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18. Januar: Präsidentschaftswahl in Portugal | Hintergrund aktuell | bpb.de

18. Januar: Präsidentschaftswahl in Portugal

Redaktion

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Portugal wählt am 18. Januar ein neues Staatsoberhaupt. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das voraussichtlich in der Stichwahl am 8. Februar entschieden wird.

Die elf Präsidentschaftskandidaten warten auf den Beginn der TV-Debatte in Lissabon. Es kandidieren mehr Personen als je zuvor. (AP Photo/Armando Franca) (© picture-alliance)

Portugal wählt am 18. Januar einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin. In dem südwesteuropäischen Land sind knapp elf Millionen Menschen wahlberechtigt.

Wie wird gewählt?

Der Staatspräsident wird direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Die Wiederwahl für eine dritte Amtszeit im direkten Anschluss an zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten ist nicht erlaubt. Kandidatinnen und Kandidaten müssen wahlberechtigt und portugiesischer Herkunft sein. Außerdem müssen sie mindestens 35 Jahre alt sein und 7.500 Unterstützerunterschriften vorweisen. Wahlberechtigt sind portugiesische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab einem Alter von 18 Jahren. Um im ersten Wahlgang gewählt zu werden, muss ein Kandidat oder eine Kandidatin mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen. Erreicht keiner der Kandidierenden diese absolute Mehrheit, findet ein zweiter Wahlgang statt, in dem die beiden im ersten Wahlgang Bestplatzierten gegeneinander antreten. Sollte eine Stichwahl nötig sein, wird diese am 8. Februar stattfinden.

Kompetenzen des portugiesischen Staatsoberhaupts

Interner Link: Portugal ist gemäß der Verfassung von 1976 eine Interner Link: semipräsidentielle Republik. Letztlich überwiegen zwar die parlamentarischen Merkmale, der Staatspräsident oder die Staatspräsidentin besitzt als Staatsoberhaupt jedoch vergleichsweise weitreichende, über seine repräsentativen Funktionen hinausgehende, Befugnisse. Zu den wichtigsten gehören die Berufung und Abberufung des Premierministers oder der Premierministerin sowie anderer Regierungsmitglieder. Zudem kann das Staatsoberhaupt das Parlament auflösen. Auch die Kontrolle der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen gehört zu seinem Aufgabenbereich. Gegen vom Parlament beschlossene Gesetze kann der Präsident oder die Präsidentin ein Veto einlegen – wovon der aktuelle konservative Präsident de Sousa mehrfach Gebrauch machte – etwa bei der Sterbehilfe, der Interner Link: Migrationspolitik oder einem Gesetz zur Änderung des Geschlechtseintrags. Das Parlament kann das Veto jedoch letztlich überstimmen.

Der Präsident oder die Präsidentin ist zudem Oberbefehlshaber des Militärs, kann den Notstand ausrufen oder im Falle eines Angriffs den Krieg erklären. Bei der Ernennung des Regierungschefs muss das Staatsoberhaupt stets die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse berücksichtigen und darf nicht willkürlich handeln. Er oder sie soll als Vermittler im politischen System fungieren. Die Machtbefugnisse des portugiesischen Präsidenten sind nicht mit jenen des Interner Link: US-amerikanischen oder französischen Staatsüberhaupts zu vergleichen, jedoch größer als etwa die des deutschen Bundespräsidenten.

Wer regiert gerade in Portugal?

Derzeitiger Präsident Portugals ist der seit 2016 amtierende Interner Link: Marcelo Rebelo de Sousa von der konservativen Partido Social Democrata (PSD). Er darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Premierminister ist seit dem Interner Link: Frühjahr 2024 Luís Montenegro, der ebenfalls der PSD angehört und seit Ende Mai 2025 einer Minderheitsregierung vorsteht. Montenegro hatte nach nur einem Jahr im Amt aufgrund eines Korruptionsverdachts die Vertrauensfrage im Parlament gestellt – und diese verloren. Daraufhin setzte Präsident De Sousa vorgezogene Neuwahlen an. Es war die dritte Neuwahl in dem südeuropäischem Land Interner Link: seit 2022. Montenegro war mit dem im politischen Mitte-Rechts-Spektrum angesiedelten Parteienbündnis Aliança Democrática (AD) unter Führung der PSD aus dieser Neuwahl Mitte Mai vergangenen Jahres zwar gestärkt hervorgegangen – die absolute Mehrheit hatte das Bündnis mit 91 von 230 Sitzen jedoch deutlich verfehlt. Zweitstärkste Kraft wurde mit 60 Mandaten die rechtspopulistische Chega („Es reicht“). Die sozialdemokratisch orientierte Partido Socialista (PS) kam mit 58 Sitzen auf ihr schlechtestes Ergebnis seit Jahrzehnten. Das Regieren gestaltet sich für die Minderheitsregierung nicht einfach – sie ist bei Gesetzesvorhaben entweder auf die Unterstützung der Chega oder der PS angewiesen. Sollte bei der Präsidentschaftswahl ein Kandidat oder eine Kandidatin einer Oppositionspartei gewinnen, würde das Regieren für die Regierung noch schwieriger.

