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Askese, Disziplin und Kampf

Askese, Disziplin und Kampf Körper- und Selbstbeherrschung als Thema für politische Bildung und Radikalisierungsprävention

Datum der Veranstaltung 21.08. – 23.08.2022
Ort der Veranstaltung Hofgeismar
Download-Link: Termin herunterladen

Über die Veranstaltung

!!! Leider muss die Veranstaltung ins kommende Jahr verschoben werden (vrsl. April 2023). Weitere Informationen zu Termin und Programm finden Sie hier ab Herbst 2022 !!!

Der erwachsene Blick auf junge Zielgruppen, ihre Interessen und Lebenswelten ist selten vorurteilsfrei oder ungefärbt. Gespeist aus der eigenen biographischen Erfahrung oder aus Ressentiments gegenüber der "Jugend von heute" dominiert das Bild materialistisch-hedonistischer Jugendlicher die öffentliche Wahrnehmung und lässt Milieus und Individuen, die eher spirituell oder asketisch eingestellt sind, in den Hintergrund treten. Anders ist es im Rahmen der Auseinandersetzung mit anti-pluralistischen Ideologien und Radikalisierungsprozessen: Hier ist ein Bewusstsein für die Bedeutung von "Askese, Disziplin und Kampf" in der Adoleszenzphase stärker verbreitet – häufig jedoch nicht ohne persönliche Verwunderung, wie es Aladin El-Mafaalani mit Blick auf den Salafismus gut auf den Punkt bringt: "Strenge Kleiderordnung, reglementierte Sexualität und Konsumverzicht – in unserer Vorstellung muss das reines Gift für eine Jugendbewegung sein."

Selbstdisziplin und die "eigentlichen Interessen" Jugendlicher werden dann häufig als Antagonismen gefasst. Und tatsächlich sind es bisweilen der Alkohol, die Playstation oder – idealerweise – die Freunde und Freundinnen, die eine Abkehr von strikten Ideologien unterstützen und deradikalisierend wirken. Doch anti-pluralistische Ideologien sind nicht (nur) trotz ihrer Rigidität attraktiv. Strenge Regeln und klare Rollen machen oft gerade ihren Reiz aus. Askese hat Suchtpotential. Selbstdiziplinierung und Selbstoptimierung versprechen längst nicht nur an den gesellschaftlichen Rändern Anerkennung. Und in der Ablehnung von Hedonismus treffen sich die Narrative unterschiedlichster anti-emanzipatorischer Ideologien.

Das Interesse vieler junger Menschen an Körper- und Selbstbeherrschung zeigt sich eindrücklich unter anderem an der Beliebtheit von Kampfsport. Die Kampfsportszene ist für junge Menschen mit den verschiedensten Hintergründen attraktiv und liefert damit natürlich auch Anknüpfungspunkte für eine niedrigschwellige und lebensweltorientierte politische Bildung. Nicht überall werden jedoch die körperlichen Fähigkeiten zusammen mit einer friedfertigen Haltung und demokratischen Gesellschafts- und Geschlechterbilder vermittelt und nicht alle nutzen den Sport allein für körperliche Ertüchtigung und Selbstverteidigung. Darüber hinaus haben die Hoffnung auf einen Vorteil im "Kampf um die Straße" und auf ein ertragreiches Rekrutierungsfeld das Interesse rechtsextremistischer Bewegungen am Kampfsport geweckt. Teilweise hat dies zu einer erfolgreichen Unterwanderung eines Teils der Kampfsportszene geführt, die dem Rechtsextremismus neben Rekrutierungsmöglichkeiten auch Einnahmequellen bietet.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die dreitägige bpb-Tagung in Vorträgen, Workshops und Vernetzungsformaten den Themen Jugendmilieus, Askese, Konsumkritik und Kampfsport. Die Veranstaltung findet in Hofgeismar bei Kassel statt und ist kostenfrei. Mit Blick auf Inklusivität, Diversität und Nachhaltigkeit wird es ein Awareness-Team und die Möglichkeit zur Nutzung einer kostenfreien Kinderbetreuung geben. Reisekosten werden nicht übernommen.

Hinweise zur Veranstaltung

Veranstaltungsadresse:
Evangelische Tagungsstätte Hofgeismar
Gesundbrunnen 8
34369 Hofgeismar

Veranstalter:
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Kontakt:
Frank Schellenberg
E-Mail: E-Mail Link: frank.schellenberg@bpb.de
Tel.: 0228-99515343

Zielgruppe:
Beschäftigte und Aktive in der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit sowie in Wissenschaft und Verwaltung

Pressekontakt:
Journalistinnen und Journalisten wenden sich bitte an die Pressestelle.

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