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16.12.2016 | Von:
Andreas Kötzing

Batman jagt Bin Laden. 9/11 und der Kampf gegen den Terror im Hollywood-Kino

Offene Wunde

Dass sich das amerikanische Mainstream-Kino in den vergangenen Jahren nur noch indirekt mit dem 11. September 2001 beschäftigt hat, verwundert kaum. Die bescheidene Resonanz des Publikums auf Filme wie "World Trade Center" oder "United 93" hat – ebenso wie die politische Ernüchterung über den Irak-Krieg und dessen Folgen – maßgeblich dazu beigetragen, dass seitdem kein Spielfilm mehr dezidiert zu den Terroranschlägen entstanden ist. Politische Kontroversen wie im Falle von "Zero Dark Thirty" unterstreichen zudem, mit welch harten Anfeindungen Regisseure leben müssen, wenn sie sich kritisch mit den Folgen des Terrors auseinandersetzen und keine einfachen Antworten liefern – auch diese Debatten dürften dazu beigetragen haben, dass sich insgesamt nur wenige Filme mit dem Themenkomplex beschäftigten. Umgekehrt zeigen die Beispiele der erwähnten Superhelden-Filme, dass sich die Folgen des Terrors als Subtext in diverse Hollywood-Produktionen eingeschrieben haben. Hierzu ließen sich noch zahlreiche weitere Beispiele anfügen. Gerade die Schattenseiten der US-amerikanischen Geheimdienstarbeit im Kampf gegen den Terror sind zuletzt in diversen Spielfilmen thematisiert worden, dabei interessanterweise auch wieder von Paul Greengrass ("Jason Bourne", USA 2016) und Oliver Stone ("Snowden", USA 2016) – den beiden Regisseuren, die sich als einzige bereits mit den Ereignissen von 9/11 auseinandergesetzt haben.

Eine Art paradigmatischen und künstlerisch anspruchsvollen US-Spielfilm über den 11. September 2001 wird es wahrscheinlich auch in naher Zukunft nicht geben. Er müsste einerseits dem Bedürfnis nach einer kollektiven Erinnerung an das traumatische Ereignis gerecht werden, andererseits aber auch eine selbstkritische Reflexion über die Folgen der Anschläge liefern, ohne sich in einem pathetischen Nationalismus zu erschöpfen.[19] Dafür ist es heute – 15 Jahre nach den Anschlägen – wohl noch zu früh.

Fußnoten

19.
An dem hohen Anspruch ist bei seiner Eröffnung 2014 auch das New Yorker Mahnmal für die Opfer der Anschläge auf das World Trade Center gemessen worden. Vgl. Jacob S. Eder, Trauer, Patriotismus und Entertainment. Das "National September 11 Memorial & Museum" in New York, in: Zeithistorische Forschungen 1/2016, S. 158–171.
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