Wer steht zur Wahl?

Noch im vergangenen Jahrzehnt war Portugal durch ein Zweiparteiensystem bestehend aus der sozialdemokratischen PS und der konservativen PSD geprägt. Das Parteiensystem hat sich seither jedoch auch durch den Aufstieg der rechtspopulistischen Chega deutlich verändert. Gleich sieben Kandidaten schicken die im Parlament vertretenen Parteien in das Rennen um das höchste Staatsamt – so viele wie noch nie. Dies liegt daran, dass das aktuelle Parlament besonders zersplittert ist – ihm gehören zehn Parteien anzehn Kandidaten und eine Kandidatin zum ersten Wahlgang am 18. Januar zugelassen. In den letzten Umfragen hatten fünf Kandidaten Aussicht auf einen Einzug in die Stichwahl: André Ventura tritt als Vorsitzender der Partei Chega an. Als unabhängiger Kandidat geht der ehemalige Marineadmiral Henrique Gouveia e Melo ins Rennen. Der 65-jährige Gouveia e Melo ist vielen in Portugal bekannt, weil er 2021 die landesweite Covid-Impfkampagne koordinierte. Für die konservative PSD tritt deren ehemaliger Vorsitzender Luís Marques Mendes an. Auch der ehemalige Parteichef der PS, António José Seguro, kandidiert als Staatspräsident. Zuletzt gehört auch João Cotrim de Figueiredo aus der liberalen Iniciativa Liberal zu den fünf Kandidaten, die sich laut den Umfragen Hoffnung auf einen Einzug in die Stichwahl machen können. Darüber hinaus tritt Jorge Pinto für die Umwelt- und Klimapartei Livre an, die kommunistische Partido Comunista Português (PCP) schickt António Filipe und die linke Partei Bloco de Esquerda Catarina Martins ins Rennen. Bisher gab es in Portugals Demokratie nur einmal – im Jahr 1986 – eine Stichwahl um das Präsidentenamt. Politische Beobachter halten es dieses Mal aber für sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Kandidat oder eine Kandidatin im ersten Wahlgang durchsetzen kann. Sollte der Chega-Vorsitzende Ventura die zweite Runde erreichen, gelten seine Chancen als eher schlecht – eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler lehnt laut einer Umfrage die Chega ab. Portugal war jahrzehntelang eine rechtsgerichtete Diktatur. Nach der sogenannten Interner Link: „Nelkenrevolution“ gelang Mitte der 1970er-Jahre der friedliche Übergang zu einer Demokratie. Während in vielen Ländern rechtspopulistische und rechtsextreme Kräfte bereits im vergangenen Jahrzehnt große Wahlerfolge feierten, hatten solche Parteien in Portugal auch deshalb lange kaum eine Chance. Erst dem ehemaligen Sportkommentator und Rechtsprofessor Ventura gelang es, Chega zu einer relevanten politischen Kraft zu machen. Ventura werden unter anderem rassistische Äußerungen vorgeworfen.

Themen im Wahlkampf

Voraussichtlich wird sich auch der künftige Präsident mit einem von der Regierung ausgearbeiteten Paket an Arbeitsmarktreformen befassen. Dieses hat bereits landesweite Proteste und einen Generalstreik ausgelöst. Vorgesehen sind unter anderem Lockerungen beim Kündigungsschutz, eine Ausweitung befristeter Arbeitsverträge sowie flexiblere, individuelle Arbeitszeitregelungen. Gewerkschaften befürchten, dass dadurch Tarifvereinbarungen geschwächt oder ausgehöhlt werden könnten. Daneben diskutierten die Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf auch eine grundlegende Frage: Soll die Verfassung geändert werden? Hintergrund ist, dass erstmals in der portugiesischen Geschichte konservative, liberale und rechte Parteien im Parlament über die nötige Mehrheit für eine Verfassungsänderung verfügen. Die Verfassung von 1976 entstand im Geiste der Nelkenrevolution und verspricht neben sozialer Absicherung auch, "den Weg zu einer sozialistischen Gesellschaft zu öffnen". Dies und weitere sozialpolitische Elemente stoßen bei rechten Politikern seit Langem auf Kritik. Da tiefgreifende Verfassungsänderungen ohne Zustimmung des Staatspräsidenten nicht möglich sind, könnte die Wahl auch darüber entscheiden, ob sich der Rechtsruck in Portugal fortsetzt.

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