APUZ Dossier Bild

26.5.2002 | Von:
Rainer Durth

Globalisierung und Wirtschaftswachstum

II. Handel und Wirtschaftsentwicklung aus einer moderneren Perspektive

Seit Beginn der achtziger Jahre wird versucht, auf diese offenen Fragen Antworten zu finden. Dabei hat sich ein neues, ergänzendes Theoriegebäude entwickelt, die so genannte neue oder endogene Außenhandelstheorie. Zunächst ging es dabei vor allem darum, auch unvollkommene Märkte analysieren und den Handel "gleicher Länder mit gleichen Produkten" erklären zu können. Mit parallelen Fortschritten bei der ökonomischen Erklärung von Wirtschaftswachstum insgesamt rückte jedoch die Frage immer weiter in den Vordergrund, welchen Beitrag die Aufnahme von Außenwirtschaftsbeziehungen - und, zu Ende gedacht, eben die Globalisierung - für den technologischen Fortschritt leistet, der als wesentliche Ursache von langfristigem Wirtschaftswachstum angesehen wird. Der Kern der Überlegungen lässt sich etwas vereinfacht wie folgt zusammenfassen: Technologischer Fortschritt entsteht, weil Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht in Forschung investieren. Wenn aus ihrer Forschung eine brauchbare Erfindung hervorgeht, sind die Unternehmen in Bezug auf ihre Erfindung zumindest eine zeitlang Monopolisten und können einen höheren Preis verlangen, der nicht nur ihre Forschungsinvestitionen deckt, sondern ihnen auch einen Gewinn erlaubt. Handel mit einem anderen Land oder sogar globalisierte Märkte vergrößern den Absatzmarkt für die Erfindung. Da auch bei einem größeren Absatzmarkt aber nicht mehr Forschungsinvestitionen anfallen, vergrößern Außenhandel bzw. Globalisierung die Gewinnmöglichkeiten für Unternehmen mit forschungsintensiven Produkten. Es wird infolgedessen mehr in Forschung investiert, der technologische Fortschritt beschleunigt sich, und ein höheres technologisches Niveau erlaubt wiederum ein größeres Wirtschaftswachstum in den beteiligten Ländern.

Außenhandel vergrößert also das Marktvolumen: Jedes Land kann sich auf die Produktion einiger weniger Produkte spezialisieren und ähnliche Produkte im Ausland kaufen: Bspw. werden Autos in Deutschland von VW oder Daimler produziert, deutsche Konsumenten kaufen aber gleichzeitig auch Autos von Renault aus Frankreich oder Toyota aus Japan. Infolge des intraindustriellen Handels können gleichzeitig die Produktvielfalt aufgrund der größeren Anbieterzahl gesteigert und die Kosten aufgrund der nun möglichen Massenproduktionsvorteile und des steigenden Wettbewerbs gesenkt werden. Die Richtung des Außenhandels innerhalb des Sektors der differenzierten Güter ist nicht determiniert. D. h., bei Aufnahme des Handels ist offen, welches Land wieviele und welche der differenzierten Güter selber herstellt und welche es aus dem Ausland importiert. Bestehende Handels- und Spezialisierungsmuster können unter diesen Bedingungen ohne detaillierte Kenntnisse der geschichtlichen Ereignisse, die zu den Mustern geführt haben, nicht mehr erklärt werden; internationale Wirtschaftsentwicklung ist in diesem Sinne pfadabhängig und wird durch Regierungshandeln beeinflussbar. Die Implikationen dieser Überlegungen gehen jedoch über die Erklärung intraindustriellen Handels weit hinaus, denn es zeigt sich schnell, dass eine umfassende Beurteilung von Außenhandel und wirtschaftlicher Globalisierung auch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Integration auf das technologische Wissen als wichtigste Grundlage langfristigen Wirtschaftswachstums berücksichtigen muss. Internationaler Handel wirkt hier auf Wissensbestände und -flüsse über folgende Mechanismen [7] : Er

- vergrößert die Absatzmärkte und erlaubt größere Forschungsinvestitionen;

- verstärkt den internationalen Wettbewerb zwischen Forschern;

- gewährt Zugang zu den im Ausland akkumulierten Wissensbeständen;

- wird die Relativpreise von Produktionsfaktoren ändern und Wanderungen z. B. von hoch qualifizierten Arbeitskräften zwischen Industrie und Forschungslabors verursachen.

