Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Landtagswahl 2026: Offenes Rennen in Baden-Württemberg | Hintergrund aktuell | bpb.de

Landtagswahl 2026: Offenes Rennen in Baden-Württemberg

Redaktion

/ 5 Minuten zu lesen

Lange lag die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel in den Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 deutlich vorn. Wenige Tage vor der Wahl holen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir auf. (© picture alliance / ROPI | Antonio Pisacreta)

Am 8. März 2026 stimmen rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte in Baden-Württemberg über die Zusammensetzung eines neuen Landtags ab. Das Landesparlament setzt sich aus mindestens 120 Abgeordneten zusammen, aktuell gehören ihm 154 Mitglieder an. Der Landtag wird alle fünf Jahre gewählt.

Aus aktuellen Umfragen ergeben sich für den Wahlabend mehrere interessante Fragen. Die beiden derzeitigen Regierungspartner GRÜNE und CDU liegen nahezu gleichauf und konkurrieren um die Position als stärkste Kraft im Land und den Posten des Ministerpräsidenten. Während die SPD möglicherweise mit Verlusten und die AfD mit Zugewinnen mit einiger Sicherheit wieder im Landtag vertreten sein werden, könnte die Entscheidung um den Verbleib bzw. erstmaligen Einzug für FDP bzw. Die Linke ebenfalls für Spannung sorgen.

Derzeit wird Baden-Württemberg von einer Koalition aus GRÜNEN und CDU regiert. 2011 hatten zunächst GRÜNE und SPD unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima eine gemeinsame Mehrheit errungen. Winfried Kretschmann wurde Deutschlands erster – und bisher einziger – grüner Ministerpräsident. 2016 wurde seine Partei sogar stärkste Kraft, regierte wegen massiver Verluste der SPD fortan jedoch gemeinsam mit der CDU. 2021 errang „Grün-Schwarz“ erneut eine Mehrheit. Der 77-jährige Kretschmann tritt diesmal nicht mehr an.

So wird gewählt

Im März 2022 hat der Landtag von Baden-Württemberg das Wahlrecht geändert. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige wählen – damit gibt es etwa 180.000 zusätzliche Wahlberechtigte. Bislang lag das Mindestalter bei 18 Jahren. Zur Wahl aufstellen lassen können sich allerdings nach wie vor nur Volljährige. Statt wie bisher eine Stimme haben die Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg nun zwei Stimmen: Die sogenannte Wahlkreisstimme gilt für eine Kandidatin oder einen Kandidaten in ihrem Wahlkreis. Wer in einem der 70 Wahlkreise die meisten Stimmen erhält, schafft direkt den Einzug ins Parlament – die restlichen Kandidatinnen und Kandidaten ziehen ggf. über die Landeslisten der Parteien ins Parlament ein. Die Zweitstimme bestimmt allerdings, wie viele Mandate eine Partei insgesamt erhält. Je mehr Stimmen eine Liste bekommt, desto mehr Sitze hat sie im Landtag.

Falls eine Partei mehr Direktmandate erringt, als ihr aufgrund der Zweitstimmen eigentlich zustehen, behält sie diese zusätzlichen Sitze. Hier spricht man von sogenannten Überhangmandaten. In diesem Fall erhalten die anderen Parteien Ausgleichsmandate, damit sichergestellt wird, dass die finale Sitzverteilung das tatsächliche Zweitstimmenergebnis widerspiegelt. In Baden-Württemberg gilt eine Fünf-Prozent-Hürde. Hat eine Partei weniger Stimmen, kann sie lediglich mit Direktmandaten in den Landtag einziehen. Mehr Informationen zum Wahlrecht in Baden-Württemberg finden Sie in unseren Interner Link: Fakten zur Landtagswahl 2026.

