Büroutensilien

2.10.2020 | Von:
David Seibert

Im Praxistest: Falter aktuell: 3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit

Kurze Vorstellung des Arbeitsmaterials

Bei dem Material handelt es sich um Arbeitsblätter zum Thema: "3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit". Die Thematik ist in fünf Arbeitsblätter aufgeteilt, die zwar aufeinander aufbauen, jedoch in separaten Unterrichtsstunden unterrichtet werden können. Sie eignen sich eher nicht für Gruppenarbeit. Sie können sowohl im Politik- als auch Geschichtsunterricht eingesetzt werden (Sek. I). Arbeitsblatt 1, 2 und 3 beschäftigen sich mit der Entstehung eines Nationalstaates bzw. einer politischen Einheit in Deutschland sowie der Zweitstaatlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Arbeitsblatt 4 und 5 thematisieren Herausforderungen und Bedingungen, mit denen sich die deutsche Gesellschaft seit 1990 auseinandersetzen musste bzw. muss. Dabei geht es konkret um den Vereinigungsprozess, die DDR-Wirtschaft, sowie um das 25-jährige Jubiläum vom "Tag der Deutschen Einheit" (Erscheinungsjahr 2015).

Fachdidaktische Überlegungen

Erinnerungskultur/Geschichtskultur ist in den Rahmenlehrplänen fest verankert, es ist daher ratsam das Konstrukt vorher einzuführen oder es im Rahmen des Materials ergänzend zu thematisieren. Der Tag der Deutschen Einheit, der 3. Oktober, ist in Deutschland ein Feiertag. Das Bemerkenswerte an solchen Feiertagen ist ja, dass vor allem Schülerinnen und Schüler der Sek I, diese nicht feiern. Fällt er auf einen Wochentag, haben die Schülerinnen und Schüler hierzulande immerhin schulfrei. Damit könnte man einsteigen: Kennt ihr jemand der das feiert? Was wird an diesem Tag gefeiert? Wird in eurer Familie über den Tag gesprochen? Wie fällt im Radio und den sozialen Medien die Berichterstattung über diesen Tag aus? Kennt ihr Feiertage in anderen Ländern, die anders/ähnlich gefeiert werden? Sollten in Deutschland solche Feiertage mehr Beachtung erfahren?

Gerade die letzte Frage beantwortet dieses Material. Es wird geklärt, warum Deutschland einst geteilt war und wie es dazu kam, dass das geteilte Deutschland wieder zu einer Einheit wurde.

Aufbau des Materials

Das Material ist in PDF-Form (in Farbe und Schwarz-Weiß) verfügbar und kann somit sowohl digital als auch gedruckt genutzt werden. Es gibt diverse gelungene Arbeitsaufträge, bei denen die Schülerinnen und Schüler eigenständig online recherchieren sollen, es ist daher an die technische Ausstattung zu denken. Das integrierte Kartenmaterial sowie die Schaubilder sind praktischerweise ebenfalls als einzelne PDF-Dokumente verfügbar und können separat voneinander aufgerufen werden. Ebenfalls zur Verfügung steht ein PDF-Dokument mit Lehrerhinweisen, in dem Lösungsvorschläge zu den jeweiligen Aufgaben der Arbeitsblätter vorgestellt werden. Kurze Erläuterungen und Zusatzinformationen zu den Themen der jeweiligen Arbeitsblätter sind dem Lehrerhinweis ebenfalls zu entnehmen. Das Material ist aufgrund des Umfangs für mehrere Unterrichtsstunden vorgesehen, kann allerdings auch in gekürzter Form, sprich in Teilaufgaben, bearbeitet werden.

Anregungen für den Einsatz im Unterricht

Im Vorwort an die Leserin und den Leser sind nicht unwesentliche Informationen enthalten, die die Lehrkraft auch den Schülerinnen und Schüler als Einstieg präsentieren könnte. Arbeitsblatt 1 dient der Heranführung an den abstrakten Begriff "politische Einheit" und skizziert kurz die Entstehungsgeschichte des deutschen Nationalstaates (Revolution von 1848/49, das Deutsche Reich 1871, die Revolution 1918 sowie das Ende des Zweiten Weltkriegs) und verdeutlicht anhand von Kartenarbeit Kontinuität und Veränderung. Als Einstieg in die Thematik "3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit" eignet sich das Arbeitsblatt mäßig, aber es kann in der Erarbeitungsphase genutzt werden, um Orientierungswissen zu generieren, was für den weiteren Durchgang relevant wird. Ein weiterer Arbeitsauftrag besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler herausfinden sollen, zu welchem Königreich oder Fürstentum ihre Heimatstadt gehörte und welche Erinnerung (z.B. in Form von Bauwerken, Straßennamen etc.) es noch an diese Zeit gibt. Gelungen ist hier die Lebensweltorientierung. Kritisch anzumerken ist, dass eventuell nicht alle Schülerinnen und Schüler ihren Wohnsitz in Deutschland als "Heimatstadt" verstehen und ihre Lebenswelt daher weniger berührt wird. Hier könnte "Heimatstadt" durch "Wohnort" ersetzt werden.

