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Emergency Response Rooms - Zwischen Mutual Aid und transnationaler humanitärer Hilfe
Über die Veranstaltung
Das sudanesische Modell der Emergency Response Rooms ist ein Netzwerk basisorganisierter Community-Strukturen, welches während des aktuellen Krieges im Sudan zentrale Aufgaben der zivilen Versorgung übernommen hat, darunter Lebensmittelverteilung, medizinische Hilfe und Evakuierungen.
Ausgehend von diesem Beispiel, werden unterschiedliche Perspektiven auf humanitäre Hilfe beleuchtet und diskutiert. Die Veranstaltung verbindet eine politische und analytische Einordnung der humanitären Lage im Sudan mit einer breiteren Debatte über die Struktur internationaler Hilfsarchitekturen. Dabei wird insbesondere ein multiperspektivischer Blick auf klassische Logiken humanitärer Hilfe geworfen und ein spezifisches Augenmerk auf Potenziale und Herausforderungen solidaritätsorientierter Ansätze gelegt.
Emergency Response Rooms (ERR) dienen hier als Ausgangspunkt für eine vertiefte Auseinandersetzung mit communitybasierten und solidaritätsorientierten Formen von Unterstützungsstrukturen. Im Rahmen der Veranstaltung sollen – insbesondere mit Blick auf aktuelle geopolitische Entwicklungen – Diskurse zu humanitärer Hilfe und die mediale Präsenz internationaler Hilfsorganisationen hierzu ins Verhältnis gesetzt sowie Spannungsverhältnisse und kritische Perspektiven hierauf untersucht und besprochen werden.
Neben der Präsentation der ERR als ein Beispiel für communitybasierte Unterstützungsstrukturen werden, hieran anknüpfend, folgende Fragen im Laufe des Abends thematisiert und gemeinsam bearbeitet:
Welche Perspektiven eröffnen communitybasierte Unterstützungsstrukturen wie die der ERR mit Blick auf transnationale Praktiken der Solidarität?
Wie stehen solche Netzwerke im Verhältnis zu institutionalisierter humanitärer Hilfe?
Inwiefern können dominante mediale und politische Rahmungen humanitärer Hilfe zur Entpolitisierung von Konflikten, Kriegen und staatlicher Gewalt beitragen, indem strukturelle und geopolitische Verantwortlichkeiten zugunsten individualisierter Narrative von Bedürftigkeit und Handlungsohnmacht in den Hintergrund treten?
Wie verhalten sich hierbei Macht, Solidarität und Empathie zueinander?
Die Referierenden
Radwa Khaled Ibrahim
Radwa Khaled Ibrahim ist Referentin für kritische Hilfe bei der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation „medico international“ sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin am Institut für Politikwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt; Schwerpunkt globaler Süden mit besonderer Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse. Während der zunehmenden gravierenden globalen Verschiebungen interveniert Radwa durch kritische Kommentare und/oder Analysen über ihre Seite auf dem medico-Blog oder in Print- und Audiomedien zu aktuellen Ereignissen. Ihre letzten Interventionen waren vor allem zu der Situation in Gaza, die Proteste in Kenia und die politische Deutung der de-facto Abschaffung von USAID und der Verschiebungen in der Deutschen Außen- und Entwicklungspolitik.
Sara Abbas
Sara Abbas arbeitet und forscht zu den Themen Gender, Staat und soziale Bewegungen, wobei ihr Fokus auf dem Sudan liegt. Seit April 2023 konzentriert sie sich darauf, feministische Gruppen und Mutual Aid-Netzwerke dabei zu unterstützen, sich in ihrem Kampf gegen den Krieg und für das Überleben ihrer Communities zu stärken. Zu ihren Veröffentlichungen über den Sudan in den vergangenen Jahren gehören ein Beitrag zu „Diversity on Common Ground: Ten Perspectives on Modern Feminism“ sowie der Essay „The Weight of Feelings: Khartoum’s Revolutionary Moment“. Sara Abbas ist Stipendiatin von Decolonize Now! und arbeitet an einem Projekt mit, das feministische Narrative gegen den Krieg dokumentiert und untersucht, wie diese angesichts katastrophaler, orchestrierter Gewalt entstehen, Bestand haben und sich erneuern.
Samah Khalaf Allah
Samah Khalaf Allah ist eine sudanesische Menschenrechtsaktivistin, die zu den Themen Gendergerechtigkeit sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit forscht und arbeitet. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Community Health Management von der Ahfad University for Women (2013) in Omdurman, Sudan, und einen Master-Abschluss in Gender, Development, and Peace vom Regional Institute of Gender, Diversity, Peace and Rights (2020) in Omdurman, Sudan. Derzeit ist sie Doktorandin an der Universität Bayreuth.
Ruham Hawash
Ruham Hawash ist Aktivist*in und Community-Organizer*in in sozialen Bewegungen in Palästina, Syrien und darüber hinaus. Hawashs Ausbildung umfasst einen B.Sc. in Volkswirtschaftslehre, einen M.Sc. in Finanzwesen und einen M.A. in Frieden und Sicherheit. Seit August 2025 arbeitet Hawash im Bereich Völkerstraftaten und rechtliche Verantwortung des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) daran, Menschenrechtsprinzipien voranzubringen und zur Übergangsjustiz in und für Syrien beizutragen.
Nerges Azizi
Dr. Nerges Azizi promovierte in Rechtswissenschaften an der Birkbeck, University of London. In ihrer Forschung analysiert sie die aktuelle Lage im Kampf um die Rechte von Migrant*innen und konzentriert sich dabei auf die Rolle rechtlicher Maßnahmen gegen Zurückweisungen im Mittelmeerraum. Derzeit arbeitet sie im Programm „International Crimes and Accountability“ am Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) und ist Mitglied des Vorstands des Afghanistan Research Hub an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuvor war sie als Rechtsberaterin im Programm „Border Justice“ am ECCHR, als Carlo-Schmid-Stipendiatin im Ethikbüro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf sowie unter anderem als Dozentin an der Freien Universität Berlin und der Philipps-Universität Marburg tätig.
Luna Ali
Luna Ali studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim sowie Anthropologie an der Universität Leipzig. Sie arbeitete als freischaffende Performerin und Autorin an Theatern in Düsseldorf, Dortmund, Hannover und Berlin. 2024 erschien ihr Debütroman „Da waren Tage“ im S. Fischer Verlag, der sich mit der Erinnerung an die Syrische Revolution beschäftigt. Sie engagierte sie sich für Watch the Med Alarm Phone und arbeitet derzeit bei Sea-Watch.
Hinweise zur Veranstaltung
Veranstaltungsadresse:
Publix
Hermannstraße 90
12051 Berlin
Veranstalter:
Bundeszentrale für politische Bildung
Anfahrtsbeschreibung:
U8, S41, S42, S46 und S47 Hermannstraße. Weitere Informationen zur Anfahrt finden Sie Externer Link: hier.
Anmeldung:
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Eine Simultanübersetzung ins Deutsche wird angeboten.
Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich. Eine barrierefreie Toilette ist vorhanden.