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26.5.2002 | Von:
Gabriele Kasten
David Soskice

Möglichkeiten und Grenzen europäischer Beschäftigungspolitik

IV. Schlussbetrachtung

Zweifellos ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Europa ein schwerwiegendes Problem, für dessen Lösung sich keine einfachen Patentrezepte anbieten. Eine weitgehende Deregulierung der Arbeitsmärkte mit größerer Lohnspreizung, wie sie in den Vereinigten Staaten zu finden ist, bietet für die EWU keine ernsthafte Option. Auch werden Wanderungsbewegungen in Europa in absehbarer Zukunft nicht wesentlich zunehmen und regionale Gefälle auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen. Ferner ist heute noch nicht abzusehen, ob und wann der vergemeinschafteten Geldpolitik eine vollständig harmonisierte Finanzpolitik folgen wird. Wettbewerbsorientierte Arbeitsmärkte nach amerikanischem Vorbild sind kein Heilmittel gegen die hohe europäische Arbeitslosigkeit. Daher müssen in Europa andere Wege beschritten werden.

Die Analyse des europäischen Arbeitsmarktes zeigt, wie wichtig dabei der Dialog zwischen den beteiligten Akteuren ist. Wenn nationale Regierungen mehr Vertrauen in die Goldene Defizitregel fassen und Umschulungs- und Ausbildungsmaßnahmen in ihr Regierungsprogramm inte- grieren, fällt es den Gewerkschaften leichter, ihre lohnpolitische Verantwortung für die Preisstabilität zu übernehmen. In einem inflationsfreien Umfeld kann die EZB dann ihrerseits einfacher die Zinsen senken und das Wirtschaftswachstum stimulieren. Angesichts der Komplexität und der Unterschiedlichkeit der europäischen Arbeitsmärkte bleibt die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine langwierige und vielschichtige Aufgabe, die viel Kreativität und die Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert.

Internetverweise der Autoren:

 

www.europa.eu.int/comm/dg05/index_de.htm

www.labor.net.au/links.htm#international

www.ilo.org/