Demografie und Wirtschaft Baden-Württembergs

In Baden-Württemberg leben etwa 11,2 Millionen Menschen. Das Bundesland hat traditionell eine starke Industrie. Sie ist etwa im Auto- und Maschinenbau eine der weltweit führenden Regionen und ist auch deswegen nach Nordrhein-Westfalen und Bayern das Bundesland mit der stärksten Wirtschaft. Baden-Württemberg leidet besonders unter der schwierigen Situation der deutschen Industrie, die auch auf teils gesunkene Exporte zurückzuführen ist. Allein im ersten Halbjahr 2025 brach das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 0,8 Prozent ein – so viel wie in fast keinem anderen Bundesland.

Wahlergebnis 2021

Bei der Landtagswahl 2021 konnten die GRÜNEN Stimmanteile hinzugewinnen und kamen auf 32,6 Prozent der Stimmen. Die CDU musste Verluste hinnehmen. Die Partei erzielte mit 24,1 Prozent der Stimmen ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die SPD kam auf 11,0 Prozent, die FDP auf 10,5 Prozent der Stimmen. Auch die AfD machte Verluste und erreichte 9,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,8 Prozent.

Wer steht zur Wahl?

Zur Landtagswahl 2026 treten 21 Parteien mit einer Landesliste an. Einen ausführlichen Überblick finden Sie auf unseren Seiten Interner Link: „Wer steht zur Wahl?“. 2021 schafften fünf Parteien den Einzug in den Landtag.

Stärkste Fraktion im Landtag sind derzeit Interner Link: „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN“ (GRÜNE). Spitzenkandidat ist der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Die Partei will Klimaschutz mit einer aktiven Standortpolitik verbinden. Die GRÜNEN versprechen, die Infrastruktur schneller zu sanieren und zu modernisieren sowie die erneuerbaren Energien auszubauen. Sie setzen auch auf eine Ausweitung der frühkindlichen Bildung. Laut Umfragen drohen der Partei Verluste. Zuletzt lag sie bei 25 bis 27 Prozent.

Die Interner Link: „Christlich Demokratische Union Deutschlands“ (CDU) stellte in Baden-Württemberg von 1953 bis 2011 den Ministerpräsidenten. Die CDU will die Kompetenzen von Polizei und Verfassungsschutz ausweiten. Die Partei hält am gegliederten Schulsystem fest. Ein Schwerpunkt ihres Landtagswahlprogramms liegt auf der Wirtschaftspolitik: Um Wirtschaftswachstum zu schaffen, fordert sie zum Beispiel „ein Bürokratie-Moratorium“ für Gründer. Die Meisterausbildung soll langfristig kostenfrei sein. Laut Umfragen ist für die CDU ein Stimmenzuwachs möglich – ihre Werte liegen derzeit bei 27 bis 28 Prozent. Spitzenkandidat ist Partei- und Fraktionschef Manuel Hagel.

Derzeit die drittmeisten Abgeordneten im Landtag stellt die Interner Link: „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD). Die SPD will tarifgebundene Arbeitsplätze erhalten und Unternehmen dabei unterstützen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. In der Wohnungspolitik legt die Partei einen Fokus auf bezahlbaren Wohnraum. Im Bildungsbereich plädiert die Partei für gebührenfreie Lernorte von Kita bis zur akademischen und beruflichen Ausbildung. Weitere zentrale Themen sind Wirtschaft und Gesundheit. Spitzenkandidat der Sozialdemokraten ist der Chef der Landtagsfraktion Andreas Stoch. In Umfragen lag die Partei zuletzt bei 7 bis 9 Prozent.

Die Interner Link: „Freie Demokratische Partei“ (FDP) will Bürokratie und Verwaltung abbauen, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Mithilfe der Digitalisierung von Antragsverfahren will sie ein Fünftel der Stellen in der Verwaltung abbauen. Die Partei will das mehrgliedrige Schulsystem beibehalten. Laut Umfragen muss die FDP mit 6 Prozent um den Wiedereinzug in den Landtag bangen.

Fünftstärkste Fraktion im aktuellen Landtag ist die Interner Link: „Alternative für Deutschland“ (AfD). Bundes- und Landesverfassungsschutz Baden-Württemberg beobachten die AfD als rechtsextremistischen „Verdachtsfall“. Die Partei setzt im Wahlkampf auf die Themen Migration sowie die Energie- und die Wirtschaftspolitik. Kandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten ist der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmeier. Er kandidiert allerdings nicht für ein Landtagsmandat. Umfragen prognostizierten der Partei zuletzt 18 bis 19 Prozent.

