Monumentale Fußabdrücke auf der Schwelle eines Tempels.

21.7.2014 | Von:
Frank Kürschner-Pelkmann

Nachhaltige Wassernutzung

(Wasser-)Recht der Natur

Bei Berechnungen und Planungen zur Verfügbarkeit und Nutzung von Wasser wird oft vernachlässigt, dass es auch für Pflanzen und Tiere unverzichtbar ist. Wird zum Beispiel Flusswasser zu stark für menschliche Zwecke eingesetzt, trocknen Feuchtgebiete aus. Ein Beispiel dafür ist der nordamerikanische Grenzfluss, den die Mexikaner Río Bravo und die US-Amerikaner Rio Grande nennen. Beiderseits des Flusses und an den Zuflüssen hat die Bewässerungslandwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten einen gewaltigen Boom erlebt, was aber zur Folge hat, dass die Wassermenge im Fluss in den Sommermonaten dramatisch sinkt. Schon mehrfach hat der Fluss den Golf von Mexiko nicht mehr erreicht, sondern ist vorher versiegt.

Politisch und vor Gerichten streiten Bauernverbände und Regierungen auf beiden Flussseiten um das verbliebene Wasser. Die Tier- und Pflanzenwelt des Flusses und seiner Ufer hat in diesen Auseinandersetzungen keine starke Lobby. Das wirkt sich besonders im Flussdelta aus. Auf US-amerikanischer Seite werden ohnehin bereits 95 Prozent der früheren Feuchtgebiete des Deltas für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke oder als Siedlungsflächen genutzt. Nun versuchen Naturschutzorganisationen, die zersplitterten restlichen fünf Prozent vor dem Austrocknen zu bewahren. Sie setzen unter anderem Pumpen ein, um die Flächen feucht zu halten, aber das ist eher eine Notmaßnahme als ein nachhaltiger Schutz der verbliebenen Feuchtgebiete.

Ein positives Beispiel ist hingegen der Umgang von Angola, Namibia und Botswana mit dem Wasser des gemeinsamen Flusses Okavango. Er mündet in Botswana in ein etwa 20.000 Quadratkilometer großes Sumpfgebiet. Dieses Delta mitten in einer Wüste gehört mit etwa 1.300 Pflanzenarten und 30 Amphibien- und 445 Vogelspezies zu den ökologisch wertvollsten Regionen Afrikas. Zwar fließen jährlich zehn Milliarden Kubikmeter Wasser in das Feuchtgebiet, aber das hydrologische Gleichgewicht von Zufluss und Verdunstung/Versickern ist sehr sensibel. Botswana konnte die anderen Anrainerstaaten des Flusses überzeugen, dass die gegenwärtig ankommende Wassermenge unverzichtbar ist, um das Delta zu bewahren. Dabei ist zu bedenken, dass alle drei Länder unter Wasserknappheit leiden, der Verzicht auf die Nutzung des Okavangowassers also nicht leicht fällt. In der Permanent Okavango River Basin Commission wird gemeinsam darüber gewacht, dass die Nutzung des Flusswassers auf einen geringen Umfang begrenzt bleibt. Touristen aus aller Welt, die Flusspferde, Elefanten und Krokodile des Okavangodeltas hautnah erleben wollen, besuchen meist auch andere Ziele in der Region. Eine einzigartige Landschaft nicht austrocknen zu lassen, bringt also auch ökonomische Vorteile.

Folgen des Klimawandels

In vielen Teilen der Welt wird der globale Klimawandel die Wasserprobleme verschärfen. Klimaforscher(innen) gehen davon aus, dass Länder, die schon heute unter Wasserstress leiden, in Zukunft noch häufiger lang anhaltende Dürren zu erwarten haben. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist 2013 zum Ergebnis gekommen, dass selbst bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad Celsius zusätzlich zu der heute eine Milliarde Menschen weitere 500 Millionen Menschen einer gravierenden Wasserknappheit ausgesetzt wären. Stiege die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts ungebremst, wären noch einmal zusätzlich mindestens 500 Millionen Menschen von Wasserknappheit betroffen.[11] Dies gilt zum Beispiel für die westafrikanische Sahelregion südlich der Sahara.