Anders als in der oben diskutierten traditionellen Außenhandelstheorie sind Außenwirtschaftsbeziehungen nun jedoch nicht mehr für alle beteiligten Länder von vornherein vorteilhaft. Ob und wie ein Land profititiert, hängt entscheidend davon ab, über welche Produktionsfaktoren es im Vergleich zu den anderen Ländern verfügt und wie mobil das neue Wissen international ist. Die wirtschaftlichen Auswirkungen lassen sich gut in vier unterschiedlichen Fällen diskutieren.

1. Gleiche Länder - immobiles Wissen



Was passiert, wenn sich zwei Länder zueinander öffnen, die gleichermaßen mit niedrig qualifizierter Arbeit und hoch qualifiziertem Humankapital ausgestattet sind und den gleichen technologischen Entwicklungsstand besitzen? Die inzwischen klassische Analyse des Handels zwischen gleichen Ländern stammt von Luis Rivera-Batiz und Paul

Romer [8] . Sie unterscheiden in beiden Ländern zwischen einem Forschungssektor, der Erfindungen erzeugt, und einem Endproduktsektor (Industrie). Außenhandel wirkt in ihrem Modell auf Wachstumsmöglichkeiten in erster Linie über die Wanderungen von Humankapital zwischen beiden Sektoren: Wenn die Renditen in der Forschung steigen, wird dort mehr und im Endproduktsektor weniger Humankapital eingesetzt. Ein größerer Einsatz von Humankapital in der Forschung führt zu einem schnelleren Wachstum des Wissensbestandes (mehr Forscher, mehr Ideen), und das beschleunigt das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens (PKE).

Wenn neues Wissen die Ländergrenzen nicht überschreiten kann - wohl aber Produkte, die auf neuem Wissen beruhen -, verfügt jedes Land auch nach der wirtschaftlichen Öffnung nur über sein eigenes akkumuliertes Wissen. Es kann aber die Produktivität der heimischen Industrie steigern, indem es innovative Kapitalgüter (z. B. Werkzeugmaschinen) im Ausland kauft. Die größere Produktivität in der Industrie ermöglicht höhere Löhne und zieht so hoch qualifizierte Arbeiter an. Gleichzeitig - und im gleichen Maß! - wächst mit dem größeren Absatzmarkt für innovative Produkte aber auch der Wert der Patente, so dass auch in der Forschung höhere Löhne gezahlt werden können. Die wirtschaftliche Öffnung führt daher in keinem der Länder zu einer Wanderung von Humankapital zwischen Forschung und Industrie. Mit gleicher Forscherzahl und ohne die Möglichkeit, Wissen von außen zuzuführen, kommt es in keinem der beiden Länder zu einer beschleunigten Wissensproduktion - die langfristige Wachstumsrate ist die gleiche wie vor der Aufnahme von Wirtschaftsbeziehungen.

2. Gleiche Länder - mobiles Wissen



Wenn sich Wissen über Ländergrenzen hinweg ausbreiten kann, hängen die Wachstumswirkungen entscheidend davon ab, ob das Wissen geschützt werden kann. Falls neues Wissen international mobil ist, Patente im Ausland aber keinen Schutz genießen, wird jede neue Idee sofort im Ausland kopiert und von dort importiert. Konsequenterweise wird alles Humankapital in der Industrie eingesetzt, und es entsteht kein neues Wissen mehr, das langfristiges Wachstum ermöglichen könnte. Kurzfristig kommt es jedoch zu einem höheren Wirtschaftswachstum aufgrund des höheren Humankapitaleinsatzes im Endproduktsektor. Ohne den internationalen Schutz von neuen Ideen ist Autarkie daher langfristig vorteilhafter als Globalisierung, weil dann ausländische Imitationen nicht mehr importiert und Forschungsanstrengungen zumindest im jeweiligen Inland wieder belohnt werden können.

