Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Katharina Guth am 18.10.2016

Künstliche Intelligenzen – wie sie lernen, was sie können und vor welche Herausforderungen sie uns stellen

In diesem Frühjahr hat ein Computer erstmalig den amtierenden Weltmeister im japanischen Brettspiel "Go" geschlagen. Roboterhunde spielen bereits selbstständig Fußball und intelligente Fertigungsmaschinen ersetzen immer mehr Fabrikarbeiter. Was uns in Zukunft noch erwartet, diskutierten Fachleute auf der bpb-Veranstaltung "Erwachen der Roboter – lernende Maschinen und die Zukunft der Intelligenz".

Roboter repariert ein technisches GerätRoboter werden in Zukunft immer mehr Aufgaben übernehmen. (DLR German Aerospace Center/flickr/bearbeitet) Lizenz: cc by/2.0/de

Bereits das Grußwort machte deutlich: Intelligente Maschinen sind auf dem Vormarsch. Für uns ergeben sich daraus eine ganze Reihe Fragen: Werden sie uns bald überlegen sein? Was unterscheidet die menschliche von maschineller Intelligenz? Welche Aufgaben sollen zukünftig von Robotern übernommen werden? Und welche Verantwortung trägt dabei der Mensch?



Es diskutierten Dr. Christoph Benzmüller und Ronnie Vuine, Experten für künstliche Intelligenz, sowie Tobias Knobloch von der Stiftung Neue Verantwortung. Die Grundlage menschlichen Lernens sind neuronale Netze, in denen einzelne Neuronen zu einem Nervensystem verbunden sind, so die Experten. Diese Funktionsweise wird beim maschinellen Lernen imitiert. Künstliche Intelligenzen lernen, indem sie mit Daten gefüttert werden. Sie erlernen Fakten und Regeln, die sie reproduzieren und auf eine gegebene Fragestellung anwenden können. Auf diese Weise konnte eine künstliche Intelligenz bereits Musik komponieren. Sie wurde mit einer großen Anzahl bestehender Melodien gefüttert, erlernte die Regelmäßigkeiten der Harmonien und war dadurch in der Lage, mit einem vorgegebenen Ton ein eigenes Musikstück nach den erlernten Regeln zu komponieren.

Eine kognitive Leistung, die bisher der menschlichen Intelligenz vorbehalten ist, ist es, abstrakt zu denken, eigene Denkprozesse zu modifizieren und zu reflektieren. Die Entwicklung einer sogenannten Superintelligenz, die über diese Fähigkeiten verfügt, steht laut den Experten in nicht absehbarer Zukunft. Doch was wäre, wenn es sie eines Tages gäbe? Was passiert, wenn wir Verantwortung an künstliche Intelligenzen abgeben? Die Experten waren sich einig, die Entwicklung künstlicher Intelligenz wird uns vor ethisch-moralischen Dilemmata stellen: Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas schief läuft? Wer ist schuld, wenn eine künstliche Intelligenz einen Fehler macht und ein Mensch zu Schaden kommt. Wer ist dafür haftbar?

Wenn Maschinen in Zukunft eigenständig denken und scheinbar objektive Lösungen finden können, dann müssten die künstlichen Intelligenzen in ihrem Denken unseren Werten und Normen entsprechen, um sich nicht, wie in Science-Fiction-Filmen, gegen uns zu richten und menschenfeindliche Entscheidungen zu treffen. Doch das führt zum nächsten Dilemma: Wer bekommt die Kompetenz, darüber zu entscheiden, mit welchem Moralgerüst eine künstliche Intelligenz ausgestattet wird? Softwarefirmen, eine Ethikkommission oder gar ein "Rat der Weisen"?

Gleichzeitig hätten künstliche Intelligenzen in der Gesellschaft derzeit (noch) ein Akzeptanzproblem. Während ein Taschenrechner mittlerweile ein anerkanntes Hilfsmittel ist, dessen Ergebnisse nicht angezweifelt werden, würde die Mehrheit der Menschen sich lieber von einem menschlichen Arzt als von einem Roboter operieren lassen – obwohl diese eine niedrigere Fehlerquote haben. Und wer würde sich schon guten Gewissens von einem selbststeuernden Auto durch die Stadt fahren lassen und dabei ein Nickerchen machen? Obwohl künstliche Intelligenzen in einigen Bereichen bereits heute nicht mehr wegzudenken sind, steht ihre Entwicklung noch am Anfang.

Wir sind gespannt, was in Zukunft auf uns zukommen wird und wie wir damit umgehen werden. Die komplette Veranstaltung können Sie hier nachverfolgen. Die leckeren, von einer künstlichen Intelligenz kreierten Cocktails gab es aber nur vor Ort.

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