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26.5.2002 | Von:
Rainer Durth

Globalisierung und Wirtschaftswachstum

III. Schlussfolgerungen

Ökonomische Analysen zeigen im Modell, dass die laufende Globalisierung für alle beteiligten Länder große Wachstumschancen bietet. Sie kann aber auch zu einer Polarisierung in arme und reiche Länder führen, wenn die grenzüberschreitende Verbreitung von neuem Wissen und Wanderungen von Produktionsfaktoren zwischen den einzelnen Sektoren einer Volkswirtschaft berücksichtigt werden.

Kurzfristig ergeben sich für alle handelnden Länder immer zwei Vorteile durch die Aufnahme von Wirtschaftsbeziehungen: Erstens erhalten sie die Möglichkeit, auch solche Dinge zu konsumieren, die sie selber nicht herstellen können. Und zweitens können sie sich auf die Herstellung derjenigen Güter spezialisieren, die sie vergleichsweise kostengünstig anbieten können. Beide Effekte verursachen jedoch nur eine einmalige Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens - sie führen nicht zu einer dauerhaft höheren Wachstumsrate. Überdies profitieren einzelne Gruppen möglicherweise in sehr unterschiedlichem Maße von diesen Vorteilen.

Ökonomisch weitaus interessanter sind die langfristigen Effekte einer wirtschaftlichen Verflechtung auf die Wachstumsrate. Hierbei kommt die theoretische ökonomische Forschung zu einem interessanten Ergebnis: Nicht Außenhandel selbst führt zu den langfristigen Wachstumseffekten, sondern die durch Handel mögliche internationale Verbreitung von bestehendem Wissen und Wettbewerb sowie Synergieeffekte bei der Schaffung von neuem Wissen. Die unzureichende internationale Diffusion von neuem Wissen führt hingegen unweigerlich dazu, dass die Abstände zwischen ärmeren und reicheren Ländern größer werden.

Hieraus ergeben sich für Industrieländer, deren Wirtschaftswachstum im Allgemeinen besonders von der Zufuhr neuen Wissens abhängt, zwei wichtige wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen:

- Ein in die Weltwirtschaft integriertes Industrieland, das seinen Wohlstand steigern möchte, sollte die Mehrung seines Wissenskapitals zu einem zentralen Ziel der nationalen Wirtschaftspolitik machen. Neben gezielten Maßnahmen zur Schaffung von neuem Wissen (Innovationspolitik) umfasst dies vor allem auch umfassende Anstrengungen, um leichten Zugang zu bestehendem ausländischen Wissen zu erhalten und dieses Wissen im Inland schnell zu verbreiten (Diffusionspolitik).

- Um zu verhindern, dass es durch Globalisierung zu einer weiteren Polarisierung kommt, müssen der Schutz und die möglichst reibungslose weltweite Verbreitung von neuem Wissen zu einem zentralen Ziel der internationalen Wirtschaftspolitik werden. Langfristig wird die internationale Verbreitung von neuem Wissen größere Auswirkungen auf den Wohlstand haben als ein möglichst freier Welthandel an sich.