Der "Parthenon" (Tempel der Göttin Athene) auf der Akropolis in der griechischen Hauptstadt Athen am 24.10.2006. Die Akropolis von Athen wurde 1987 von der UNESCO als Kulturdenkmal in die Welterbe-Liste aufgenommen. Foto: Horst Ossinger +++(c) dpa - Report+++
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23.8.2012 | Von:
Loukas Lymperopoulos

Kurze Geschichte Neugriechenlands

Zweiter Weltkrieg

Der italienische Faschist Benito Mussolini betrachtete den südosteuropäischen Raum als sein Einflussgebiet.[3] Im Frühjahr 1939 besetzte er Albanien; zur selben Zeit garantierten Großbritannien und Frankreich die Unabhängigkeit von einigen europäischen Staaten (darunter Griechenland). Da Mussolini wusste, dass Italien auf einen Krieg mit Großbritannien nicht vorbereitet war, blieb Italien bis kurz vor Ende des deutschen Frankreich-Feldzuges 1940 neutral und überfiel Griechenland schließlich am 28. Oktober 1940. Damit begann für Griechenland der Zweite Weltkrieg. Entgegen allen Einschätzungen konnte das griechische Heer den Angriff abwehren und die italienischen Streitkräfte nach Albanien zurückdrängen. Für Hitler, der zu dieser Zeit bereits den Krieg gegen die Sowjetunion plante, entstand eine neue Situation: Die Briten konnten nun von Griechenland aus die Ölfelder in Rumänien bombardieren und den deutschen Vormarsch bedrohen. Daher beschloss er, Griechenland anzugreifen.

Im April 1941 marschierte die Wehrmacht in Griechenland ein. Im Mai erfolgte die Besetzung Kretas durch Fallschirm- und Gebirgsjäger der Wehrmacht. Der griechische König und die Regierung flohen zuerst nach Ägypten und später nach London, wo sich die griechische Exilregierung in den darauffolgenden Jahren aufhielt. Griechenland wurde in drei Besatzungszonen aufgeteilt: Italien besetzte den größten Teil Griechenlands, Bulgarien als Satellitenstaat der Nationalsozialisten Nordostgriechenland und die Wehrmacht einige wenige strategisch wichtige Gebiete. Der erste Winter (1941/1942) war für die Bevölkerung besonders hart; Schätzungen zufolge sollen bis zu 95.000 Menschen erfroren und verhungert sein.

Innerhalb der griechischen Gesellschaft organisierte sich Widerstand, der ausschließlich republikanisch orientiert war. Im Wesentlichen gab es zwei große Widerstandsgruppen: Die EAM (Nationale Befreiungsfront) war links gerichtet und ein Sammelbecken von Kommunisten, Sozialisten, Liberalen, Republikanern und Gewerkschaftlern. Sie hatte versucht, eine Basisdemokratie einzuführen, und investierte in den Aufbau von Strukturen in den Bereichen Bildung, Kultur und Gerichtsbarkeit. Gleichzeitig versuchte sie, den Widerstand zu monopolisieren, indem sie beispielsweise andere, ebenfalls republikanisch ausgerichtete Widerstandsgruppen wie die EKKA (Nationale und Soziale Befreiung) liquidierte. Der militärische Arm der EAM war die ELAS (Volksbefreiungsarmee).

Die zweite große Widerstandsgruppe war die EDES (Nationale Republikanische Liga), die anfangs zwar auch republikanisch ausgerichtet war, später aber unter britischem Einfluss royalistisch wurde. Gegen den Versuch der EAM, den Widerstand zu monopolisieren, wehrte sich die EDES, indem sie im Winter 1943 einen Nichtangriffspakt mit der Wehrmacht schloss, der bis Frühsommer 1944 eingehalten wurde. Der militärische Zusammenstoß zwischen EDES und ELAS im Winter 1943 war gewissermaßen die erste Runde des bevorstehenden innergriechischen Bürgerkrieges.

