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26.5.2002 | Von:
Andreas Malycha

Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik in der SBZ/DDR von 1945 bis 1961

III. Resümee

Als Fazit für die Entwicklung des Verhältnisses von Wissenschaft und Politik am Ende der fünfziger Jahre ist festzuhalten, dass mit dem vollzogenen immensen Ausbau des Wissenschaftssektors eine neue Stufe der Politisierung der Wissenschaft verbunden war. Wissenschaftsrelevante Probleme wurden weitgehend über Wirtschaftspläne definiert. Forschungspläne legten Themenfelder und Förderungskriterien fest. Unter Beteiligung zahlreicher Planungs- und Koordinierungsinstanzen - und oftmals ohne Abstimmung untereinander - wurde bis Anfang der sechziger Jahre das Prinzip geplanter Forschung durchgesetzt. Fachabteilungen der SED verabschiedeten Richtlinien zu spezifischen Aufgaben einzelner Wissenschaftsdisziplinen, mit denen diese unmittelbar politisch gesteuert werden sollten. Parteibeschlüsse setzten politische als wissenschaftliche Zwecke ein, gaben Forschungs- und Darstellungsgegenstände vor, definierten Ergebnisse vorweg und trafen organisatorisch-struktuelle Regelungen. Speziell für die Gesellschaftswissenschaften beanspruchte die SED-Führungselite die Hoheit über Theorie- und Methodologiestandards.

In den Naturwissenschaften setzte ein Prozess ein, in dessen Ergebnis die Dominanz wirtschaftspolitischer Interessen schließlich auch deren fachliches Profil wesentlich beeinflusste, wobei es in nicht wenigen Fällen offenbar eine gewisse Korrespondenz zwischen wissenschaftlichem Forschungsinteresse und dem von der SED postulierten Erkenntnisauftrag gab. Die Politik versuchte nunmehr, mit weit reichenden totalitären Ansprüchen Wissenschaft auch auf der kognitiven Ebene umfassend zu steuern - allerdings noch immer in unterschiedlicher Ausprägung in den Gesellschaftswissenschaften und in den Naturwissenschaften. Das ging mit Vorgängen einher, wissenschaftliche Erkenntnisprozesse direkt und indirekt zu beeinflussen. Damit ergab sich aber auch eine permanente Handlungsüberlastung der Politik, die bis zum Ende der DDR andauerte.