An nur einem Wochenende entwickelten die Teilnehmenden in kleinen Teams innovative Brett-, Karten- oder Rollenspiele, um Bildungsinhalte spielerisch zu vermitteln und interaktiv erfahrbar zu machen.
Spiele zur Demokratiebildung Ergebnisse des 1. Board Game Jam der bpb
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Kann man in wenigen Stunden ein Brettspiel erfinden? Diese Herausforderung haben die 70 Teilnehmenden des ersten Board Game Jams der bpb angenommen. Ein Überblick über alle entstandenen Prototypen.
Beim Game Jam entstand eine wunderbar offene und inspirierende Atmosphäre, die zum lauten Denken und kreativen Ausdruck einlud.
Diese
Bilder vom Board Game Jam Fotos von Lukas Boch und Anna Klara Falke
Die Teams erstellten mit Stift, Schere und Papier ihre spielbaren Prototypen.
Die Teilnehmenden konnten eine große Bandbreite an Spielmaterial und Utensilien nutzen.
Moderator Matthias Thanos stellte jeden Tag eine ambitionierte „Challenge“ vor. Diese führten von der Spielidee bis zum fertigen Prototypen.
Zum Schluss betreuten alle Teams einen Demotisch, wo ihr Spiel von den übrigen Teilnehmenden getestet wurde.
Insgesamt entstanden siebzehn Spiele, darunter Brettspiele, Kartenspiele, Würfelspiele und Rollenspiele.
Die Kreativität der Teams zeigte sich auch in der Verwendung ungewohnter Szenarien – hier der Gesellschaftstanz im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Lukas Boch (links im Bild) vom Projekt Boardgame Historian unterstützte Matthias Thanos (Referent der bpb) bei der Moderation der Veranstaltung.
Insgesamt wurden an dem Wochenende siebzehn Spiel-Prototypen für den Einsatz in Schule, Freizeit oder Bildungszentren entwickelt.
Entstandene Spiele Prototypen vom bpb:board game jam
„Demokarten – Demokratie durchgespielt“: In einem Land nicht unähnlich dem unseren versuchen mehrere Parteien an die Regierung zu kommen. Es werden Geldspenden gesammelt, Wählerinnen und Wähler mobilisiert und Allianzen geschmiedet. Reihum bekommt jede Partei durch zahlreiche Karten mit unterschiedlichen Effekten die Chance, den größtmöglichen Einfluss zu erhalten und auszuüben. Nur wer Geld und Gesetz, Koalition und Opposition, Opportunismus und Prinzipientreue richtig einsetzt und seine politische Konkurrenz an der kurzen Leine hält, wird am Ende die Wahl für sich gewinnen!
Ein Deckbuilding-Resourcemanagement-Kartenspiel für 3 bis 7 Personen von Thomas Thudt, Martin Esters und Friedrich Hanisch.
Oft entbrennen im Alltag heftige Debatten über Themen, auf die die Menschen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven blicken. Wenn sich dann noch Falschannahmen beimischen, entstehen scheinbar unlösbare Konflikte. „Blind Spots“ versucht diese Dynamik spielerisch erlebbar zumachen, indem alle mitspielenden Personen vom selben Bild verschiedene Ausschnitte und zudem einige Falschinformationen sehen. Am Ende müssen sie die gegenseitigen Perspektiven ernst nehmen und gemeinsam als Gruppe das richtige Bild erraten.
Ein Teamspiel von Sara Kühn, Matthias Kumpernaß und Engin Cramer.
Bei „Spaceship Democracy“ steuern die Spielenden ein Raumschiff auf der Reise durchs Universum. Die unterschiedlichen Fraktionen auf dem Schiff haben jedoch eigene Interessen – die Spielenden müssen einander von eigenen Projekten überzeugen und stimmen demokratisch darüber ab. Wer mit dem Ausbau des Raumschiffs die Interessen der eigenen Fraktion am besten erfüllt, gewinnt – sofern das Raumschiff sein Ziel erreicht.
Ein kooperatives Spiel für 4 Personen.
