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26.5.2002 | Von:
Jörg Baur

Mehr Nutzen aus Staudamm-Großprojekten?

Zum Bericht der World Commission on Dams

VIII. Abschnitt

Wie eine Staudammplanung unter Berücksichtigung eines großen Teils der WCD-Empfehlungen aussehen könnte, ist derzeit im Süden von Laos zu beobachten. Zwischen Vietnam und Thailand soll dort an einem Nebenfluss des Mekong von einem europäisch-laotischen Jointventure der Staudamm Nam Theum 2 entstehen. [9] 90 Prozent der dort geplanten Stromerzeugung sollen nach Thailand exportiert werden, um Devisen zu erwirtschaften. Es wird ein Stausee von 450 Quadratkilometern Größe entstehen, für den fast 5 000 Menschen umgesiedelt werden müssen. Neben den Erlösen aus dem Stromverkauf erhofft sich Laos von dem Staudammprojekt auch die Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten durch Fischerei auf dem Stausee.

Die betroffenen Gemeinden am Mekong waren in die Planung des Gesamtvorhabens und der verschiedenen Projektphasen von Anfang an einbezogen, über 240 Workshops wurden vor Ort durchgeführt. Als Ziel der erforderlichen Umsiedlungen wurde eine Verbesserung der Lebensverhältnisse vereinbart und ein entsprechender Umsiedlungsplan gemeinsam mit den Betroffenen ausgearbeitet. Darin wurde festgelegt, dass der endgültige Beschluss über die Umsiedlung erst nach Zustimmung der Gemeinden und der Weltbank fallen darf. Die Anwohner sollen sich den Ort ihrer künftigen Siedlungen selber auswählen und ihre neuen Häuser selbst planen können. Außerdem wurde die Versorgung der neuen Siedlungen mit Wasser und Strom, Schulen, Kliniken und ganzjährig befahrbaren Straßen vereinbart. Umweltschäden sollen durch einen Zuschuss von einer Million Dollar im Jahr an einen benachbarten Naturpark ausgeglichen werden.

Von den 1,1 Milliarden US-Dollar Gesamtkosten des Staudammprojekts sollen 34 Millionen, also gute drei Prozent, für die Umsiedlung der betroffenen laotischen Bevölkerung ausgegeben werden. Dies entspricht ungefähr dem Anteil, der auch im deutschen Braunkohletagebau für Umsiedlungsmaßnahmen ausgegeben wird. Mit Aufwendungen in der Größenordnung von fünf Prozent der Gesamtkosten sind hierzulande bisher weitgehend einvernehmliche Entschädigungslösungen möglich gewesen. Aber auch zum Nam-Theum-2-Projekt gibt es kritische Stimmen. Zu Recht hat zum Beispiel das International Rivers Network an den Planungen für den Staudamm Nam Theum 2 kritisiert, dass der große Wissensunterschied zwischen Experten und lokaler Bevölkerung keine gleichberechtigten Entscheidungsprozesse ermöglicht. Außerdem seien die Auswirkungen des Staudamms flussabwärts größer als erwartet. Dort werde es weitere 40 000 Betroffene geben, die bisher in die Entscheidungsprozesse noch gar nicht eingebunden worden sind.

Fußnoten

9.
(http://www.namtheun2.com/indexie.htm).