Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion am 01.11.2016

Konferenz schulentwicklung.digital: Mit digitalen Medien gute Schule machen

Mit digitalen Medien gute Schule machen: Wie gelingt das und was sind die Herausforderungen? Dazu tauschten sich 230 Akteure aus Praxis, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Bildungsadministration auf der Konferenz schulentwicklung.digital aus. Die Werkstatt der bpb war dabei.

Konferenz schulentwicklung.digitalKonferenz schulentwicklung.digital (© Deutsche Telekom Stiftung/Phil Dera)

Am 28. September 2016 lud das Forum Bildung Digitalisierung zur ganztägigen Konferenz schulentwicklung.digital ein. Angesprochen waren Akteure aus Praxis, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Bildungsadministration, die sich dafür engagieren, mit Hilfe digitaler Medien pädagogische Herausforderungen zu bewältigen. Im Mittelpunkt der partizipativ angelegten Veranstaltung mit etwa 230 Teilnehmenden stand der gemeinsame Erfahrungsaustausch. Das Forum Bildung Digitalisierung wurde von großen unternehmensnahen Stiftungen initiiert. Dabei sind die Deutsche Telekom Stiftung, die Bertelsmann Stiftung, die Robert Bosch Stiftung und die Siemens Stiftung. Die Stiftung Mercator fördert das Forum. Veranstalter der Konferenz schulentwicklung.digital war die Deutsche Telekom Stiftung.

Wie Lernende die digitale Herausforderung sehen

Die Konferenz begann mit einem Impuls von Schülerinnen und Schülern, die auf der Bühne einige zentrale Forderungen zur Digitalisierung der Schulen aus Sicht von jungen Menschen formulierten:

  • Digitale Medien und Technik werden Schülerinnen und Schülern von Beginn an nähergebracht. Die Aneignung des Umgangs mit digitalen Medien inklusive verbindlicher Nutzungsregelungen muss von Beginn an über die Schule erfolgen.

  • Digitale Medien werden in freier Arbeitsweise verwendet. Sie sind für individuelles Lernen geeignet und müssen im Unterricht auch so genutzt werden.

  • Digitale Geräte werden ausnahmslos kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Konzept Bring Your Own Device (BYOD) ist ungerecht und unsozial – die Hardware muss von der Schule kommen.

  • Lehrkräfte setzen digitale Lehrmethoden fachgerecht im Unterricht ein, wenn notwendig mit Unterstützung der medienkundigen Schülerinnen und Schüler.

  • Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte haben Zugriff auf regelmäßig aktualisierte Lernmaterialien, die jederzeit abrufbar sind.

  • Auch in Zukunft wird nicht auf analogen Unterricht verzichtet. Digitale Medien sollen bisherige Unterrichtsformen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.

Keynote: Kompetenzen für die digitalisierte Welt

In einer anschließenden Keynote zeigte Prof. Dr. Frank Thissen von der Hochschule der Medien Stuttgart notwendige Kompetenzen und neue Lernsettings in der digitalisierten Welt auf. In Zeiten des Internets seien Lehrende für den Wissenserwerb von Schülerinnen und Schülern längst keine zentrale Anlaufstelle mehr – selbstbestimmtes Lernen der jungen Menschen rücke mehr in den Vordergrund. Die Schule müsse sich als lernende Organisation verstehen, die sich gemeinsam mit allen Akteuren permanent weiterentwickelt. Sie müsse als Experimentierlabor für die Lernenden wirken und die einseitige Kontrollrolle abgeben. Zeitgemäßes Lernen bedeute Thissen zufolge nicht die Anhäufung von quantitativem Wissen, sondern den Erwerb von Problemlösungskompetenzen in unserer interkulturellen und interdisziplinären Gesellschaft. Es müsse darum gehen, die richtigen Fragen zu stellen und nicht, die richtigen Antworten zu lernen. Thissen betonte auch, dass es kein "digitales Lernen" und kein "analoges Lernen" gebe. Wichtig sei ein angepasstes pädagogisches Konzept, in dem beide Bereiche verschränkt werden. Im Themenschwerpunkt Digitale Didaktik hat sich die Werkstatt bereits mit der Frage beschäftigt, ob das Potenzial digitaler Medien nur mit einer entsprechenden Didaktik ausgeschöpft werden kann.

