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Go Africa, Go Germany

9.4.2009

Go Africa... Go Germany 2008/09 - Call for Papers

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    Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb vergibt Stipendien an Studierende und junge Absolvent/innen für ein vierwöchiges Seminar, das im September 2008 und im Februar 2009 jeweils für zwei Wochen in Deutschland/Belgien und in Kenia/Uganda stattfindet.

    Mit einem vierwöchigen Austauschprogramm, das die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb zum zweiten Mal auf Initiative des Bundespräsidenten anbietet, will die bpb dazu beitragen, die Wissenskluft zwischen afrikanischer Realität und deutscher Wahrnehmung bzw. deutscher Realität und afrikanischer Wahrnehmung zu überwinden. Durch die persönliche interkulturelle Begegnung junger Nachwuchswissenschaftler/innen und den interdisziplinären Austausch sollen die fachliche Weiterbildung gefördert und Multiplikatoren für eine partnerschaftlich deutsch-afrikanische Zukunft gewonnen werden.

    Die Veranstaltung richtet sich an Studierende und junge Absolventen zwischen 21 und 27 Jahren der Fächer Politikwissenschaft, Neuere Geschichte, Internationale Beziehungen, Volkswirtschaftslehre, Kommunikations- und Rechtswissenschaften. Diese sind eingeladen, an einem Bildungsprogramm teilzunehmen, das zunächst im September 2008 in Deutschland und Belgien (Brüssel-EU) und im Februar 2009 in Kenia und Uganda stattfinden wird. Das Programmangebot umfasst sowohl Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern, Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft, Wissenschaftler/innen und Journalist/innen aus beiden Ländern, als auch die Teilnahme an politischen und kulturellen Veranstaltungen sowie an Exkursionen in Deutschland, Kenia und Uganda. Die Teilnehmenden sollen durch eigene Präsentationen (Gestaltung von Lectures) zur Umsetzung des Programms wesentlich beitragen. Sie erarbeiten darüber hinaus ein interdisziplinär angelegtes Strategiepapier zu einem wissenschaftlichen Thema, welches in Deutschland vorbereitet und von Oktober 2008 bis April 2009 ausgearbeitet werden soll.

    Die Seminarsprache ist Englisch; die Teilnehmerzahl ist auf 24 Personen, davon zwölf aus den Staaten Ostafrikas und zwölf aus Deutschland beschränkt. Die Kosten werden von der bpb übernommen. Nähere Informationen über die bpb finden Sie unter: www.bpb.de.

    Interessierte Studierende und Absolventen können sich mit einem Essay von max. drei DIN-A4-Seiten (ca. 6000 Zeichen) in englischer Sprache bei der Bundeszentrale für politische Bildung bewerben. Dem Essay sind ein tabellarischer Lebenslauf, ein Motivationsschreiben von höchstens einer DIN-A4-Seite und ein Foto beizufügen (folgende Informationen müssen angegeben werden: Name, Vorname, Geschlecht, Geburtsdatum, Beruf, Tätigkeit/Studienrichtung, Studien- bzw. Arbeits- und Wohnort). Darüber hinaus ist eine Erklärung darüber abzugeben, dass das Essay selbst und ohne fremde Hilfe erstellt wurde.

    Die Bewerbung ist für deutsche Interessenten bis zum 01. März 2008, für afrikanische Interessenten bis zum 15. März 2008 über das Webformular auf www.bpb.de/goafrica (ab Januar 2008 online) mit den o.a. Unterlagen (Essay, Lebenslauf, Motivationsschreiben) hochzuladen.

    Fragen können gerichtet werden an goafrica@bpb.de

    Das Thema für das Essay kann aus folgenden Vorschlägen gewählt werden:

    1. Parteienpluralität als Eckpfeiler funktionierender parlamentarischer Demokratien

    Eine Voraussetzung des Funktionierens parlamentarischer Demokratien und der demokratischen Legitimation ist die Pluralität von Parteien.

    Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland weist aufgrund der negativen Erfahrungen aus der Weimarer Republik den Parteien in Art. 21 die Aufgabe zu, bei der Bildung des politischen Willens mitzuwirken. Das Parteiengesetz gestaltet diesen Auftrag der Parteien näher aus. Dabei versuchen die durch Wahlen legitimierten Regierungs- und Oppositionsparteien im Widerstreit und in Konkurrenz um politische Alternativen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zu schaffen und weiter zu entwickeln. Dennoch haben die großen Volksparteien in den letzten Jahren zwischen einem Viertel (CDU gegenüber 1990) und einer Hälfte (SPD gegenüber 1976) ihrer Mitglieder eingebüßt und klagen überdies über einen zu hohen Altersdurchschnitt ihrer Mitglieder. Seit den 90er Jahren wird in Deutschland darüber hinaus das Phänomen der "Politik- und Politikerverdrossenheit" diskutiert mit Symptomen wie sinkendem Vertrauen in die Parteien und ihrer Repräsentanten sowie einer zunehmenden Entfremdung Jugendlicher von allen Formen von Parteipolitik. Als Ursache hierfür haben Wissenschaftler vor allem einen Wertewandel und einen Wandel von Lebensstilen ausgemacht, die mit den gestiegenen Anforderungen nach permanenter Veränderungsbereitschaft, hoher Mobilität und Flexibilität gerader junger Menschen in modernen dynamischen Gesellschaften einhergeht. Folgen davon sind größere Individualisierung und eine wesentlich geringere Bindungsbereitschaft der Menschen, die alle großen gesellschaftlichen Organisationen treffen und letztlich zulasten einer lebenslangen Parteimitgliedschaft oder des langjährigen Engagements in Parteien gehen.

    In Kenia wurde 1991 das Mehrparteiengesetz wieder eingeführt. Ein Parteiengesetz ist im Entwurfsstadium. Seit 1991 ist eine vielfältige Parteienlandschaft entstanden, wobei die Regierungspartei – die National Alliance of Rainbow Coalition Kenya (NARC-K; offiziell ohne den Zusatz Kenia) ein Zusammenschluss von 15 ehemaligen Oppositionsparteien mittlerweile gespalten ist. Die Parteizugehörigkeit und das Wahlverhalten in Kenia werden zu einem großen Anteil von der Zugehörigkeit zu bestimmten Ethnien bestimmt, die sich jeweils in einer eigenen Partei repräsentiert sehen wollen. Die Identifikation der Parteien über alternative politische Konzepte steht dahinter zurück. Damit weicht die Parteienkonzeption in Kenia von den Anforderungen an politische Parteien nach dem Parteiengesetz in Deutschland ab. Für die Ende Dezember 2007 stattfindenden Wahlen haben sich über 100 Parteien registrieren lassen.
    • Weshalb bedarf es in funktionierenden Demokratien einer Parteienpluralität? Ist es als zwingende Voraussetzung der Parteienpluralität anzusehen, dass sich die Parteien nach weltanschaulichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Programmen voneinander abgrenzen oder kann sie ethnisch motiviert sein?
    • Beschreiben Sie die Vor- und Nachteile von politischen Koalitionen in Deutschland und in Kenia.
    • Welche Formen politischer Beteiligung könnten geeignet sein, dem Rückgang politischer Partizipation in Deutschland zu begegnen und eine ethnisch polarisierende Entwicklung in Kenia zu vermeiden?

    2. Migration in Afrika, in Deutschland und nach Europa

    Migration und Wanderbewegungen von Menschen haben vielfältige Ursachen – sie können staatlich gefördert, persönlich motiviert oder aus einer Not- oder Krisensituation heraus resultieren. In Deutschland gehört die Frage der Zuwanderung seit Jahren zu den zentralen innenpolitischen Themen. 2005 lebten in Deutschland registriert 15,3 Millionen Menschen (19 % der Gesamtbevölkerung), die über einen - mehrheitlich europäischen - Migrationshintergrund verfügen. Nach Angaben von Amnesty International lebten 2006 allein in Norduganda ca. 1,7 Millionen Binnenflüchtlinge – die meisten waren Krisenflüchtlinge aus dem Sudan, aber auch Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo hielten sich in Uganda auf. In Kenia lebten 2006 etwa 240.000 Flüchtlinge und Asylsuchende, die mehrheitlich aus dem Sudan, aber auch aus Äthiopien, Eritrea und den Nachbarländern im Gebiet der Großen Seen stammten. Nach Schätzungen sollen sich darüber hinaus 15.000 bis 60.000 Flüchtlinge ohne die erforderlichen Papiere in Nairobi und anderen Städten aufhalten. Ein verhältnismäßig geringer (wenn auch medial besonders beachteter)Teil afrikanischer Flüchtlinge versucht, nach Europa zu immigrieren.

