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Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: GRÜNE mit den meisten Stimmen | Hintergrund aktuell | bpb.de

Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: GRÜNE mit den meisten Stimmen

Redaktion

/ 5 Minuten zu lesen

Obwohl die GRÜNEN beim Stimmanteil knapp vor der CDU liegen, erhalten beide jeweils 56 Sitze im baden-württembergischen Landtag. Im Landesparlament sind nun weniger Parteien vertreten als zuvor.

Lange lag die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel in den Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 deutlich vorn. Wenige Tage vor der Wahl konnten die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir aufholen. (© picture-alliance, Chris Emil Janßen)

Am 8. März 2026 waren rund 7,8 Millionen Wahlberechtigte in Baden-Württemberg zur Wahl des neuen Landtags aufgerufen. Das Parlament setzt sich aus mindestens 120 Abgeordneten zusammen. Der Landtag wird alle fünf Jahre gewählt.

Die GRÜNEN wurden laut Externer Link: Statistischem Landesamt mit 30,2 Prozent der gültigen Zweitstimmen erneut stärkste Partei. Im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren hat die Partei 2,4 Prozentpunkte verloren. Zweitstärkste Kraft wurde die CDU. Sie konnte nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis 29,7 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinen. Das ist im Vergleich zu 2021 ein Plus von 5,6 Prozentpunkten. Die AfD konnte mit 18,8 Prozent ein historisch hohes Ergebnis in Baden-Württemberg erzielen und stellt mit 35 Sitzen nun die drittstärkste Fraktion. Die Partei verdoppelte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Landtagswahl beinahe und legte 9,1 Prozentpunkte zu. Die SPD kam auf einen historisch niedrigen Wert und konnte mit 5,5 Prozent nur knapp ins Parlament einziehen. Dort verfügt sie nun über 10 Mandate.

FDP und Die Linke verpassen den Einzug in den Landtag. Beide scheiterten mit jeweils 4,4 Prozent der gültigen Zweitstimmen an der Fünf-Prozent-Hürde. Die FDP verlor in ihrem einstigen Stammland im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren 6,1 Prozentpunkte. Erstmals seit 1992 ist die Partei damit nicht im baden-württembergischen Landtag vertreten. Die Linke verbesserte sich leicht um 0,8 Prozentpunkte.

Zuletzt wurde Baden-Württemberg von einer Koalition aus GRÜNEN und CDU regiert. 2011 hatten zunächst GRÜNE und SPD unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima eine gemeinsame Mehrheit errungen. Winfried Kretschmann wurde Deutschlands erster grüner Ministerpräsident. 2016 wurde seine Partei sogar stärkste Kraft, regierte wegen massiver Verluste der SPD fortan jedoch gemeinsam mit der CDU. 2021 errang „Grün-Schwarz“ erneut eine Mehrheit. Der 77-jährige Kretschmann war nicht mehr angetreten.

So wurde gewählt

Im März 2022 hat der Landtag von Baden-Württemberg das Wahlrecht geändert. Erstmals durften 2026 auch 16- und 17-Jährige wählen – damit gab es etwa 180.000 zusätzliche Wahlberechtigte. Bislang hatte das Mindestalter bei 18 Jahren gelegen. Zur Wahl aufstellen lassen können sich allerdings nach wie vor nur Volljährige. Statt wie bisher eine Stimme haben die Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg nun zwei Stimmen: Die sogenannte Wahlkreisstimme gilt für eine Kandidatin oder einen Kandidaten im jeweiligen Wahlkreis. Wer in einem der 70 Wahlkreise die meisten Stimmen erhält, schafft direkt den Einzug ins Parlament – die restlichen Kandidatinnen und Kandidaten ziehen ggf. über die Landeslisten der Parteien ins Parlament ein. Die Zweitstimme bestimmt allerdings, wie viele Mandate eine Partei insgesamt erhält. Je mehr Stimmen eine Liste bekommt, desto mehr Sitze hat sie im Landtag.

Falls eine Partei mehr Direktmandate erringt, als ihr aufgrund der Zweitstimmen eigentlich zustehen, behält sie diese zusätzlichen Sitze. Hier spricht man von sogenannten Überhangmandaten. In diesem Fall erhalten die anderen Parteien Ausgleichsmandate, damit sichergestellt wird, dass die finale Sitzverteilung das tatsächliche Zweitstimmenergebnis widerspiegelt. Der neu gewählte Landtag wächst durch diese Regelungen auf insgesamt 157 Sitze an – vor der Wahl lag die Zahl bei 154. In Baden-Württemberg gilt eine Fünf-Prozent-Hürde. Hat eine Partei weniger Stimmen, kann sie lediglich mit Direktmandaten in den Landtag einziehen. Mehr Informationen zum Wahlrecht in Baden-Württemberg finden Sie in unseren Interner Link: Fakten zur Landtagswahl 2026.

Demografie und Wirtschaft Baden-Württembergs

In Baden-Württemberg leben etwa 11,2 Millionen Menschen. Das Bundesland hat traditionell eine starke Industrie. Sie ist etwa im Auto- und Maschinenbau eine der weltweit führenden Regionen und ist auch deswegen nach Nordrhein-Westfalen und Bayern das Bundesland mit der stärksten Wirtschaft. Baden-Württemberg leidet besonders unter der schwierigen Situation der deutschen Industrie, die auch auf teils gesunkene Exporte zurückzuführen ist. Allein im ersten Halbjahr 2025 brach das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 0,8 Prozent ein – so viel wie in fast keinem anderen Bundesland.