In „Mission Ringelschwanz: Oink oink, pff pff“ ist das kleine, mutige Schweinchen Emby mit seinem glitzernden Raumschiff auf der Erde abgestürzt. Emby ist weit weg von zu Hause. Das Schiff ist kaputt, ein Knie ist aufgeschürft und Emby hat ein bisschen Angst. In diesem Spiel für Kinder von 5-7 Jahren unterstützen diese Emby dabei, sicher nach Hause zu kommen.
Ein interaktives narratives Vorlesespiel über Empathie, Mut und Teamwork.
In „Bewegte Verhältnisse“ erleben die Spielenden einen fiktiven grandiosen Tanzabend. Die Gesellschaft ist vielversprechend, da darf man sich nicht blamieren! Zunächst gilt es nun, die ersten vier Tänze gemeinsam zu bestehen – und am besten auch zu genießen. Nebenbei versuchen die Spielenden, die persönlichen Beziehungsbedürfnisse ihrer Charaktere zu erfüllen. Wer den Ball am meisten genießt, strahlt besonders hell und wird am Ende zur Ballkönigin beziehungsweise Ballkönig gekrönt.
Ein Brettspiel für bis zu sechs Personen von Lisa Binder, Meike, Jott Knop und Kathrin Fischer.
Immer wieder haben sich Menschen auf der ganzen Welt zu demokratischen Gesellschaften zusammengeschlossen. Nicht selten sind sie daran gescheitert. Im Spiel „Immer wieder Widerstand“ gestalten die Spielenden ihre eigene demokratische Gesellschaft und beschützen sie gegen antidemokratische Bedrohungen. Wie kann sichergestellt werden, dass die Demokratie dauerhaft erhalten bleibt?
Ein kooperatives Spiel für 4 Personen ab 12 Jahren.
Im kooperativen Spiel „Stadt/4“ (gesprochen „Stadtviertel“) geht es darum, gemeinsam eine Stadt zu bauen. Dabei ist der Titel auch Programm: Die Stadt setzt sich aus vier verschiedenen Vierteln zusammen, die jeweils einer Person zugeordnet werden. Nun müssen die Spielenden geschickt ihre Ressourcen in der Stadt platzieren, um gemeinsam ihre Missionen zu erfüllen. Wird genügend Strom für die Häuser generiert? Und ist genug Wasser da, um die Stadt zu versorgen? Nur wenn alle zusammenarbeiten und die gemeinsamen Ressourcen gut verteilen, kann das Spiel gewonnen werden.
Ein kooperatives Spiel für 2-4 Personen ab 8 Jahren.
Beim Kinderspiel mit dem Arbeitstitel „Der Weg der Tiere“ spielen die Kinder eine Gruppe von Tieren, die aus der Gefangenschaft der Menschen geflohen sind. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in die Freiheit.
Auf diesem Weg müssen die Kinder gemeinsam entscheiden, welche Route sie wählen und wie sie die ihnen gestellten Aufgaben lösen. Sie müssen dabei aufeinander achtgeben und sich gemeinsam gut abstimmen, um sicher ans Ziel zu kommen, denn der Mensch ist ihnen dicht auf den Fersen, um die Tiere wieder einzusperren.
In Island entwickelte sich mit dem Althing bereits ab circa 930 nach Christus eine Art Volks- und Gerichtsversammlung, bei der gesellschaftliche Fragen verhandelt wurden. „Althing“ versetzt uns in diese vergangene Welt: Es geht um Austausch, Beziehung und Entscheidungen und wie sich alles durch ein Gespräch ändern kann.
Ein kartenbasiertes Erzählrollenspiel für 2-6 Menschen ab 14 Jahren.
Im asymmetrischen Brettspiel „Grimmsprech“ tritt ein Dreierteam gemeinsam gegen eine einzelne Person an: die Obrigkeit, die im Spiel durch den Beamten vertreten wird. Das Dreierteam versucht, geheime Missionen zu erfüllen, während die Obrigkeit durch Sprache, Propaganda und Zeitdruck die Bewegungsfreiheit einschränkt.