Die Partei Interner Link: „Die Linke“ (Die Linke) war noch nie im Landtag vertreten und scheiterte auch 2021 mit 3,6 Prozent an der Fünf-Prozen-Hhürde. In Umfragen erreicht die Partei derzeit 5,5 bis 6 Prozent und könnte daher in den kommenden Landtag einziehen. Die Partei fordert gerechte Löhne, etwa durch einen landesspezifischen Mindestlohn. In der Wohnungspolitik will sie Mieterhöhungen stoppen, Enteignungen von großen Immobilienunternehmen ermöglichen und mehr Sozialwohnungen bauen.

Aussagekraft und Genauigkeit von Umfragen zur Wahl

Umfragen liefern vor allem ein Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Befragung – sie sind keine Prognose des endgültigen Wahlausgangs. Geringe Veränderungen oder Unterschiede zwischen zwei Erhebungen können innerhalb der statistischen Unsicherheit liegen. Ob es sich um einen tatsächlichen Trend handelt, lässt sich dann nicht eindeutig sagen. Rückschlüsse auf das Wahlverhalten oder Entwicklungen bis zum Wahltag sind auch mit Blick auf die Wahlberechtigten ohne feststehende Wahlpräferenz nur begrenzt möglich.

Gerade bei Parteien, die nahe an der Fünf-Prozent-Hürde liegen, können kleine statistische Abweichungen erheblichen Einfluss auf die Interpretation haben. Externer Link: Infratest dimap und die Externer Link: Forschungsgruppe Wahlen, die an den Wahltagen die Analysen und Hochrechnungen des Wahlergebnisses bei ARD und ZDF liefern, geben den Fehlerbereich bei Werten von 40 bis 50 Prozent mit etwa drei Prozentpunkten und für Werte von 10 Prozent mit etwa zwei Prozentpunkten an.

Was sind die wichtigsten Themen im Wahlkampf?

Ein zentrales Thema im Wahlkampf ist angesichts der Krise der baden-württembergischen Industrie die Wirtschaftspolitik. In der Maschinenbau-Branche gingen etwa 2025 fast 7.600 Arbeitsplätze verloren. Daneben prägen Fragen der Migration und der inneren Sicherheit die Auseinandersetzung, oft zugespitzt über Forderungen nach restriktiverer Asyl- und Sicherheitspolitik. Auch Bildung und soziale Themen wie Kinderbetreuung, Wohnkosten und Gesundheitsversorgung werden von fast allen Parteien als entscheidend für Chancen- und Standortsicherheit betont.

So könnte es nach der Wahl weitergehen

Da CDU und GRÜNE in den Umfragen aktuell eine Mehrheit besitzen, gilt eine Fortführung der aktuellen Regierung derzeit als wahrscheinlichstes Modell. Welche Partei den Ministerpräsidentenposten für sich beanspruchen kann, ist dagegen ungewiss – wenn auch die CDU laut Umfragen einen Vorsprung vor den GRÜNEN haben könnte. Die Bildung anderer Zwei-Parteien-Koalitionen dürfte schwierig werden. Sollten drei Parteien zur Regierungsbildung notwendig sein, hängen mögliche Konstellationen auch davon ab, welche Parteien in den Landtag einziehen. Eine Koalition mit der AfD schließen alle bisher im Landtag vertretenen Parteien aus.

Mehr zum Thema

Weitere Inhalte

„Hintergrund Aktuell“ ist ein Angebot der Onlineredaktion der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Es wird von den Redakteur/-innen und Volontär/-innen der Onlineredaktion der bpb redaktionell verantwortet und seit 2017 zusammen mit dem Südpol-Redaktionsbüro Köster & Vierecke erstellt.

Interner Link: Mehr Informationen zur Redaktion von "Hintergrund aktuell"