    Die dritte Afrika- Konferenz des Bundespräsidenten Horst Köhler, die im November 2007 im Konferenzzentrum Kloster Eberbach stattfand, stand unter dem Titel "Herausforderungen des Wandels - Afrikanische und deutsche Antworten". Ein Schwerpunkt der Konferenz war mit dem Titel "Mobilität und Flexibilität: Belastung oder Chance? Migration und ihre Folgen für die Herkunftsgesellschaften und für die Zielländer" beschrieben. Zum Abschluss der Konferenz betonte der Bundespräsident besonders, dass zu den Hürden auf dem Weg zu einer guten Partnerschaft die "Doppelmoral des Nordens (u.a.) bei Migrationsfragen" zählten. Zugleich forderte er ein Umdenken im Norden als unerlässliche Voraussetzung "Fairness und Gleichberechtigung im Umgang miteinander".
    • Benennen Sie die Struktur und die Ursachen von Migrationsbewegungen nach Deutschland, nach Kenia und Uganda. Beurteilen und bewerten Sie den Umgang der Staaten mit ihren Zuwanderern.
    • Benennen Sie die gesellschaftlichen Chancen und Risiken von Migration.
    • Worin besteht die vom Bundespräsidenten angesprochene Doppelmoral des Nordens und welche Schritte sollten unternommen werden, um die geforderte Fairness und Gleichberechtigung zu erreichen?

    3. Der Kampf gegen Korruption

    Korruption ist ein weltweit auftretendes Phänomen. Der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International (TI) 2007 weist Deutschland Platz 16 von 179 untersuchten Staaten zu. Den letzten Platz nimmt Somalia ein, Kenia hält Platz 150, Uganda Platz 111; Tschad und Sudan Platz 172. Transparency International stellt insoweit fest: "Eine starke Korrelation zwischen Armut und Korruption bleibt weiterhin offenkundig". Allerdings stellte TI gleichzeitig fest, dass sich die Korruption in Namibia, auf den Seychellen, in Südafrika und in Swasiland signifikant verringert hat.

    Am 31. Oktober 2003 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UNKonvention gegen Korruption, die am 14. Dezember 2005 in Kraft trat. Damit gelang es ihr, ein umfassendes Regelwerk gegen Korruption zu vereinbaren, das nun politische Wirklichkeit werden muss. Dabei sind die Ratifizierung und Umsetzung der Konvention durch die Unterzeichnerstaaten die nächsten wesentlichen Schritte. Entscheidende Herausforderungen werden aber sicherlich für viele Jahre ein erodiertes Verantwortungsbewusstsein auf Seiten der Bestechenden und Bestochenen bleiben sowie die überaus großen Probleme bei Aufdeckung und Nachweis von Korruption auf allen Ebenen. Dabei gibt es aber auch ermutigende Beispiele: Eine Internetplattform (BKMS), die von der Business Keeper AG in Potsdam (Deutschland) programmiert wurde, ermöglicht es beispielsweise, in anonymisierter Form Hinweise auf Korruption im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft zu geben und anonym mit den Ermittlungsbehörden in Kontakt zu treten. Die kenianische Korruptionsbehörde testete das Verfahren seit 2006 in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und übernahm das System.
    • Was versteht man unter Korruption und welche Formen lassen sich systematisch unterscheiden? Nennen Sie Beispiele für Korruption in Deutschland und in einem Land Ostafrikas. Thematisieren Sie die Verantwortlichkeit und den Umgang mit aufgedeckter Korruption.
    • Nennen Sie jeweils drei Ursachen von Korruption in Deutschland und in Ostafrika. Handelt es sich dabei um nationale Phänomene oder gibt es internationale Bezugspunkte?
    • Mit welchen Mitteln kann Korruption erfolgreich bekämpft werden? Könnte das BKMS-System ein Modell für alle Staaten werden? Begründen Sie Ihre Entscheidung.


  • Dossier - Africome

    Afrika

    Rund 885 Millionen Menschen leben in 54 afrikanischen Staaten. Auf dem Kontinent gibt es über 3.000 Bevölkerungsgruppen und mehr als 2.000 Sprachen. Das Dossier präsentiert Afrika gestern und heute und beleuchtet die Perspektiven zukünftiger Entwicklungen.

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