Das knapp eine Millionen Quadratkilometer große Gebiet, das heute Ruanda, Burundi und Tansania umfasst, wurde im 19. Jahrhundert von Menschen bewohnt, die in unterschiedlichen Sozialverbänden und Königtümern lebten. Sie bewirtschafteten Felder, betrieben Viehzucht, lebten von der Jagd oder vom Handel. Die Küstenregion profitierte vom maritimen Handel mit dem Sultanat Oman und dem indischen Subkontinent. Verbunden waren Küste und Landesinneres durch Karawanenstraßen, auf denen Waren, aber auch Versklavte, transportiert wurden. Der Menschenhandel über den Indischen Ozean erreichte im 19. Jahrhundert einen Höhepunkt. Mit seinem Sklavenmarkt und den Nelkenplantagen, die mit Sklavenarbeit betrieben wurden, wurde Sansibar zu einem Zentrum des Handels. Auf dem Festland wurden einzelne Herrscherpersönlichkeiten wie Mukwavinyika (1855-1898, als Mkwawa bekannt) und Mbula Mytela Kasanda (ca. 1840–1884, als Mirambo bekannt) durch den Handel mit dem global zunehmend begehrten Elfenbein, mit Waffen oder mit Menschen reich und mächtig. Verschiedene Sprachen, vor allem Bantu, wurden in den ostafrikanischen Regionen gesprochen. Bevölkerungen wie die Masai, Chagga, Hehe oder Sukuma tradierten ihr Wissen mündlich über Mythen, Tänze, Lieder und Geschichten. Während es im Landesinneren viele verschiedene Religionen und spirituelle Bräuche gab, waren die Küstenregion und Sansibar vor allem vom Islam geprägt.
Beginn der Kolonialisierung
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen europäische Missionsgesellschaften, das Gebiet im Namen des Christentums zu erschließen. Gleichzeitig nahmen Forschungsexpeditionen zu. Afrikanische Fachleute verhalfen zu wichtigen Erkenntnissen, beispielsweise in der Botanik oder Geografie, blieben aber in den europäischen Veröffentlichungen unerwähnt. Die Begegnungen zwischen Europäer:innen und Afrikaner:innen wurden zahlreicher, besonders durch das seit den 1880er Jahren vom Deutschen Kaiserreich ausgehende koloniale Projekt in Ostafrika. Die Kolonialisierung bedeutete einen tiefen Einschnitt in das Leben vor Ort, denn sie ging einher mit Gewalt, Ausbeutung und Krieg.
Nach dem Vorbild britischer Kolonien beanspruchte zunächst eine private Vereinigung, die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG), ab 1885 weite Küstenabschnitte und sorgte mit unlauteren Verträgen für Enteignungen und Krieg, bevor 1891 das Deutsche Kaiserreich die Kolonialherrschaft übernahm. Hauptakteur der DOAG war der schon zeitgenössisch für seine Grausamkeit bekannte Carl Peters (1856-1918). Er steht beispielhaft für die enge, wenn auch konfliktreiche Verbindung zwischen Kolonialherrschaft und Mission sowie für einen ausgeprägten Rassismus. Peters unterdrückte als Reichskommissar bis zu seiner Entlassung 1892 mit Willkür und Brutalität die Bevölkerung der Kilimandscharo-Region.
Zwangsarbeit und Sklaverei
Deutsch-Ostafrika lohnte sich wirtschaftlich weder für das Kaiserreich noch für die meisten Kolonialmigrant:innen; einige Firmen profitierten gleichwohl. Im Jahr 1914 besiedelten etwa 600 deutsche und weitere internationale Pflanzer die fruchtbarsten Regionen.
Bis zum Ende der deutschen Kolonialherrschaft im Jahr 1918 blieb die Sklaverei in bestimmten Bevölkerungsgruppen erlaubt. Zwar war es Europäer:innen in Deutsch-Ostafrika verboten, Versklavte zu besitzen. Den lokalen Eliten wurde das hingegen weiterhin gestattet, denn aus dieser Gruppe rekrutierten die Deutschen ihr Verwaltungspersonal, die sogenannten Akidas und Jumben. Die Macht der Eliten sollte nicht beschnitten werden, damit die eigene nicht gefährdet würde.
Militärpräsenz und koloniale Gewalt
Das koloniale Territorium wurde durch ein Netz von militärischen Stationen geprägt. Hier übten in der Regel wenige deutsche Soldaten unterstützt von afrikanischen Hilfseinheiten (Askaris) die koloniale Macht aus. Nur wenige Stationen wurden auf eine zivile Administration umgestellt, zum Beispiel 1906 im heutigen Burundi. Stationen blieben oft auch unter militärischer Leitung, wenn die Region im Hinblick auf Widerstände als ruhig galt. Iringa in der Region Uhehe blieb beispielsweise eine Militärstation, obwohl seit 1898 der zuvor sieben Jahre dauernde Krieg beendet war.
Der Krieg in Uhehe war nur einer von zahlreichen Kriegen. Schon zu Zeiten der DOAG gab es Krieg an der Küste. Widerstandsaktionen von Frauen und Männern führten zu brutalen Gegenreaktionen.
Bilanz
Die Deutschen haben das Land bis zum Schluss nie vollständig, sondern nur regional beschränkt erobert. Insgesamt kamen wenige Deutsche in die Kolonie. Die Truppe, die Hermann von Wissmann (1853-1905) zusammenstellte, um von 1888 bis 1890 Krieg gegen die ostafrikanische Küstenbevölkerung unter der Anführung von Abushiri ibn Salim al-Harthi (hingerichtet 1889) zu führen, bestand aus 88 Deutschen und 850 afrikanischen Söldnern. Gegen Ende der Kolonialherrschaft befanden sich neben den Siedler:innen gut 730 Offiziere und Kolonialbeamte in Deutsch-Ostafrika.
Erinnerungskultur
Die Erinnerung an die deutsche Kolonialzeit drückt sich in Tansania auf staatlicher Ebene - auf der häufig die gute Zusammenarbeit der Länder hervorgehoben wird - anders aus als in den Communities, die mitunter bis heute auf die Rückgabe der Gebeine ihrer Ahnen aus deutschen Sammlungen warten und traumatische Erlebnisse überliefern.