Flipped Marketplace: Mit digitalen Medien gute Schule machen

Auf einem Flipped Marketplace mit dem Titel "Mit digitalen Medien gute Schule machen und personalisiertes Lernen ermöglichen" zeigten zwölf Leiterinnen und Leiter verschiedener europäischer Schulen, wie sie mit der Digitalisierung in der Bildung umgehen. Augenfällig waren dabei die großen Unterschiede bei dem Verständnis davon, was digitale Bildung bedeutet und beinhaltet, und dem Grad ihrer Implementierung in die jeweilige Schulstruktur. Die Teilnehmenden waren im Vorfeld der Konferenz dazu angehalten, kurze Videostatements der Schulleiterinnen und Schulleiter anzuschauen und bereits mit konkreten Fragen in den Marketplace hineinzugehen. Hier beispielhaft drei "Marktstände":

Elke Moder leitet die Grund- und Mittelschule Thalmässing, die als inklusive Schule großen Wert auf die individuelle Förderung eines jeden Kindes legt. In ihrem Videostatement sagt Moder: "Bei dem Thema Umgang mit Vielfalt eignet sich der Einsatz digitaler Medien besonders gut." Die Schule nutzt interaktive Touchscreen-Wände, miteinander vernetzte PCs in allen Klassenzimmern und 20 Tablets. Jede Schülerin und jeder Schüler hat eine eigene Benutzeroberfläche, über die er oder sie individuell diejenigen Lerninhalte bearbeiten kann, bei denen Übungsbedarf besteht. Ein responsives System gibt Rückmeldung zu den Lernfortschritten. Die digitalen Medien machen Moder zufolge nur Sinn, wenn sie im Rahmen des klassischen Unterrichts so eingesetzt werden, dass sie die Lernenden individuell abholen und einen Mehrwert darstellen.

Jacob Chammon ist Leiter der Deutsch-Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin-Tempelhof. Im Schulgebäude ist freies W-LAN verfügbar, was Chammon zufolge bei vielen Eltern Ängste auslöse. In seinem Videostatement erklärt er, die zielführende W-LAN-Nutzung könne nur reibungsfrei funktionieren, wenn alle Akteure mitarbeiten: Die älteren Schülerinnen und Schüler der altersgemischten Klassen müssen darauf achten, nur kindgerechte Inhalte zu nutzen, und die Eltern müssen ihren Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Geräten und Inhalten bereits zu Hause vermitteln.

Martin Peters, Leiter der Schule Agora & Niekée in Roermond in den Niederlanden (Webseite auf Niederländisch), steht mit seinem Schulkonzept für ein recht weit entwickeltes Beispiel für selbstbestimmtes Lernen mit digitalen Geräten, Materialien und Internet. In seinem Videostatement (auf Englisch) erklärt er: "Es sind nicht die Intelligentesten oder die Stärksten, die überleben werden, sondern diejenigen, die sich am besten an Veränderungen anpassen können. Dies gelingt durch den Einsatz digitaler Medien." Seit zehn Jahren setzt Agora & Niekée auf den Einsatz von Laptops und Tablets, jedoch auch Bücher sind in Gebrauch. Gut die Hälfte des Unterrichts folgt einem standardisierten Curriculum, die restlichen Inhalte bestimmen die Schülerinnen und Schüler frei nach Interesse.

Während der Gespräche an den "Marktständen" wurden pro Stand Stichpunkte zu zwei zentralen Fragen auf Etherpads festgehalten: Woran erkennt man den erfolgreichen Einsatz digitaler Medien für gute Schule im Allgemeinen? Welche Bedingungen müssen wir für einen erfolgreichen Einsatz digitaler Medien an einer Schule schaffen?