Wer stand zur Wahl?

Zur Landtagswahl 2026 traten 21 Parteien mit einer Landesliste an. Einen ausführlichen Überblick finden Sie auf unseren Seiten Interner Link: „Wer steht zur Wahl?“. Nur vier Parteien gelang der Einzug in den Landtag. 2021 waren es fünf Parteien gewesen.

Stärkste Fraktion im Landtag bleibt Interner Link: „BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN“ (GRÜNE). Spitzenkandidat bei der Wahl 2026 war der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, der nun das Amt des Ministerpräsidenten anstrebt. Die Partei hatte im Wahlkampf versprochen, Klimaschutz mit einer aktiven Standortpolitik zu verbinden. Sie will Infrastruktur schneller sanieren und modernisieren sowie die erneuerbaren Energien ausbauen. Die GRÜNEN setzen auch auf eine Ausweitung der frühkindlichen Bildung.

Die Interner Link: „Christlich Demokratische Union Deutschlands“ (CDU) stellte in Baden-Württemberg von 1953 bis 2011 den Ministerpräsidenten. Die CDU warb im Wahlkampf damit, die Kompetenzen von Polizei und Verfassungsschutz auszuweiten. Die Partei hält am gegliederten Schulsystem fest. Ein Schwerpunkt ihres Programms für die Landtagswahl lag auf der Wirtschaftspolitik: Um Wirtschaftswachstum zu schaffen, forderte sie zum Beispiel „ein Bürokratie-Moratorium“ für Gründer. Spitzenkandidat war Partei- und Fraktionschef Manuel Hagel.

Die Interner Link: „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) war unter anderem mit der Forderung angetreten, tarifgebundene Arbeitsplätze zu erhalten und Unternehmen dabei zu unterstützen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. In der Wohnungspolitik legte die Partei im Wahlkampf einen Fokus auf bezahlbaren Wohnraum. Im Bildungsbereich plädierte sie für gebührenfreie Lernorte von Kita bis zur akademischen und beruflichen Ausbildung. Weitere zentrale Themen waren Wirtschaft und Gesundheit. Spitzenkandidat der Sozialdemokraten war der Chef der Landtagsfraktion Andreas Stoch. Er kündigte noch am Wahlabend seinen Rücktritt an.

Die Interner Link: „Freie Demokratische Partei“ (FDP) hatte mit der Forderung Wahlkampf gemacht, Bürokratie und Verwaltung abzubauen, um so die Wirtschaft anzukurbeln und mithilfe der Digitalisierung von Antragsverfahren ein Fünftel der Stellen in der Verwaltung einzusparen. Sie wird dem neuen Landtag nicht mehr angehören.

Fünftstärkste Fraktion war vor der Wahl die Interner Link: „Alternative für Deutschland“ (AfD). Bundes- und Landesverfassungsschutz Baden-Württemberg beobachten die AfD als rechtsextremistischen „Verdachtsfall“. Die Partei setzte im Wahlkampf auf die Themen Migration sowie die Energie- und die Wirtschaftspolitik. Kandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten war der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmeier. Er kandidierte allerdings nicht für ein Landtagsmandat.

Die Partei Interner Link: „Die Linke“ (Die Linke) war noch nie im baden-württembergischen Landtag vertreten und scheiterte auch 2026 an der Fünf-Prozent-Hürde. Zentrale Forderungen waren ein landesspezifischer Mindestlohn und Maßnahmen für bezahlbares Wohnen.

Was waren die wichtigsten Themen im Wahlkampf?

Ein zentrales Thema im Wahlkampf war angesichts der Krise der baden-württembergischen Industrie die Wirtschaftspolitik. In der Maschinenbau-Branche gingen etwa 2025 fast 7.600 Arbeitsplätze verloren. Daneben prägten Fragen der Migration und der inneren Sicherheit die Auseinandersetzung, oft zugespitzt über Forderungen nach einer restriktiveren Asyl- und Sicherheitspolitik. Auch Bildung und soziale Themen wie Kinderbetreuung, Wohnkosten und Gesundheitsversorgung wurden von fast allen Parteien als entscheidend für Chancen- und Standortsicherheit betont.

So dürfte es nach der Wahl weitergehen

Die bisherigen Regierungspartner GRÜNE und CDU haben auch weiterhin eine komfortable Mehrheit. Sie verfügen nun mit 112 von 157 Sitzen im Landtag sogar über eine Zweidrittelmehrheit und könnten damit sogar die Landesverfassung ändern. Eine Fortführung der aktuellen Regierung gilt derzeit als einzig denkbares Modell. Die Bildung anderer Koalitionen ist nach derzeitigem Stand unrealistisch. Denn ein Bündnis mit der AfD schließen sowohl CDU, GRÜNE als auch SPD aus.

CDU-Kandidat Hagel gratulierte GRÜNEN-Kandidat Özdemir noch am Wahlabend zu seinem Sieg. Da GRÜNE und CDU im Landtag nun über gleich viele Sitze verfügen, debattieren beide Parteien vor der Wahl des neuen Ministerpräsidenten über eine mögliche Neuordnung des Machtverhältnisses in der Regierung.

Dieser Beitrag wurde zuerst am 02.03.2026 veröffentlicht und am 10.03.2026 auf Grundlage des vorläufigen amtlichen Endergebnisses aktualisiert.

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