Ausschnitt aus dem Gemälde "Der Chasseur im Walde" von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1814.

1.12.2017 | Von:
Anne-Sophie Friedel

Editorial

Über 30 Prozent der Landoberfläche der Erde sind bewaldet. Davon sind ein Drittel Urwald und sieben Prozent Plantagenwald, wobei sich dieses Verhältnis immer weiter verschiebt: Seit 1990 ist die Waldfläche um 3,1 Prozent zurückgegangen, der größte Waldverlust ist in den Tropen zu verzeichnen. Zwar hat die Geschwindigkeit des weltweiten Waldverlusts nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen abgenommen. Aber allein zwischen 2010 und 2015 verschwanden durchschnittlich etwa sechseinhalb Fußballfelder Wald pro Minute.

Diese Entwicklung steht im Widerspruch zum ressourcenökonomischen Prinzip der Nachhaltigkeit, das auf den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz zurückgeht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts trat er mit Blick auf die Sicherstellung des Holznachschubs für die Hüttenindustrie im Erzgebirge für eine "beständige und nachhaltende Nutzung" der Wälder ein: Nur so viel Holz sollte geschlagen werden, wie sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums auf natürliche Art regenerieren kann, um die wesentlichen Eigenschaften von Wäldern zu bewahren. Diese gehen weit über die Funktion als Rohstoffquelle für die Energieerzeugung, die Holz- und Papierindustrie hinaus. Wälder beheimaten so viele Pflanzen- und Tierarten wie kaum andere Ökosysteme und spielen als natürliche Kohlenstoffsenken und Wasserspeicher eine zentrale Rolle für das Weltklima.

In Deutschland prägt der Wald zudem einen eigenen nationalen Mythos, seit zu Beginn des 19. Jahrhunderts Literaten und Künstler unter Rückgriff auf die Aufzeichnungen des römischen Historikers Tacitus über die Germanen den Wald als Symbol für eine spezifische kollektive deutsche Identität deuteten. Diese Interpretation hat nach ihrer ideologischen Instrumentalisierung in der NS-Zeit an Bedeutung verloren. Doch noch in den 1980er Jahren spiegelten die tiefe Betroffenheit über das vorausgesagte "Waldsterben" und der breite Konsens für weitreichende Umweltschutzmaßnahmen eine besondere Verbundenheit der Deutschen zu "ihrem" Wald wider.

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Autor: Anne-Sophie Friedel für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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