Alle zwölf Videostatements und die dazugehörige Ergebnisdokumentation des Flipped Marketplace auf Etherpads finden Sie auf der Konferenz-Webseite des Forum Bildung Digitalisierung.

Gespräch: Wie gelingt Schulentwicklung mit digitalen Medien?

Den Nachmittag eröffneten Maike Schubert, Leiterin des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Münster, und Micha Pallesche, Rektor der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe, mit einem Gespräch zu Organisationsentwicklung und Veränderungsmanagement für eine gelungene Schulentwicklung mit digitalen Medien. Zentrale Aussagen der Diskutierenden waren, dass sowohl die Schule als auch die Lehrenden sich in einem konstanten Lern- und Austauschprozess befinden sollten. Lehrende haben die Verantwortung, eine Anpassung an neue (digitale) Entwicklungen zu leisten und die Lernenden aufs Leben vorzubereiten. Insgesamt müsse ein Wandel weg von Ängsten gegenüber Neuerungen hin zu einer positiven Kultur des Gelingens stattfinden. Herausforderungen bei der Digitalisierung der Schulen seien der reine Umfang des Vorhabens, die Gleichzeitigkeit, mit der die Neuerungen an vielen Punkten implementiert werden müssen, und die Bandbreite der Anforderungen an die Lehrenden, die damit einhergehen.

Eine Aufzeichnung des Gesprächs in voller Länge finden Sie ebenfalls auf der Konferenz-Webseite des Forum Bildung Digitalisierung.

Thementische: Die Transformation zum Lernen mit digitalen Medien

Den weiteren Nachmittag über tauschten sich die Teilnehmenden an 25 Thementischen zu den großen Fragen und Aufgaben bei der Transformation zum Lernen mit digitalen Medien aus. Die relevanten Themen waren vor der Konferenz von den Teilnehmenden abgefragt worden und umfassten unter anderem Sicherheit und Datenschutz, Lehrerausbildung und -fortbildung, Didaktik, Schulentwicklung, Medienkompetenz, Open Educational Resources, den Kulturwandel in der Lehrkraft-Rolle sowie die Kultur des Teilens und die Kultur des Wagnisses und des Fehlers.

An den einzelnen Tischen wurde unter anderem überlegt, wie das einzelne Entwicklungsfeld aussieht, welche Gruppen davon betroffen sind und was bei der Bewältigung der jeweiligen Herausforderung helfen kann. Die Ergebnisse dieses Austauschs sind auf einzelnen Etherpads auf der Konferenz-Webseite abrufbar.

Was kann die Rolle von Unternehmen im Prozess der digitalen Schulentwicklung sein? Über diese Frage wurde unter anderem am Thementisch "Zusammenarbeit II: Träger, Unternehmen und außerschulische Partner" nachgedacht. Die Potenziale der Wirtschaft liegen für Schulen demnach vor allem im Wissensbereich: Unternehmen sind für Schülerinnen und Schüler wichtige Anlaufstellen für die Berufsorientierung und die Entwicklung von Medienkompetenz, zum Beispiel im Rahmen von Schulpraktika. Für die Schulen selbst können Unternehmen als Inputgeber im Bereich Digitalisierung dienen; diese können die Unterrichtsinhalte entsprechend besser an die Realität anpassen, und umgekehrt profitieren die Firmen auf dem Arbeitsmarkt dann von den im digitalen Bereich gut ausgebildeten jungen Menschen. Unternehmen sind auch als Berater für die technische Ausstattung von Schulen mit digitalen Medien denkbar.

Auf der Konferenz-Webseite ist das Konferenzprogramm sowie eine Bildergalerie von der Veranstaltung hinterlegt.


An den Ergebnissen der Konferenz wird nun in einem Netzwerk von Schulen weitergearbeitet, die einen Wandel der Schul- und Lernkultur hin zum Einsatz digitaler Medien begonnen haben und im Austausch mit anderen an ihren Entwicklungsfeldern arbeiten möchten.

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