Flagge von Kroatien

16.4.2013 | Von:
Ludwig Steindorff

Ein kurzer Gang durch die Geschichte Kroatiens

Ein zerrissenes Land: Kroatien im Zweiten Weltkrieg

Im Anschluss an den von Prinz Pavle akzeptierten Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt am 25. März 1941 kam es in Belgrad zu einem Putsch. Die Weigerung der neuen Regierung, den Beitrittsvertrag in Kraft zu setzen, war für Hitler der Anlass, im Bündnis mit Italien den Angriff auf Jugoslawien am 6. April zu befehlen. Schon nach elf Tagen wurde der Waffenstillstand geschlossen, der junge König Petar II. und die Regierung waren bereits auf dem Weg ins Exil.

In Zagreb proklamierte Slavko Kvaternik, ein Vertrauter von Ante Pavelić, am 10. April den "Unabhängigen Staat Kroatien" (USK). Pavelić selbst traf erst am 15. April aus seinem italienischen Exil ein. Der neue Staat, der auch Bosnien-Herzegowina umfasste, musste Norddalmatien an Italien abtreten und war in eine deutsche und italienische Besatzungszone aufgeteilt. Kroaten stellten neben Serben, Bosniaken und anderen nur gut die Hälfte der Bevölkerung. Der USK wies viele Gemeinsamkeiten mit dem nationalsozialistischen Deutschland auf und ignorierte Rechtsstaatlichkeit. Die meisten jüdischen Einwohner wurden Opfer des Holocaust. Zur Politik gegenüber den Serben gehörten nebeneinander Vernichtung und Vertreibung wie auch die "Integrationsangebote", sich als Katholiken oder als orthodoxe Kroaten zu bekennen. Im Konzentrationslager Jasenovac kamen nach aktuellen Forschungsergebnissen etwa 85.000 Menschen ums Leben.

Der bewaffnete Widerstand gegen den USK entwickelte sich von zwei Seiten: den serbischen Tschetniks – aus četa, "Schar" – und der Partisanenbewegung. Die kommunistische Führung der Partisanenbewegung strebte danach, möglichst weite Bevölkerungsschichten für sich zu gewinnen. Ihre Stärke lag darin, dass sie anders als Ustascha oder Tschetniks keine nationale Intoleranz predigte und dadurch allen offenstand. Die überragende Persönlichkeit war Josip Broz Tito, um ihn entstand bald ein Personenkult. Am 29. November 1943 verkündete der "Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens" (AVNOJ) in Jajce in Bosnien die Wiedererrichtung Jugoslawiens als Föderation. Im AVNOJ arbeiteten auch einige Politiker der Bauernpartei mit; Maček selbst hielt sich im Abseits und emigrierte nach Kriegsende. Ab 1944 standen immer größere Gebiete Kroatiens unter Kontrolle der Partisanen, die aber erst am 8. Mai 1945 in Zagreb einzogen. Vielen Größen des USK gelang die Flucht.

Mit dem Sieg der Partisanen ist zugleich das düsterste Kapitel der kommunistischen Herrschaft in Kroatien und ganz Jugoslawien verbunden, nämlich die massenhafte Gewalt bei Kriegsende und in den Folgemonaten. Ein Strom von Ustascha-Mitgliedern, Soldaten und Zivilisten, nicht nur Kroaten, war nach Westen geflohen, um in die britische Zone Österreichs zu gelangen. Von den schubweise an die Partisanen Ausgelieferten wurden viele gleich im Grenzgebiet, bei Bleiburg, getötet, andere kamen auf dem "Kreuzweg" weiter ins Land zu Tode. Willkürjustiz war an der Tagesordnung. Schon 1944 hatte der AVNOJ die Enteignung und Aussiedlung fast aller 500.000 Deutschen in Jugoslawien beschlossen, unter ihnen etwa 100.000 auf dem Gebiet des heutigen Kroatiens. Soweit nicht vor Kriegsende geflohen, wurden sie in Lagern festgehalten und später großteils abgeschoben.

Im sozialistischen Jugoslawien

Die jugoslawischen Kommunisten gelangten weitestgehend ohne fremde Hilfe an die Macht. Nur widerwillig hatten sie im Juni 1944 ein Abkommen mit Vertretern der Exilregierung geschlossen. Doch bereits Ende 1945 waren die bürgerlichen Parteien als politische Faktoren ausgeschaltet. Das aus manipulierten Wahlen hervorgegangene Parlament proklamierte die Republik, und Jugoslawien erhielt Anfang 1946 eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild. Die Gliederung in sechs gleichberechtigte Teilrepubliken, darunter Kroatien, folgte zugleich Konzepten der bürgerlichen Opposition aus den 1930er Jahren.

Auch in Istrien war eine Partisanenbewegung entstanden, eine Versammlung in Pazin beschloss im September 1943 den Anschluss an Kroatien als Ziel. Die Pariser Friedenskonferenz 1946/1947 sprach Istrien zu großen Teilen Jugoslawien zu, nur aus dem Nordwesten wurde der Freistaat Triest gebildet. Er wurde 1954 aufgelöst, Triest selbst kam an Italien, die anderen Gebiete an Jugoslawien. Die heutige slowenisch-kroatische Grenze in Istrien geht auf die Festlegungen 1945 bzw. 1954 zurück.

