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26.5.2002 | Von:
Michael Opielka

Das Konzept "Erziehungsgehalt 2000"

IV. Erziehungsarbeit statt Erwerbsarbeit

Ein gravierender Einwand gegen das Konzept ,,Erziehungsgehalt 2000" wäre, wenn durch ein Erziehungsgehalt einseitig Frauen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden und damit die gesellschaftliche Stellung der Frauen geschwächt würde.

Die Erwerbstätigkeit der Mütter hängt vor allem vom Alter des jüngsten Kindes ab, wobei erhebliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen. Nach wie vor ist die Erwerbsorientierung ostdeutscher Frauen wesentlich höher. Laut Mikrozensus 1995 lag die Erwerbsquote von Müttern mit einem Kind unter drei Jahren in Westdeutschland bei 80 Prozent, während sie in Ostdeutschland 99 Prozent betrug - das mag erstaunen, doch der Mikrozensus bezieht ganz realistisch in die ,,Erwerbsquote" sowohl die erwerbstätigen, die arbeitslos gemeldeten, aber auch die in Mutterschutz bzw. Erziehungsurlaub befindlichen Personen ein. Für die Mütter, deren Kinder zwischen vier und sechs Jahre alt sind, zeigen sich wiederum erhebliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: 44 Prozent der Frauen im Westen mit Kindern in dieser Altersgruppe sind nun nicht erwerbstätig, 43 Prozent geringfügig (16'Prozent) oder teilzeitbeschäftigt (27 Prozent), während nur neun Prozent vollzeitbeschäftigt und vier Prozent arbeitslos sind. Ganz anders ist das in Ostdeutschland: Nur sieben Prozent der Frauen sind hier nicht erwerbstätig, 19 Prozent teilzeitbeschäftigt, aber 49'Prozent sind vollzeitbeschäftigt und 22 Prozent sind arbeitslos

. Das Absinken der Erwerbsquote nach dem dritten Lebensjahr des Kindes bedeutet, dass viele Frauen im Anschluss an den Erziehungsurlaub - ohne Erziehungsurlaub und -geld - nicht mehr der Erwerbsquote zugerechnet werden.

Was bedeuten diese Fakten nun für die Einführung eines Erziehungsgehaltes und die damit verknüpften Zielsetzungen? Bereits heute - ohne Erziehungsgehalt - kann von einer umfassenden Teilnahme von Müttern kleiner Kinder am Arbeitsmarkt kaum die Rede sein. Angesichts der Wünsche junger Mütter und einer zunehmenden Zahl junger Väter, Berufstätigkeit und Familienarbeit zu vereinbaren, ist überhaupt nicht zu erwarten, dass ein Erziehungsgehalt zu einer Absenkung der Müttererwerbsquote führt. Im Gegenteil, sofern das Erziehungsgehalt wie im Konzept ,,Erziehungsgehalt 2000" unabhängig von der Erwerbstätigkeit der Eltern gezahlt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der Betreuungsmarkt belebt, vielfältige und differenzierte außerfamiliale Erziehungsangebote entstehen und die Müttererwerbsquote gegenüber heute steigt.