APUZ Dossier Bild

26.5.2002 | Von:
Berthold Meyer

Wehrpflicht und Bundeswehr-Reform

Bündnissolidarität

Ein anderes Argument lautet, Deutschland müsse in der Lage sein, den Verbündeten im Angriffsfall beizustehen, weil diese ihm während des Kalten Krieges ebenfalls beigestanden haben. Internationale Verlässlichkeit ist ohne Zweifel eine wesentliche Grundlage des Vertrauens, das ein Land genießt. Sie eignet sich jedoch nicht als Begründung für die Wehrpflicht: Zwei der wichtigsten Verbündeten - die USA und Großbritannien - sind ihren Beistandsverpflichtungen in der Vergangenheit mit Berufsarmeen nachgekommen. Sie konnten dies möglicherweise sogar mit einer größeren Glaubwürdigkeit als Länder mit Wehrpflichtarmeen, die im so genannten Ernstfall vor die schwierige Frage gestellt gewesen wären, ob sie das Leben ihrer ebenfalls nur zur Landesverteidigung herangezogenen "Jungs" für entlegene Regionen aufs Spiel setzen sollten.

Inzwischen weist, wie erwähnt, der Trend auch bei anderen Bündnispartnern in Richtung Berufsarmee. Vor diesem Hintergrund zu behaupten, gerade deswegen müsse Deutschland die Wehrpflicht beibehalten, ist im Sinne der Bündnissolidarität keineswegs einleuchtend, denn kein Partner kann von den anderen mehr verlangen, als er selbst zu geben bereit ist.