Zum Aufbau des neuen Staats- und Gesellschaftssystems durch die Kommunisten gehörten die Nationalisierung von Großgrundbesitz, Industrie und Handel und die Schikane der Religionsgemeinschaften, in Kroatien war vor allem die katholischen Kirche betroffen.

Die sowjetisch-jugoslawischen Beziehungen kühlten sich trotz der Ähnlichkeiten der politischen Systeme bald ab. Die Sowjetunion warf Jugoslawien Eigenmächtigkeit vor, dieses sah sich bevormundet und benachteiligt. Als die jugoslawischen Kommunisten ablehnten, sich auf einem Treffen des Kominform, des "Kommunistischen Informationsbüros", in Bukarest dem Urteil der anderen Parteien zu stellen, wurden sie im Juni 1948 ausgeschlossen. Der Bruch mit der Sowjetunion führte zu Säuberungen innerhalb der Kommunistischen Partei Jugoslawiens. Unter dem Vorwurf, Kominform-Anhänger zu sein, kamen Hunderte in Straflager, darunter auf die Gefängnisinsel Goli otok. Ein prominentes Opfer der Säuberungen war der kroatische Kommunist Andrija Hebrang, dessen Entmachtung schon 1946 begonnen hatte. Er wurde 1949 im Gefängnis getötet. Nach 1990 wurden viele Plätze und Straßen in Kroatien nach ihm benannt.

In den Jahren nach 1948 näherte sich Jugoslawien außenpolitisch dem Westen an. Erst nach dem Tod Stalins 1953 verbesserte sich das Verhältnis zur UdSSR wieder. Jugoslawien gewann eine führende Rolle in der 1961 etablierten Blockfreienbewegung. In Anknüpfung an diese Tradition hat Kroatien dort noch heute einen Beobachterstatus.

Mit der Einrichtung der Arbeiterselbstverwaltung 1950 begann die Abgrenzung vom sowjetischen Modell des "demokratischen Zentralismus". Die Kollektivierung der Landwirtschaft, die man nach 1948 forciert hatte, wurde 1953 gestoppt. Die bestehenden Kollektivwirtschaften konnten sich wieder auflösen. Die Begrenzung der Hofgröße erwies sich jedoch in den folgenden Jahrzehnten als Bremse der Agrarmodernisierung. Das Modell des Selbstverwaltungssozialismus, das sich bis Ende der 1960er Jahre ausformte, zielte auf Zurückdrängung des Staates. Betriebe in "gesellschaftlichem Eigentum" verfügten über weite Entscheidungsfreiheit. Die Preisbildung erfolgte teils über Marktmechanismen. Es gab zudem einen großen Sektor an Privatbetrieben in Handwerk und Dienstleistungen. Offene Grenzen seit Ende der sechziger Jahre ermöglichten die Arbeitsemigration und die Entfaltung des Tourismus.

Die politische Dezentralisierung schwächte die Föderation gegenüber den Teilrepubliken. Nach der Verfassung von 1974 funktionierte Jugoslawien als Konföderation, die vom Konsens der Republiken abhing. Klammern für den Gesamtstaat waren die Person Titos, die Ideologie, die Armee und der relative Wohlstand.

In den Jahren 1967 bis 1971 entfaltete sich die soziale Bewegung des "Kroatischen Frühlings". Themen waren die Benachteiligung der kroatischen Sprache, die Stellung der Kroaten in anderen Republiken und Wirtschaftsreformen. Der liberale Flügel innerhalb des Bundes der Kommunisten Kroatiens stand auf der Seite der Bewegung. Von einzelnen radikalen Positionen abgesehen, stellte die Bewegung das Staatsmodell Jugoslawiens nicht infrage, berief sich bei ihren Anliegen auf Tito selbst. Das "Triumvirat" der Reformpolitiker Savka Dabčević-Kučar, Pero Pirker und Mirko Tripalo geriet dabei allmählich von zwei Seiten unter Druck: den Gruppen, denen die Reformen nicht weit genug gingen, und den Kritikern in der Partei. Ein Studentenstreik im November 1971 gab schließlich den Anlass zu einem Machtwort von Tito: Am 30. November verurteilte er die Entwicklungen in Kroatien als Chauvinismus und Nationalismus. Die Reformpolitiker traten zurück. Gegen zahlreiche Akteure wurden Haftstrafen verhängt und es begann die Zeit des "Kroatischen Schweigens" bis in die späten 1980er Jahre.

Mit dem Tod Titos am 4. Mai 1980, den Unruhen bei den Kosovo-Albanern 1981 und der wirtschaftlichen Stagnation seit ungefähr 1980 begann die Staatskrise Jugoslawiens. Der neue serbische Parteichef Slobodan Milošević griff 1987 die Stimmung nationaler Mobilisierung in Serbien auf und wurde so zum Sympathieträger großer Teile der serbischen Öffentlichkeit. Mit der von ihm betriebenen Aufhebung der Autonomie des Kosovo im März 1989 zerbrach der Verfassungskonsens für den Gesamtstaat, und das Misstrauen der anderen Republiken gegenüber Serbien wuchs. Die Parteiorganisation für den Gesamtstaat zerfiel im Januar 1990, als die Delegationen Sloweniens und Kroatiens unter Protest den Parteitag in Belgrad verließen.

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