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26.5.2002 | Von:
Gerd Meyer
Angela Hermann

Zivilcourage im Alltag Ergebnisse einer empirischen Studie

Was macht es oft so schwer, in der Öffentlichkeit mutig für andere und auch für sich selbst einzutreten? Warum zögern viele Menschen, sich für demokratische Werte einzusetzen?

Einleitung

"Das meiste Unrecht beginnt im Kleinen - und da läßt es sich mit Mut und Zivilcourage noch bekämpfen" (Roman Herzog, Mai 1997)


"Eingreifen und Zivilcourage zeigen!" - Dazu rufen heute Politiker und Politikerinnen, Polizei, Lehrer und Lehrerinnen, Journalisten und Journalistinnen auf. Nachdenkliche, mahnende und ermunternde Reden sind zu hören. Viele solcher Artikel, einzelne Bücher und Fernsehbeiträge sind zu diesem Thema erschienen. Es gibt pädagogische Projekte und praktische Trainings, flächendeckende Aktionen der Polizei und Preisverleihungen an mutige Mitbürger und Mitbürgerinnen, die zivilcouragiertes Denken und Handeln verstärken wollen. Gefragt ist Zivilcourage oder sozialer Mut im Alltag: sich für andere einsetzen, gegen den Strom schwimmen, etwas deutlich kritisieren oder öffentlich handeln, auch wenn damit ein Risiko verbunden ist. Die Forderung einzugreifen oder sich zu wehren, die Bitte um Unterstützung, der Ruf nach öffentlicher Einmischung begegnen uns inzwischen überall: am Arbeitsplatz, unter der Kollegenschaft oder Freunden, im Bus, im Verein oder in der Gemeinde. Viele dieser Situationen sind wenig spektakulär und keineswegs ist immer Gewalt im Spiel. In unserem Alltag sind denn meist auch nicht Heldentaten gefragt, sondern eher beherztes Eintreten für Toleranz, für ein berechtigtes Anliegen, für mehr Gerechtigkeit. Die meisten aber reagieren mit Wegsehen und Schweigen. Sie denken "Man kann ja doch nichts machen" und "Lass mich in Ruh', ich hab' genug eigene Sorgen". Oft sind es auch Angst und Resignation - viele verständliche, aber nicht immer gute Gründe, um nichts zu tun.