Die größten langfristigen Wachstumseffekte lassen sich zwischen gleichen Ländern jedoch realisieren, wenn Wissen international mobil ist und es ein effektives internationales Patentwesen gibt. Dann vergrößern Wissensimporte aus dem jeweiligen Ausland den inländischen Wissensbestand - und zwar erstens schlagartig zu Beginn der wirtschaftlichen Verflechtung und zweitens kontinuierlich danach: Immer dann, wenn in einem der Länder eine Erfindung gemacht wird, steht sie auch dem anderen Land zur Verfügung. Wegen des internationalen Patentschutzes kostet ihre Nutzung im In- und Ausland Lizenzgebühren, so dass ein (im Idealfall angemessener) wirtschaftlicher Anreiz für Forschungsinvestitionen besteht. Der Forschungssektor kann bei der Erzeugung von neuem Wissen auf einen größeren Wissensbestand (im In- und Ausland) zurückgreifen, seine Produktivität wächst schneller als die der Industrie. Er kann höhere Löhne zahlen, lockt zusätzliches Humankapital aus der Industrie an und produziert noch schneller neues Wissen. Dies erhöht die langfristige Wachstumsrate in beiden Ländern.

Absolut gleiche Länder profitieren nach Rivera-Batiz/Romer folglich gleichermaßen von einer wirtschaftlichen Verflechtung. Langfristige Wachstumseffekte stellen sich jedoch nicht dadurch ein, dass sie Handel miteinander treiben, sondern erst dadurch dass sie (geschütztes) Wissen austauschen können.

3. Ungleiche Länder - mobiles Wissen



Wie aber wirken sich wirtschaftliche Integration und Globalisierung bei weltweit völlig mobilem Wissen aus, wenn sich die Länder unterscheiden? Der klassische Modellrahmen hierfür stammt von Gene Grossman und Elhanan Helpman [9] . Sie analysieren die Entwicklung der komparativen Vorteile in einem Modell, in dem sich zwei Länder entsprechend ihrer Ausstattung mit den Ressourcen Arbeit und Humankapital spezialisieren:

In jedem Land gibt es drei Sektoren, nämlich Forschung, eine Hightech-Industrie und eine Lowtech-Industrie. Im Unterschied zu den anderen beiden Sektoren ist die Produktivität der Forschung, in der Patente für die Hightech-Industrie hergestellt werden, umso höher, je mehr Forschungsergebnisse schon vorliegen. Die Forschung erfordert vor allem hoch qualifizierte Arbeitskräfte (Humankapital), während in der Lowtech-Industrie eher niedrig qualifizierte Arbeit gefragt ist. Alle Erfindungen aus der Forschung sind durch Patente perfekt geschützt; das für die Lowtech-Industrie benötigte Wissen ist hingegen allgemein und kostenlos zugänglich. Während die Forschungsergebnisse nur als Zwischenprodukte in der Hightech-Industrie verwendet werden können, können die Produkte der anderen beiden Industrien konsumiert werden. Dabei werden die Lowtech-Produkte auf einem anonymen Wettbewerbsmarkt gehandelt; für die innovativen Hightech-Produkte hingegen gibt es jeweils nur wenige miteinander vergleichbare Anbieter, hier herrschen monopolähnliche Verhältnisse. Die Auswirkungen von internationalen Wirtschaftsbeziehungen auf die jeweiligen Wachstumsaussichten der beteiligten Länder lassen sich auch in diesem Modell über Wanderungen von hoch- und niedrig qualifizierter Arbeit zwischen den Sektoren identifizieren und diskutieren. Welches Ausmaß diese Wanderungen abnehmen, hängt entscheidend davon ab, ob sich die Löhne nach einer Handelsaufnahme einem gemeinsamen (Weltmarkt-)Niveau angleichen (Faktorpreisausgleich).

