Das Lokaljournalistenprogramm
In den frühen 1970er-Jahren genießt der Lokaljournalismus innerhalb der Branchen wenig Ansehen. Weiterbildung ist ein Fremdwort, es fehlen Angebote, ebenso wie die Bereitschaft sich fortzubilden. Und das in einer Zeit, in der die Tageszeitung auf lokaler Ebene frei von Konkurrenz war. Zeitgleich entbrennt eine gesellschaftliche Debatte über journalistische Qualitätsstandards. 1971 formuliert eine Kommission des Deutschen Presserates ein Memorandum: Darin fordert sie, Ausbildungsangebote zu entwickeln und Fortbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb initiiert daraufhin das Projekt „Lokaljournalismus und kommunale Öffentlichkeit“ – ein Weiterbildungsprogramm speziell für Lokalredakteurinnen und -redakteure.
Andere mögen heute nachgezogen haben – das Urheberrecht dafür liegt jedoch bei der bpb in Bonn. Dahinter steckte eine ganz einfache Philosophie: Alles, was die Qualität der Tageszeitung im weiten Bereich der Politikberichterstattung fördert, dient der politischen Bildung. Warum? Weil die Demokratie informierte, orientierte und handlungsbereite Bürgerinnen und Bürger braucht. Je besser die Tageszeitung ist, desto besser kann die Demokratie „funktionieren“. Das Fundament dafür ist ein guter und unabhängiger Journalismus.
Partner aus der Praxis
Oberstes Prinzip aller Aktivitäten: Die bpb organisiert Hilfe zur Selbsthilfe. Berater und Partner sind die Kolleginnen und Kollegen selbst. Dazu gehört vor allem das Projektteam Lokaljournalisten (PLJ), das sich aus engagierten Mitgliedern aus Lokal- und Chefredaktionen und der Wissenschaft zusammensetzt und das Lokaljournalistenprogramm auf Praxistauglichkeit „abklopft“.
Neben dem PLJ gibt es Kooperationen mit Journalistenschulen, den Journalistengewerkschaften und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Dazu werden die Lokalredakteurinnen und -redakteure bei der Gestaltung der Seminare eingebunden und übernehmen auch deren Leitung. Die Teilnehmenden der Redaktionskonferenzen und Workshops bringen außerdem selbst Anregungen und Ideen ein.
Vielfältiges Angebot
Im Laufe der Zeit entstand ein sehr aktives Weiterbildungsprogramm, das Redaktionskonferenzen, (Online)-Workshops, Handbücher, Pressedienste und Publikationen anbietet. Inzwischen haben mehr als 20.000 Redakteurinnen und Redakteure an den Seminaren des Lokaljournalistenprogramms teilgenommen. „Der Vorteil der Bundeszentrale für politische Bildung ist,“, argumentiert Anke Vehmeier, „dass sie überparteilich arbeitet und somit außerhalb des Interessenkonflikts zwischen Journalisten und Verlegern steht.“ Das System der Weiterbildung funktioniert im Verbund: Seminare, Buchreihen und Servicedienste stehen nicht für sich allein, sondern sind aufeinander bezogen.
Einmal im Jahr veranstaltet das Lokaljournalistenprogramm das Forum Lokaljournalismus. Bei dieser hochkarätig besetzten Veranstaltung kommen die engagiertesten Chefredakteurinnen und -redakteure aus der ganzen Republik mit Menschen aus der Wissenschaft, dem Verlagswesen und der Aus- und Weiterbildung zusammen.
Ein weiterer wichtiger Partner des Lokaljournalistenprogramms ist die drehscheibe, der Pressedienst für Lokalredaktionen. Dieser wird vom Projektteam Lokaljournalisten (PLJ) herausgegeben. Die drehscheibe sammelt Best-Practice-Beispiele aus der Praxis der Lokalredaktionen in ganz Deutschland. Neben dem Pressedienst steht auch eine umfangreiche Datenbank mit Konzepten für den Qualitätsjournalismus zur Verfügung.