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26.5.2002 | Von:
Jörg Baur

Mehr Nutzen aus Staudamm-Großprojekten?

Zum Bericht der World Commission on Dams

III. Abschnitt

Ist es möglich, diese teilweise lebenswichtigen Vorteile von Dämmen weiter zu erschließen, ohne die gravierenden Probleme in Kauf nehmen zu müssen? Nachdem in den neunziger Jahren aufgrund der aufflammenden Proteste Geberorganisationen wie die Weltbank mit der Finanzierung von Staudämmen immer zurückhaltender wurden, riefen Gegner und Befürworter von Dämmen im Jahr 1998 die WCD ins Leben. An der Gründung beteiligt waren Weltbank und IUCN (The World Conservation Union). Die WCD erhielt das Mandat, die Entscheidung über das Für und Wider solcher Großprojekte auf eine rationale Grundlage zu stellen. Damit sie nicht zwischen den Fronten aktueller Konflikte um Dammbauten zerrieben würde, sollte sie sich aus diesen möglichst heraushalten und stattdessen verbindliche Empfehlungen für künftige Planungen erarbeiten. Die Lebensdauer der WCD war von vornherein auf zweieinhalb Jahre befristet.

Die Vorgehensweise der WCD war ein Novum in der Geschichte internationaler Organisationen. Statt Hunderter von Delegierten saßen sich bei der WCD nur ein Dutzend Vertreter von Regierungen, Industrie, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden gegenüber. Vorsitzender der WCD war Kader Asmal, Wasserminister in der Regierung von Nelson Mandela. Der 12-köpfigen Kommission gehörten so gegensätzliche Persönlichkeiten an wie der Schwede Göran Lindahl, Chef von ABB, bis vor kurzem einer der führenden Lieferanten für Wasserkraftkomponenten, und die indische Aktivistin des Kampfes gegen die Narmada-Dämme, Medha Patkar. Der Apparat war ungewöhnlich klein, dafür war das Arbeitspensum umso größer.

In Afrika, Asien und Lateinamerika wurden Anhörungen durchgeführt, die Auswirkungen von acht Großdämmen wurden umfassend untersucht, Länderstudien zu Indien und China und eine statistische Auswertung von 125 Großdämmen in allen Kontinenten lieferten zusätzliches Hintergrundmaterial. Jeder Schritt der Kommission wurde im Internet dokumentiert, Interessenvertreter konnten jederzeit Meinungen und Material beisteuern, eine Möglichkeit, von der 947mal Gebrauch gemacht wurde. Trotzdem war die WCD wegen ihres kleinen Apparates und befristeten Auftrags ein vergleichsweise billiges Unterfangen. Die Gesamtkosten in Höhe von 10 Millionen US-Dollar teilten sich 53 staatliche, private und zivilgesellschaftliche Institutionen. Die Bundesregierung steuerte zwei Millionen Mark bei, Siemens 100 000 DM. Mit diesen finanziellen Beiträgen war die Erwartung verbunden, dass künftig erheblich höhere Kosten, die auf allen Seiten durch den jahrelangen Kampf um Großdammprojekte entstehen, vermieden werden können.