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Tagungsdokumentation: „Stark machen! – Politische Bildung zusammen weiter denken“ | bpb.de

Tagungsdokumentation: „Stark machen! – Politische Bildung zusammen weiter denken“ 30. Oktober 2025, Victor’s Residenz-Hotel Gera

Maike Unger Elliot Vojacek

/ 13 Minuten zu lesen

(© Thüringer Landeszentrale für politische Bildung/ bpb)

Stark machen! – So lautete das Motto des Thüringer Landeskongresses politische Bildung, der am 30. Oktober in Gera stattfand. Eingeladen hatte die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung. Etwa hundert Akteure der politischen Bildung, hauptsächlich aus Thüringen, kamen dafür zusammen. Das Ziel des Tages: sich gegenseitig mit neuen Ideen, Impulsen und Methoden zu stärken, ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Empowerment zu erleben.

Anne Vaupel-Meier, Leiterin Bildung und Vermittlung im Grenzmuseum Schifflersgrund, eröffnete die Veranstaltung als Moderatorin und führte durch das vielseitige Interner Link: Programm.

Prof. Dr. Christine Zeuner hielt den ersten Impulsvortrag, um erste Einblicke in aktuelle Debatten aus Wissenschaft und Praxis zu geben. (© Foto: Unger/Vojacek)

Die einführende Keynote „Politische Erwachsenenbildung unter Druck: Verlust des Politischen?“ von Prof. Dr. Christine Zeuner (HSU Hamburg) gab Einblick in aktuelle Debatten aus Wissenschaft und Praxis. Hierbei wurde die besondere Rolle des Politischen in der politischen Bildung betont, in der Mündigkeit und Emanzipation auf den Prinzipien des Demokratischen als Ideal bauen. Die Zunahme rechtspopulistischer Positionen sowie der Verlust eines gemeinsamen, einheitlichen Demokratieverständnis führen zu einem politischen und gesellschaftlichen Krisenmodus. Die zunehmende „Feuerwehrfunktion“ der politischen Bildung, als schnelle und effektive Reaktion auf vergangene Versäumnisse, setzt dabei die verschiedenen Organisationen, wie auch die Zivilgesellschaft, unter Druck.

Deutlich wurde gemacht, dass die politische Erwachsenenbildung im sozialen Nahraum, wie beispielsweise in der Arbeitswelt, eingebettet werden muss, um Teilhabe zu ermöglichen. Im Kontext der sich wandelnden Gesellschaft kommt der politischen Bildung eine besondere Mittlerposition zu, so Zeuner, die das politische Bewusstsein stärken und neue Räume für Diskussionen und Möglichkeiten des Utopischen geben kann. Die besondere Herausforderung hierbei liegt darin, Vertrauen zu geben, in einer Zeit, in der das Vertrauen in politische Institutionen zunehmend schwindet, so Vaupel-Meier im Anschluss an die Keynote.

Abschlussgespräch

Im abschließenden Gespräch, moderiert von Anne-Vaupel Meier, rückten aktuelle Herausforderungen und neue Perspektiven in der politischen Bildung in Thüringen noch einmal deutlich in den Fokus. Franziska Wittau, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, betonte eingangs die besondere Belastung, unter der viele Trägerorganisationen derzeit arbeiten: politische Spannungen, steigende Unsicherheiten und Arbeitsbedingungen, die oft von Prekarität und fehlender Planbarkeit geprägt sind. Dennoch sei politische Bildung gerade jetzt unverzichtbar – als Ort der Orientierung, des Dialogs und des demokratischen Miteinanders. Die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen sieht sich hier in der Rolle der Impulsgeberin und Impulsmoderatorin, sowie Partnerin und Lotsin.

Zentral wurde im Gespräch über die räumliche Dimension politischer Bildung diskutiert. Anstatt ausschließlich zielgruppenorientiert zu denken, wurde betont, wie wertvoll lokale Räume für politische Begegnungen sein können. So können spontane und niedrigschwellige Gespräche im Alltag entstehen. Beispiele wie die „Bratwurst-Debatte“ machten deutlich, dass politische Bildung dort wirken kann, wo Menschen sich ohnehin begegnen. Aufgabe sei es daher, solche Diskursräume wahrzunehmen und zu gestalten, bevor sie von anderen besetzt werden. Diese Aufgabe könne nur gemeinsam mit den lokalen Organisationen des Netzwerks gestemmt werden, so Franziska Wittau.

Die Resonanz auf die Workshops zeigte, dass ein großes Interesse an neuen Methoden existiert und neue Ansätze gerne ausprobiert werden. Methoden wie Lego® Serious Play® oder dialogorientierte Ansätze eröffnen kreative und innovative Zugänge, um Konflikte zu verstehen, handlungsfähig zu werden und gegenseitig zu empowern. Aber auch Herausforderungen wie Finanzierung und Schutzkonzepte stellen einen großen Bedarf an Methoden und Strategien dar. Besonders beim Thema Schutzkonzepte wurde spürbar, wie stark sich verschiedene Projekte und Organisationen mit Gefährdungen, emotionaler Anspannung und fehlenden Absicherungen konfrontiert sehen.

Ein wiederkehrender Gedanke des Gesprächs lautete, dass politische Bildung vor allem eine Arbeit an der Haltung ist: Kritikfähigkeit, Ambiguitätstoleranz und die Bereitschaft, Konflikte auszuhalten, gelten als zentrale Kompetenzen in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft.

Zum Abschluss wurde betont, was politische Bildung langfristig stärkt: Allianzen und solidarische Bündnisse. Die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen möchte ab dem nächsten Jahr regelmäßig runde Tische im Netzwerk anbieten, um auch langfristig im Austausch und Diskurs zu bleiben.

Der Landeskongress in Gera machte deutlich, wie vielfältig, kreativ und widerstandsfähig politische Bildungsangebote sind. In Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung und zunehmender Polarisierung wird politische Bildung zu einer zentralen Ressource demokratischer Selbstbehauptung. Der klare Wunsch nach mehr Austausch, sowie stabilen und solidarischen Allianzen prägte den Ausgang des Landeskongress „Stark machen! - Politische Bildung zusammen weiter denken” in Gera. Der Blick nach vorne zeigt: Politische Bildung kann weiter gedacht, gemeinsam gestaltet, und es können neue Wege gewagt werden. Der Kongress endete damit nicht nur als Moment der Reflexion, sondern als Auftakt für weitere Kooperationen, mutige Projekte und ein gestärktes Miteinander.

Eindrücke vom Thüringer Landeskongress Politische Bildung 2025

Fussnoten

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