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26.5.2002 | Von:
Uwe Britten

Kindheit in der Dritten Welt

I. Die Talfahrt ist nicht gestoppt

Auf welche Bedingungen aber hat die entwicklungspolitische Arbeit zugunsten der jungen Generationen zu reagieren? Welche sind die Aufgaben, die sich den Hilfswerken wie terre des hommes, Caritas International, UNICEF, Misereor, Brot für die Welt, amnesty international, der Deutschen Welthungerhilfe, der Kindernothilfe oder medico international, um nur einige zu nennen, stellen?

Während die siebziger Jahre als ein Jahrzehnt galten, in dem es für viele Gesellschaften der Dritten Welt wirtschaftlich, politisch und sozial aufwärts ging und auch die Dritte-Welt-Bewegung in der Bundesrepublik einen Höhepunkt erlebte, so führten die achtziger Jahre schon bald zur Ernüchterung. Bereits Mitte der Dekade wurde ein "verlorenes Jahrzehnt" prognostiziert [4] , was sich weitestgehend bewahrheitete. Was aber haben die neunziger Jahre für Kinder und Jugendliche in Dritte-Welt-Ländern gebracht? Und welche entwicklungspolitischen Aufgaben stellen sich für den Start ins neue Jahrhundert?

Der erbärmliche Zustand von Millionen von Kindern auf der Welt erwächst natürlich zunächst aus meistens katastrophalen Lebenslagen ihrer Familien. Den niedrigsten 40 Prozent der Bevölkerung geht es nach wie vor sehr schlecht. In den Entwicklungsländern verfügen diese 40 Prozent der Menschen über lediglich 15 Prozent des Gesamteinkommens!

Die Tabelle zeigt, dass auch bezüglich Lateinamerikas die häufig vorzufindende Meinung, der dortige Demokratisierungsprozess habe spürbare Fortschritte für die breite Bevölkerung bewirkt, stark differenziert werden muss oder vielerorts gar nicht zutrifft. Insgesamt lässt sich feststellen, dass im Zeitraum von 1990 bis 1995 in den Entwicklungsländern rund ein Drittel der Bevölkerung täglich mit weniger als einem US-Dollar auskommen musste. Im Afrika südlich der Sahara waren es 39 und in Südasien sogar 47 Prozent. Auch in Lateinamerika und der Karibik umfasste dieser Anteil der Bevölkerung noch 22 Prozent. So ist inzwischen von der "neuen Armut in der Dritten Welt" die Rede [5] , während sich gleichzeitig eine reicher werdende Mittelschicht herausbildet [6] .

Fußnoten

4.
Vgl. G. A. Cornia/R. Jolly/F. Stewart (Hrsg.), Adjustment with a human face, 2 Bde, Oxfort 1987 und 1988, hier: Bd. I, S. 29.
5.
J. Betz/St. Brüne, Jahrbuch Dritte Welt 1999, München 1998, S. 9-19.
6.
Vgl. dies., Jahrbuch Dritte Welt 1998, München 1997, S. 9-23.