Aber auch ein Zuviel an Wasser schafft Probleme. In Ländern wie Bangladesch nehmen Zahl und Heftigkeit von Starkregen, Taifunen und Stürmen ständig zu. Für Inseln und flache Küstenregionen werden die Gefahren dadurch verschärft, dass die Meeresspiegel steigen. Die Bewohner(innen) von flachen Atollen im Südpazifik müssen befürchten, dass ihre Heimat bald für immer im Ozean versinkt. Noch akuter ist für sie das Problem, dass die Süßwasserlinsen unter ihren Atollen durch die zeitweisen Überflutungen zu versalzen drohen. Ohne dieses Süßwasser ist aber kein Überleben für Pflanzen und Menschen möglich.

Die Erfahrungen, die die Menschen in der Karibik, in der Südsee und auf den Malediven mit den Folgen des Klimawandels bereits gemacht haben, erklären, warum die Regierungen dieser Inselstaaten bei UN-Klimakonferenzen so vehement für den Abschluss eines ambitionierten internationalen Klimaschutzabkommens eintreten. Diese Forderung wird von anderen Entwicklungsländern unterstützt, die ebenfalls schon heute unter Wasserknappheit leiden und denen von der Klimaforschung prognostiziert wird, dass die Niederschläge in Zukunft nicht nur weiter abnehmen, sondern auch im Jahresverlauf unvorhersehbarer eintreten werden.

Selbst im Falle einer sofortigen konsequenten Klimaschutzpolitik ist die globale Erwärmung bereits so weit vorangeschritten, dass die Folgen nicht mehr gänzlich gestoppt oder rückgängig gemacht werden können. Das erhöht die Dringlichkeit einer Vielzahl von Maßnahmen einer nachhaltigen Wassernutzung. Wo das Wasser knapper wird, ist es zum Beispiel unverzichtbar, die Leckagen der Leitungsnetze zu beseitigen. Ebenso muss die Wasserinfrastruktur wie Wasserwerke und Kläranlagen so ausgebaut werden, dass sie vermehrten Extremwetterereignissen standhält. Große Bedeutung hat es auch, den Wasserverbrauch der Landwirtschaft und der Industrie so zu begrenzen, dass der unverzichtbare Bedarf eines Landes auch bei sinkenden Niederschlägen gedeckt werden kann.

Perspektiven

Menschheit und Natur sollen auch in Zukunft über ausreichend sauberes Wasser verfügen – es zählt daher jeder Tropfen. Nur die Umsetzung umfassender Konzepte nachhaltiger Wassernutzung ist geeignet, die globalen, nationalen und regionalen Wasserprobleme zu lösen. Parallel zum sparsamen Umgang mit dem Wasser gilt es, die Schädigungen durch Schadstoffe aller Art auf ein Minimum zu reduzieren und die Verursacher für die entstehenden Kosten zur Reinigung von Grundwasser, Feuchtgebieten und anderen Gewässern heranzuziehen.

Gerade beim sorgsamen Umgang mit der Lebensgrundlage Wasser können sich die Initiativen einzelner Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Unternehmen und Regierungen ergänzen. Individuelle Bemühungen zum Wassersparen und zur Verminderung der Belastung des Wassers mit Schadstoffen (etwa durch Ökowaschmittel) bleiben der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, wenn nicht gleichzeitig umfassende politische und wirtschaftliche Konzepte zum sorgsamen Umgang mit dem Wasser verwirklicht werden. Umgekehrt bedarf die Durchsetzung einer nachhaltigen nationalen Wasserpolitik auch des überzeugenden persönlichen Umgangs mit der knappen Ressource. Es kommt auf jede Initiative zum sorgsamen Umgang mit der Lebensgrundlage Wasser an – von der Spartaste an der Toilettenspülung über den Schutz großer grenzüberschreitender Flusseinzugsgebiete bis hin zur Erhöhung der Wassereffizienz in der Wirtschaft.

Fußnoten

11.
Vgl. Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, 8.10.2013.
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