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26.5.2002 | Von:
Eike von Hippel

Präventiver Verbraucherschutz: Vorbeugen ist besser als Heilen

VI. Bilanz und Ausblick

Es sind also zahlreiche Verbesserungen des präventiven Verbraucherschutzes möglich und geboten. Da leider als Regel gilt, dass erst Kinder in den Brunnen fallen müssen, bevor für Prävention gesorgt wird, bedeuten die sich häufenden Katastrophen, Skandale und Krisen unserer Zeit nicht nur ein Übel, sondern auch die Chance, dass überfällige Reformen (gegen alle Widerstände der Lobby) endlich durchgesetzt werden. Das gilt auch für den BSE-Skandal, der inszwischen schon manche Änderungen bewirkt hat und der als "GAU der Landwirtschaft" vielleicht sogar genügend Druck erzeugen wird, um endlich eine Totalreform der seit langem korrekturbedürftigen und für die Verbraucher nachteiligen Agrarpolitik zu erzwingen [22] .

Nicht zuletzt ist für den präventiven Verbraucherschutz von großer Bedeutung, dass sich möglichst viele Bürger marktgerecht verhalten und dass Schulen, Medien, Verbraucherverbände und die Stiftung Warentest darauf hinzuwirken suchen. Wie wichtig dies ist, zeigen die immensen Verluste, welche die Verbraucher bisher wegen fehlender oder unzureichender Kenntnisse erleiden. So geben Bürger in Deutschland (nach Einschätzung der Verbraucherverbände) jährlich allein 20 bis 30 Mrd. Mark für überflüssige Versicherungen oder überhöhte Prämien aus.

Zwar darf man vom Verbraucher nicht erwarten oder gar fordern, er solle sich stets alle die Informationen verschaffen, die im Einzelfall eine optimale Entscheidung ermöglichen, denn der dafür erforderliche Aufwand an Zeit und Geld würde für den einzelnen Konsumenten in vielen Fällen außer Verhältnis zum erreichbaren Nutzen stehen. Aber es gibt eine Reihe einfach und billig zugänglicher Informationsquellen, die der Verbraucher regelmäßig nutzen sollte, so insbesondere die Zeitschrift "test", die monatlich von der Stiftung Warentest (Berlin) herausgegeben wird. Diese Zeitschrift enthält nicht nur Informationen über vergleichende Warentests und Dienstleistungen, sondern auch über zahlreiche sonstige Themen, die für den Verbraucher von Interesse sind. Jedenfalls dann, wenn Entscheidungen anstehen, die eine bestimmte Wertgrenze überschreiten, also insbesondere beim Kauf höherwertiger Gebrauchsgüter (Kraftfahrzeug, Fernsehgerät, Waschmaschine) oder beim Abschluss langfristiger Verträge (z. B. Lebensversicherung), sollte der Konsument sich informieren, bevor er seine Entscheidung trifft.

Wenn jedoch Probleme mit einem Anbieter auftreten, sollte der Verbraucher nicht resignieren, sondern etwaige Ansprüche mit Hilfe der Verbraucherberatungsstellen, verfügbarer Selbstkontrolleinrichtungen der Wirtschaft (wie Bankenombudsmann und vorgesehener Versicherungsombudsmann) und bestehender Schlichtungsstellen, notfalls aber auch mit Hilfe der Gerichte durchzusetzen suchen. Er dient damit nicht nur den eigenen Interessen, sondern auch den Bemühungen um eine Verbesserung des Verbraucherschutzes, die aber ohne ausreichendes Engagement der Bürger nicht möglich ist.

Fußnoten

22.
Vgl. u. a. Volker Angres/Claus-Peter Hutter/Lutz Ribbe, Bananen für Brüssel, München 1999.