Falls die Länder ungefähr gleich ausgestattet sind, aber keinerlei Faktorpreisausgleich möglich ist, spezialisiert sich das mit Arbeit reicher ausgestattete Land fast vollständig auf Lowtech-Produkte. Sein Hightech-Sektor ist eher klein, neue Forschungsergebnisse, die die Grundlage für langfristiges Wachstum sein könnten, produziert es nicht. Dementsprechend tendiert das Land langfristig zum Nullwachstum. Das humankapitalreiche Land hingegen verfügt über alle drei Sektoren, es wächst umso stärker, je weniger Ressourcen im Lowtech-Sektor gebunden sind. Gerade bei verhältnismäßig kleinen Unterschieden erfolgt jedoch in aller Regel ein zumindest teilweiser Faktorpreisausgleich über den Handel mit Hightech- und Lowtech-Produkten. In diesem Fall wird es zunächst in beiden Ländern alle drei Sektoren geben, allerdings werden sie - je nach Ausstattungsvorteilen der einzelnen Länder - unterschiedlich groß sein: Das humankapitalreichere Land wird netto eher Hightech-Produkte, das arbeitsreichere Land netto eher Lowtech-Produkte exportieren. Da aufgrund der größeren Wachstumsmöglichkeiten durch technologischen Fortschritt der Hightech-Sektor schneller wachsen wird und im humankapitalreicheren Land ein größeres Gewicht hat, wird das humankapitalreichere Land auch insgesamt schneller wachsen. Auf lange Frist verstärken sich also die komparativen Vorteile auch dann, wenn Wissen international mobil und ein Faktorpreisausgleich möglich ist.

Bei größeren Unterschieden in der anfänglichen Ausstattung mit hoch und niedrig qualifizierter Arbeit ist der durch Handel mögliche Faktorpreisausgleich begrenzt, dann sind insbesondere im humankapitalreicheren Land die Löhne für qualifiziertes Humankapital niedriger als im arbeitsreicheren. Um die Entlohnung des Humankapitals zu steigern, wird sich in diesem Land der Forschungssektor bis zur vollständigen Spezialisierung ausweiten und dort höchste Wachstumsraten ermöglichen. Da das Wissen auch dem arbeitsreicheren Land zugänglich ist, können in beiden Ländern alle drei Sektoren weiterexistieren. Aufgrund der größeren Anteile der beiden Industriesektoren am Bruttosozialprodukt wird dieses - humankapitalärmere - Land jedoch weniger schnell wachsen. Bei sehr großen anfänglichen Ausstattungsunterschieden kommt es dann gar nicht mehr zum Faktorpreisausgleich. Entsprechend den jeweiligen komparativen Vorteilen erfolgt die gesamte Forschung im humankapitalreichen Land. Das arbeitsreiche Land produziert alle Lowtech-Produkte und, entsprechend dem noch verfügbaren Humankapital, einen festen Anteil der Hightech-Produkte. Die Wachstumsaussichten des auf Forschung spezialisierten Landes sind besonders gut, diejenigen des arbeitsreichen Landes sind umso schlechter, je kleiner sein Hightech-Sektor ist.

Auch bei vollständiger internationaler Wissensdiffusion können also die komparativen Vorteile eines Landes die langfristig mögliche Wachstumsrate determinieren. Der Grund hierfür liegt darin, dass Handel Spezialisierung nahe legt und die in Frage kommenden Sektoren in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Technologieintensität mehr bzw. weniger wachstumsträchtig sein können. Die Analyse von Grossman/Helpman zeigt nicht, dass die Aussenwirtschaftsbeziehungen für das arbeitsreichere Land wohlfahrtsmindernd sein müssen, denn es kann zum einen von der größeren Produktvielfalt nach der Öffnung profitieren und zum anderen neue Erfindungen importieren, um seine Hightech-Produkte zu modernisieren und die Produktivität in der Hightech-Industrie zu steigern. Beide Effekte ermöglichen einen einmaligen Sprung des Pro-Kopf-Einkommens, ob sie die möglichen langfristigen Wachstumseinbußen im Vergleich zum Autarkiefall kompensieren, kommt auf den Einzelfall an.