Das zweite Blatt wartet mit einem sehr kurzen, aber prägnanten Text zur Zweiteilung nach 1945 auf. Im Anschluss steht eine Erarbeitungsphase mit einem gut durchdachten und kleinschrittigen Raster zu Karikaturanalyse. Fast analog funktioniert Arbeitsblatt 3, welches das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen thematisiert.

Arbeitsblatt 4 und 5 setzen sich mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten und Herausforderungen seit 1990 auseinander. Anzumerken ist hier, dass auf beiden Arbeitsblättern ein monoperspektivisches Verfallsnarrativ der DDR-Geschichte erzählt wird. Das Arbeitsblatt 4 thematisiert ausschließlich die Wirtschaft in der DDR und Arbeitsblatt 5 führt die Geschichte der DDR fort, ohne die Bundesrepublik im Text konkret zu erläutern. Ergänzend könnte hier zum einen die Wirtschaft der Bundesrepublik thematisiert und mit der DDR-Wirtschaft kontrastiert werden, sodass die Schülerinnen und Schüler exemplarisch die Unterschiedlichkeit beider Systeme erarbeiten. Ohne eine Gegenüberstellung beider Systeme, ist Arbeitsblatt 4 nur bedingt zielführend. Inhaltlich könnte bei Arbeitsblatt 5 auch die damalige Perspektive der Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik ergänzt werden, um die Komplexität der Thematik erarbeiten zu können.

Fazit

Das Material stellt im Einzelnen viele gute Ansätze bereit, um die Thematik rund um den Tag der Deutschen Einheit zu erschließen. Inhaltich bietet das Material eine Fülle von Anknüpfungspunkten, um die Thematik zu behandeln. Es eignet sich also eher als Abschluss einer Reihe zur bipolaren Welt oder dem Vergleich der beiden deutschen Staaten. Ohne diese Vorarbeit entsteht in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler möglicherweise ein eindimensionales DDR-Narrativ. Ergänzend dazu sollten Lehrkräfte passendes Material zu den Entwicklungen der Bundesrepublik hinzuziehen, damit die Schülerinnen und Schüler verstehen, wie verschieden die beiden Staaten waren, wie Komplex die Thematik rund um die Wiedervereinigung und weshalb der Begriff Einheit so umstritten ist. In dem Material fehlt jedoch eine ausführliche Darstellung oder Quelle zum 3. Oktober 1990 selbst, was verwunderlich ist, da die Arbeitsblätter zum Thema "3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit" konzipiert wurden. Daher sollte das Material mit etwas Recherche aktualisiert und angepasst werden.

Eine Möglichkeit wäre, dass die Lehrkraft aus dem gegenwärtigen oder vergangenen Jahr unterschiedliche Zeitungsartikel mitbringt und mit den Schülerinnen und Schüler darüber spricht, wie der Tag der Deutschen Einheit dort thematisiert wird. Von dort aus kann die Lehrkraft dann eine Brücke zur ersten politischen Einheit in Deutschland schlagen und mit dem Arbeitsblatt 1 einsteigen.

Ebenso wäre es möglich, den Abschluss aktueller und schülernäher zu gestalten. Hier bieten sich die "10-Fakten zum Lebensgefühl Einheit" der Bundesregierung als Ausgangslage an. Diese können mit einer migrantischen Perspektive oder einer Jugendstudie mit dem Titel: "Kinder der Einheit – same, same but (still) different" (als zusammengefasster Artikel, bei dem aber auch der Link zur gesamten Studie aufgelistet ist: https://www.belltower.news/jugendstudie-2019-jugendliche-in-ost-und-west-leben-grundverschieden-91273/) kontrastiert werden. So könnte schlussendlich auch die Frage diskutiert werden, inwiefern es heute tatsächlich eine deutsche "Einheit" gibt, ob der 3. Oktober ein geeigneter Feiertag dafür ist und wie er vielleicht anders gestaltet werden könnte.

Zugriff

https://www.bpb.de/shop/lernen/falter/210620/3-oktober-tag-der-deutschen-einheit


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