusammenarbeit mit der Troika, also der Kooperation von EZB, IWF und EU-Kommission, die mit Griechenland über die Kreditprogramme verhandelte, aufgekündigt. Da Griechenland aber ohne weitere Kredite der Staatsbankrott drohte, wurden die Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm jedoch kurze Zeit später wieder aufgenommen. Im Gegenzug forderten die Gläubiger-Institutionen weitere Reformen und Sparauflagen.

Ende Juni 2015 kündigte Tsipras eine Volksabstimmung über die Auflagen eines dritten Hilfspaketes an, bei der sich 61,3 Prozent der Griechen gegen die Sparforderungen aussprachen, während knapp 38,7 Prozent dafür stimmten. Trotz des Nein-Votums vollzog Tsipras eine Woche nach dem Referendum eine Kehrtwende: Bei einem Euro-Gipfel am 12. Juli 2015 akzeptierte er die Bedingungen für die Wiederaufnahme von Verhandlungen über das dritte Hilfsprogramm. Voraussetzung für erneute Verhandlungen war, dass Tsipras dem griechischen Parlament entsprechende Externer Link: Reformen zeitnah zur Abstimmung vorlegen sollte.

Wahlsieg trotz Spaltung

Bei den Parlamentsabstimmungen verweigerten 38 der 149 Syriza-Abgeordneten Tsipras die Gefolgschaft, sodass die Reformpakete mit den Stimmen der Oppositionsparteien verabschiedet wurden. Nachdem Syriza-Abgeordnete Tsipras auch bei der Abstimmung Mitte August 2015 die Gefolgschaft verweigerten und er wieder auf die Stimmen der Opposition angewiesen war, um das ausgehandelte dritte Hilfspaket über insgesamt 86 Milliarden Euro für drei Jahre anzunehmen, kündigte der Regierungschef Neuwahlen an. Kurze Zeit später spaltete sich der linke Flügel von Syriza ab; 25 Abgeordnete gründeten die Partei Laiki Enotita (Volkseinheit). Sie verpasste bei der Neuwahl im September den Einzug ins Parlament.

Die Wahlbeteiligung lag am 20. September 2015 lediglich bei rund 56 Prozent, es war die bislang niedrigste Quote bei einer Parlamentswahl in Griechenland. Die Regierungsbildung soll in den nächsten Tagen abgeschlossen sein, die erste Parlamentssitzung am 1. Oktober stattfinden. Tsipras steht vor der schwierigen Aufgabe, die von ihm ausgehandelten Sparauflagen umzusetzen, ohne die soziale Krise weiter zu verschärfen. Neben den Staatsschulden stellt auch die Flüchtlingskrise das Land vor große Herausforderungen.

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