4. Ungleiche Länder - immobiles Wissen



Sobald eines der unterschiedlichen Länder zu irgend einem Zeitpunkt über ein größeres Wissenskapital verfügt, erfolgt (im theoretischen Modell) unweigerlich seine Spezialisierung auf Forschung und Hightech-Produkte. Ohne internationale Diffusion von Wissen ist die Entwicklung der einzelnen Länder daher in hohem Maße pfadabhängig. Schon bei geringen externen Schocks, die den Wissensbestand in einem Land erhöhen, werden sich die gesamte Forschung und die Hightech-Industrie dort konzentrieren. Der Grund für die Polarisierung liegt in dem dann größeren inländischen Wissenskapital, das die Produktivität seiner Forscher steigert und höhere Kapitalgewinne erwarten lässt, so dass immer mehr Ressourcen dort eingesetzt werden. Die Gewinne und Löhne in der Forschung steigen, bis die inländische Forschung den Weltmarkt dominiert und keine weitere Ausweitung des Marktanteils mehr möglich ist. Nach dem erhöhten Innovations- und Wachstumstempo in dieser Übergangsphase stellt sich dann wieder das gleiche langfristige Wirtschaftswachstum ein, das dieses Land auch im Autarkiefall gehabt hätte. Die Entwicklung im anderen Land verläuft spiegelbildlich: Sein infolge des schrumpfenden Marktanteils an der Weltforschung langsamer wachsendes Wissenskapital und der konkurrierende Handel mit günstigeren ausländischen Kapitalgütern reduzieren die Innovationsanreize, bis es schließlich alle seine Ressourcen in der Industrie einsetzt (insbesondere dann, wenn es reich an Arbeitskraft ist und einen Vorteil bei arbeitsintensiver Fertigung besitzt). Der technologische Fortschritt in diesem Land fällt dann geringer aus als im Autarkiefall; im Extremfall tendiert er sogar gegen null. Trotzdem ist die wirtschaftliche Öffnung für das humankapitalärmere Land nicht notwendigerweise wohlfahrtsmindernd, denn erstens kann es wieder die oben bereits geschilderten statischen Wohlfahrtsgewinne durch Außenhandel realisieren, und zweitens kann es durch Handel unterschiedliche und dauerhaft auch mehr neue Kapitalgüter importieren als im Autarkiefall und so die Produktivität der eigenen Industrie erhöhen.

Wenn sich neues Wissen zwischen ungleichen Ländern nicht verbreiten kann, entsteht ein "stabiler" Zustand nur dadurch, dass sich eines der Länder voll auf die Herstellung der nicht innovativen und wenig wachstumsträchtigen Lowtech-Produkte spezialisiert. Solange die Faktorpreise über die Lowtech-Industrien der beiden Länder ausgeglichen werden und perfekte internationale Kapitalmärkte es erlauben, dass das arbeitsreiche Land sein Kapital im technologieintensiveren Ausland zu höheren Renditen anlegt, muss dies jedoch nicht von Nachteil sein. Wenn dagegen kein Faktorpreisausgleich erfolgt, weil z. B. Lowtech-Produkte nur in einem Land hergestellt werden, kann es passieren, dass im technologieintensiveren Land höhere Löhne gezahlt werden und es langfristig zu einer Polarisierung zwischen den beiden betrachteten Ländern kommt.

Unterschiedliche Länder werden sich daher besonders dann auseinanderentwickeln, wenn bestehendes/neues Wissen international nicht mobil und kein Faktorpreisausgleich möglich ist. In einer solchen Situation sind viele Gleichgewichte labil, so dass schon geringe Schocks die langfristige Entwicklung eines Landes nachhaltig beeinflussen können. Aufgrund dieser modelltheoretisch gewonnenen Erkenntnisse kann es attraktiv erscheinen, gewünschte Schocks selber zu verursachen, um die langfristigen Wachstumsperspektiven eines Landes gezielt zu verbessern - etwa indem Forschungsaktivitäten subventioniert, der Außenhandel reglementiert oder verstärkt in Ausbildung investiert wird.

Fußnoten

7.
Vgl. G. Grossman/E. Helpman (Anm 4).
8.
Vgl Luis Rivera-Batiz/Paul Romer, International Trade with Endogenous Technical Change, in: European Economic Review, 35 (1991) 4, S. 971-1001; dies., Economic Integration and Endogenous Growth, in: Quarterly Journal of Economics, 106 (1991), S. 531 - 550.
9.
Vgl. G. Grossman/E. Helpman (Anm. 4).