APUZ Dossier Bild

26.5.2002 | Von:
Frank Bliss

Von der Mitwirkung zur Selbstbestimmung

Grundelemente einer partizipativen Entwicklungszusammenarbeit

Im September 1999 legte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Partizipationskonzept vor. Darin geht es um die Mitwirkung bestimmter Zielgruppen bei der Planung von Projekten.

I. Einführung

Spätestens mit der "Entwicklungspolitischen Konzeption" aus dem Jahre 1996 [1] hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit den Forderungen nach aktiver Teilnahme der Menschen am Entwicklungsprozess und Teilhabe an Entscheidungen eine weitgehende Bevölkerungsbeteiligung [2] innerhalb der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zumindest vom Grundsatz her festgeschrieben. So war es nur konsequent, im September 1999 ein eigenes Konzept zur partizipativen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) folgen zu lassen [3] , das die beiden bereits seit einigen Jahren vorliegenden Politikpapiere "Sozio-kulturelle Kriterien für Vorhaben der EZ" und "Sektorübergreifendes Zielgruppenkonzept" des BMZ zusammenfasst und im Rahmen eines partizipativen Ansatzes neu strukturiert.


Explizit wird im neuen Konzept verlangt, Partizipation nicht instrumentalisierend zu handhaben, wie dies in der Vergangenheit öfter praktiziert wurde. Dabei wurde Partizipation im von den Zielgruppen weder mitgeplanten noch mitgestalteten Projektverlauf als Instrument eingesetzt, um zu versuchen, einen sich andeutenden Misserfolg mit einer zum Mittel des "social engineering" degradierten "Bevölkerungsbeteiligung" doch noch abzuwehren. Dagegen soll Partizipation heute frühzeitig und im Sinne von "Mitentscheidung" und "Eigenverantwortung und Selbstbestimmung" umfassend erfolgen und sich auch nicht allein auf die Zielgruppenangehörigen beschränken, sondern andere Beteiligte einbeziehen.

Implizit ist im neuen Konzept eine Abkehr von der Trennung zwischen Partizipation als Weg und als Ziel von Entwicklung enthalten: Es geht mithin nicht allein mehr um die Mitbestimmung der Bevölkerung bei EZ-Vorhaben, sondern um ihre Mitbestimmung innerhalb des gesamten Entwicklungsprozesses, zu welchem Ergebnis die EZ aktiv beitragen soll.

Fußnoten

1.
Vgl. Entwicklungspolitische Konzeption des BMZ, BMZ aktuell, Nr. 72, Bonn 1996.
2.
Bevölkerungsbeteiligung und Partizipation werden zumeist synonym verwendet. Beide Begriffe decken dabei ein breites Band von Beteiligungsrechten ab, die vom einfachen Recht auf Konsultation über die Mitwirkung bis hin zur Selbstbestimmung durch die Zielgruppen von Entwicklungshilfe und andere Beteiligte reichen und daher stets genauester inhaltlicher Bestimmung bedürfen.
3.
Übersektorales Konzept "Partizipative Entwicklungszusammenarbeit" (Partizipationskonzept), BMZ aktuell, Nr. 102, Bonn 1999.