Bis etwa September 1943 richteten sich die Angriffe der Partisanen primär gegen die italienische Besatzungsmacht. Nach der italienischen Kapitulation im Sommer 1943 übernahm die Wehrmacht die Kontrolle über die bislang italienisch besetzten Gebiete. Das folgende Jahr war geprägt von Angriffen der ELAS auf die Besatzungsmacht. Repressalien und Gräueltaten der Wehrmacht und der SS gegen die griechische Bevölkerung bestimmten den Alltag. Es gab Tausende Todesopfer. 81 Prozent der griechischen Juden wurden in Vernichtungslagern in Polen ermordet.

Im März 1944 wurden von der EAM in den von ihr kontrollierten Gebieten freie Wahlen organisiert. Daraus ging die PEEA (Nationales Komitee der Nationalen Befreiung) hervor, welche die Interessen des linken Widerstandes vertrat. Da abzusehen war, dass der Zweite Weltkrieg bald zu Ende sein würde, wurden Pläne für die Nachkriegszeit geschmiedet. Großbritannien hatte bereits während der Besatzungszeit britische Offiziere nach Griechenland geschickt – offiziell um den Widerstand zu koordinieren, inoffiziell aber, um ihn zu kontrollieren. Im Frühjahr 1944 trafen sich alle Vertreter des griechischen politischen Spektrums, auch der Widerstandsbewegungen, im Libanon und beschlossen, nach dem Abzug der Wehrmacht eine Übergangsregierung zu bilden und danach freie Wahlen abzuhalten. Bei den Verhandlungen erwies sich der probritische Politiker Giorgos Papandreou als besonders geschickter Taktiker, weshalb er wenig später Ministerpräsident der Übergangsregierung wurde.

Britische Intervention im Dezember 1944

Churchill hatte die Entwicklung in Griechenland genau verfolgt. Da er Griechenland als wichtiges Glied zur Sicherung des Seewegs nach Indien betrachtete, musste das Land auch nach dem Krieg im britischen Einflussbereich gehalten werden. Dazu war in seinen Augen die Restauration der Monarchie notwendig. Er wusste, dass der Widerstand gegen die Nationalsozialisten republikanisch orientiert war und sich dagegen wehren würde. Daher bereitete er seit Sommer 1943 eine bewaffnete Intervention vor. Um einer Konfrontation mit Stalin aus dem Weg zu gehen, schloss er im Oktober 1944 das berüchtigte Prozentabkommen ab, das ihm freie Hand in Griechenland gab. Im Gegenzug bekam Stalin entsprechenden Einfluss in den osteuropäischen Ländern.

Im Oktober 1944 zog sich die Wehrmacht aus Griechenland zurück. Die Übergangsregierung kehrte zurück und übernahm die Regierungsarbeit. Bald kam es zu Meinungsverschiedenheiten über die Entwaffnung der Partisanenverbände. Die Linke war zwar kompromissbereit, bestand aber auf einer gleichzeitigen Entwaffnung aller bewaffneten Einheiten. Als einige Minister der Linken den Fehler machten, zurückzutreten, ging die Initiative auf die griechische Rechte über, wodurch sie de facto freie Hand hatte. Als am 3. Dezember die Athener Polizei eine unbewaffnete Demonstration blutig auflöste, begann der Bürgerkrieg, der etwa einen Monat dauerte. Das war die zweite Runde des Bürgerkrieges.

Nach wenigen Tagen mischten sich auch britische Soldaten in die Kämpfe ein. Das Ziel war die Zerschlagung der linken Résistance. Im Februar 1945 wurde in dem Athener Vorort Varkiza ein Friedensabkommen zwischen den beiden Lagern unterschrieben. Es sah die Entwaffnung aller, eine Amnestie und freie Wahlen vor. Wäre dieses Abkommen eingehalten worden, wäre Griechenland viel Elend erspart geblieben. Doch die Zeit danach war vom sogenannten weißen Terror geprägt: Das royalistische Lager übernahm die Staatsmacht – die Royalisten waren vor allem bei der Polizei, der Gendarmerie, dem Militär und in der Politik vertreten – und machte Jagd auf Linke, Liberale, Republikaner und ehemalige Widerstandskämpfer. Andersdenkende wurden verfolgt.

Fußnoten

3.
Vgl. Hagen Fleischer, Im Kreuzschatten der Mächte, Bd. 1 und 2, Frankfurt/M. 1986; Heinz A. Richter, Griechenland im Zweiten Weltkrieg, Ruhpolding 20112.