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26.5.2002 | Von:
Wilfried Schubarth

Pädagogische Konzepte als Teil der Strategien gegen Rechtsextremismus

V. Fazit

Im letzten Jahrzehnt wurde eine ganze Reihe interessanter pädagogischer Konzepte gegen Rechtsextremismus entwickelt. Das gilt für den schulischen und noch mehr für den außerschulischen Bereich. Neue unkonventionelle Wege wurden beschritten und vielfältige Handlungsansätze erprobt, die auf modernen (sozial-)pädagogischen Prinzipien beruhen wie der Orientierung an der Lebenswelt, den Erfahrungen und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen, dem Prinzip der Ganzheitlichkeit und der demokratischen Partizipation. Mit Hilfe neuerer Konzepte, z. B. das der akzeptierenden Jugendarbeit, wurde sich auch verstärkt den rechtsextremen Jugendlichen zugewandt.

Den Fortschritten auf der Konzeptebene stehen allerdings die mangelnde Kontinuität und die Kurzatmigkeit der praktischen pädagogischen Arbeit gegenüber, so dass eine deutliche Theorie-Praxis-Lücke klafft und die Praxis hinter den Erfordernissen zurückbleibt. Konzepte gegen Rechtsextremismus gibt es genügend, doch es fehlt an finanziellen und personellen Ressourcen, diese auch professionell umzusetzen. Die aktuelle Rechtsextremismus-Debatte macht die diesbezüglichen Versäumnisse der letzten Jahre nur umso schmerzlicher bewusst. Die Sensibilität und das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer kontinuierlichen und offensiven Jugendarbeit und Jugendpolitik ist in der Gesellschaft offenkundig nicht genügend entwickelt.

Gegen Rechtsextremismus gibt es keine Patentrezepte. Auch die Pädagogik hat solche nicht zu bieten. Pädagogische Strategien können nur einen Teilbeitrag leisten - als Bestandteil einer gesellschaftlichen Gesamtstrategie sind sie aber unverzichtbar. Die Ernsthaftigkeit der gegenwärtigen Debatte um die Bekämpfung des Rechtsextremismus wird sich auch daran zeigen, ob - neben repressiven Maßnahmen - mehr in den präventiven Bereich, insbesondere in die pädagogische Jugendarbeit und politische Bildung investiert werden wird. Würde diese Chance erneut vertan, ließe die nächste große Rechtsextremismus-Debatte wohl nicht lange auf sich warten.