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26.5.2002 | Von:
Norbert Suchanek

Die dunklen Seiten des globalisierten Tourismus

Zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Risiken des internationalen Tourismus

II. All-inclusive

Wachstumsmarkt Nummer zwei ist der All-inclusive-Tourismus. Fast alle Reisekonzerne setzen zunehmend auf die abgeschlossenen Urlaubsghettos, in denen die Urlauber so viel essen und trinken können, wie sie wollen, Surfen, Tennisspielen, Golfen - alles im Preis inbegriffen. Nur die kurzen Ausflüge mit klimatisierten Reisebussen oder der kurze Besuch eines Bordells finden außerhalb der Feriendörfer statt. Die Einheimischen werden so von den Gewinnen aus dem Tourismus weitgehend ausgeschlossen, da oft selbst die Nahrungsmittel aus den Industriestaaten importiert werden. Die lokale Bevölkerung wird fast nur noch als gelegentliche Kulisse und als Lieferant für preiswerte Prostituierte benötigt. Der Brite Richard Carrick, der zum Direktorium von Airtours gehört, gibt freimütig zu, weshalb Tourismuskonzerne auf All-inclusive setzen: "All-inclusives erzeugen höhere Gewinnspannen." Diese Aussage wird durch eine 1989/90 in Jamaica durchgeführte Untersuchung unterstützt: [5] All-inclusive-Hotels bringen 81 Prozent mehr US-Dollars je Zimmer ein als andere Beherbergungsbetriebe. So leiden alle von Einheimischen geleiteten Tourismusbetriebe unter den All-inclusive-Angeboten. Selbst bei den Taxifahrern und einheimischen Kunsthandwerkern führen All-inclusive-Touristen gegenüber anderen Pauschal- oder Individualurlaubern zu Verlusten, da fast alle Aktivitäten der All-inclusive-Gäste auch außerhalb der abgeschlossenen Hotelanlagen unter der Kontrolle des Reiseveranstalters stehen. Selbst lokale Kunsthandwerksmärkte würden von den All-inclusive-Touristen gemieden, sagt Tourismusexpertin Jenny Holland, die 1997 als Beraterin für die jamaicanische Regierung arbeitete. Und die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) stellte schon 1994 fest: "All-inclusive-Hotels erzielen die größten Gewinne, aber ihr Einfluss auf die Wirtschaft ist je Dollar Gewinn kleiner als bei anderen Unterbringungsmöglichkeiten." Außerdem würden, so die OAS, All-inclusives bezogen auf die erzielten Einnahmen mehr importieren und gleichzeitig weniger Menschen anstellen als andere Hotels. Für die bereisten Länder können All-inclusive-Resorts deshalb sogar ein Verlustgeschäft sein.

Fußnoten

5.
Vgl. Polly Pattullo, Last Resorts: The Cost of Tourism in the Caribbean, 1996; und Polly Pattullo, Like an alien in the own land, Tourism in Focus (Tourism Concern), Winter 1997/98.