Sprache ist Macht: Wer sich bewegen will, muss die Obrigkeit korrekt und regelkonform ansprechen.
Bei „Alle an Deck!“ sind die Spielenden Passagiere an Bord eines sinkenden Schiffs. Nur, wenn alle Passagiere das Rettungsboot erreichen, können sie dem sicheren Ertrinkungstod entrinnen.
Da keiner der Passagiere das Rettungsboot alleine steuern kann, müssen die Passagiere sich gegenseitig unterstützen, damit auf dem Weg niemand untergeht. Denn ohne einander geht es nicht!
In „Offen zur Debatte“ werden zwei Personen dafür ausgewählt, anhand einer Leitfrage zu diskutieren. Der Clou: beide bekommen typische unehrliche Argumentationsmuster wie das Strohmannargument oder den Roten Hering, die sie in der Debatte anwenden sollen. Alle restlichen Personen beobachten und sollen diese Muster erkennen.
Ein lebhaftes Argumentationsspiel für 4 oder mehr Personen ab 12 Jahren.
Bei „Reichstag – Dem Deutschen Volke“ geht es um den Weg zur Macht in der parlamentarischen Demokratie. Jede Person steuert die Geschicke einer politischen Partei. Ziel ist es, die Mehrheit im Bundestag zu stellen. Die Besonderheit: jede Partei hat nicht nur ein individuell gestaltbares Parteiprogramm, sondern nebenbei eine geheime Agenda, deren Erfüllung ebenfalls zum Sieg führen kann.
Zusammen mit der Möglichkeit, flüchtige Bündnisse zu schließen, macht dies das Spiel zu einer kniffligen diplomatischen Herausforderung, bei der es gilt, die Agenda der Mitspielenden treffsicher zu erraten.
Wenn die Politik etwas zu entscheiden hat, muss sie meist Abwägen zwischen mehreren Zielen. Nicht einfach ist es für die Demokratie, dabei alle zufrieden zu stellen. „Ammelid“ versetzt uns in ein von Entbehrungen geprägtes Endzeitszenario und versetzt die Spielenden immer wieder in Entscheidungsdillemata, aus denen sie nur gemeinsam als Gruppe herausfinden können.
Ein kooperatives Spiel für 3 oder mehr Personen.
Was entspricht der Wahrheit, was nicht? In „F*** Fake Facts“ gilt es, Fakten zu erkennen und Desinformation zu entlarven. Ziel ist es, die Medienkompetenz zu stärken, ohne eine allgemeine Medienskepsis zu befeuern.
Ein kniffliges Täuschungs- und Ratespiel für 3-6 Personen ab 12 Jahren.
„Kollektiv Leuchtfeuer“ spielt in einer Zeit, in der die Menschheit sich in Kollektiven zusammengefunden hat. Die Spielenden bilden eine Gruppe, die einen neuen Stützpunkt ausbauen soll. Das Ziel ist, ein zufriedenes Dorf zu schaffen und dabei selbst mental nicht auf der Strecke zu bleiben.
Ein kooperatives Spiel für 2-6 Personen ab 10 Jahren.
„Fussel auf der Flucht“ ist ein familienfreundliches Strategiespiel, bei dem 16 unterschiedliche Fussel auf der Flucht vor dem Staubsauger sind und versuchen, sich rechtzeitig unter's Sofa zu retten. Der besondere Clou ist die sich ständig ändernde „Fussel Füsik“, die die Laufregeln festlegt. Über diese Bewegungsregeln stimmen die Spielenden in jeder Runde demokratisch ab. Alle dürfen neue „Füsikregeln“ vorschlagen und manchmal noch wichtiger: bestehende Regeln ablösen.
Nur bei einer erreichten Mehrheit wird eine neue Bewegungsregel festgelegt. Aber Vorsicht: bei Gleichstand rückt der Staubsauger vor! Sich oft zu enthalten oder immer gegen Veränderungen zu stimmen, kann also gefährlich werden.