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Die Vereinten Nationen begehen heute erstmals den Internationalen Tag des friedlichen Miteinanders. Er erinnert daran, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg ist, sondern, dass zu einer friedlichen und weltoffenen Haltung ständige Arbeit gehört.
Die Grundlage für den Gedenktag, auf Englisch „International Day of Peaceful Coexistence“, bildet eine UNO-Resolution aus dem letzten Jahr. Ziel ist es, das weltweite Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Frieden ein dynamischer Beteiligungsprozess ist. In diesem Sinne sind die UNO-Mitgliedstaaten aufgerufen, die Wertschätzung für kulturelle und religiöse Vielfalt auf der Welt aktiv zu fördern. Die Resolution knüpft an bestehende UNO-Dokumente an – insbesondere an das Konzept der „Kultur des Friedens“ und die Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030. Als Ziel Nummer 16 benennen die Vereinten Nationen dort Frieden als Grundvoraussetzung für jede stabile Entwicklung auf dem Planeten.
Hinter der Idee der „Kultur des Friedens“ steckt eine sozialwissenschaftliche Erkenntnis: Krieg ist keine biologische Notwendigkeit, sondern eine soziale Erfindung. Wenn Menschen in der Lage sind, Krieg zu führen, besitzen sie auch die Fähigkeit, Frieden zu schaffen. Die „Kultur des Friedens“ war Ende der Achtzigerjahre eine gedankliche Revolution – Frieden nicht nur als einen Zustand zu begreifen, wenn mal kein Krieg ist, sondern als eigenen, positiv definierten Begriff ! In der Arbeit der Vereinten Nationen zeigt sich dieses positive Friedenskonzept beispielsweise durch Programme zur Konfliktprävention und dem Schutz gesellschaftlicher Minderheiten – immer auf Grundlage der zentralen Werte der UNO: Dazu gehören der Respekt für das Leben, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Gleichberechtigung.
Der Blick auf die aktuelle Lage erscheint bisweilen düster: Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, kurz UNICEF, hat die Zahl der Kinder, die in Kriegs- und Krisengebieten aufwachsen müssen, 2025 einen historischen Höchststand erreicht . Die bewaffneten Konflikte etwa in der Ukraine oder im Sudan zeigen, wie begrenzt die Möglichkeiten der Vereinten Nationen sind, Kriege zu verhindern oder kriegerische Konflikte zu lösen. Oftmals blockieren nationale Interessen eine wirksame Vermittlung im Sicherheitsrat und versperren so den Weg zu einem dauerhaften Frieden.
Insgesamt weisen die Friedensbemühungen der Vereinten Nationen eine gemischte Bilanz auf. Seit ihrer Gründung im Jahr 1945, direkt nach dem 2. Weltkrieg, hat die Weltorganisation universelle Standards für Menschenrechte gesetzt, zahlreiche ehemalige Kolonien bei der Staatsbildung begleitet sowie in einigen Blauhelmmissionen weltweit Waffenstillstände abgesichert und Entwaffnungsprozesse unterstützt. Der heutige „Tag des friedlichen Miteinanders“ erinnert daran, dass Frieden kein statischer Zustand ist: Er ist ein fortlaufender Prozess, der auf allen Ebenen der Gesellschaft gestaltet werden muss.
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hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung