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26.5.2002 | Von:
Klaus W. Wippermann

Editorial

Mit dem Ende des Kalten Krieges erschien für manche auch ein "Ende der Geschichte" angebrochen zu sein. Nunmehr gäbe es keine existenziellen Bedrohungen.

Einleitung

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Durchsetzung liberal-demokratischer Systeme erschien für manche auch ein "Ende der Geschichte" angebrochen zu sein, da es nunmehr keine existenziellen Bedrohungen mehr gäbe. Dies mag - hoffentlich - für den "großen Krieg" zutreffen. Die "kleinen Kriege" haben seither jedoch zugenommen und lassen die westlichen Industriestaaten nicht unberührt. Wie aber sollen diese sich in Konflikten verhalten, für deren Regelung ihr Militär nicht geschaffen ist?

Lothar Rühl rät in seinem Essay zu möglichst großer Zurückhaltung. Zwar seien die Menschenrechte mittlerweile als universell anerkannt und damit auch für alle verpflichtend, der Erfolg militärischen Eingreifens erscheine aber in einem - auch politisch - unübersichtlichen Gelände sehr zweifelhaft. Da es letztlich zumeist um gesellschaftlich-politische, um ethnische oder ökonomische Auseinandersetzungen gehe, sei an erster Stelle die Politik, das Krisenmanagement durch internationale Organisationen, gefordert.

Dem Ende des ideologischen Zeitalters entspricht, dass Kriege im 21. Jahrhundert andere Ursachen haben werden. An erster Stelle wäre, so Thomas M. Wandinger, das weiterhin hohe Bevölkerungswachstum zu nennen mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Schon jetzt gibt es in der so genannten Dritten Welt immer weniger Ressourcen, zumal Boden und Wasser - ein Anlass für zahlreiche ethnische Konflikte. Des Weiteren wird der rasche Urbanisierungsprozess und die damit zusammenhängende Landflucht immer mehr zum Katalysator für Konflikte: Zonen der Unregierbarkeit werden sich vor allem in unüberschaubar gewordenen Metropolen und Ballungsräumen ausbreiten. Hinzu kommt die unkontrollierte Weiterverbreitung von Waffen, auch von Massenvernichtungswaffen.

Die Zeit der großen zwischenstaatlichen Kriege aufgrund von Systemantagonismen dürfte für die Industrieländer der Vergangenheit angehören, auch wenn die vorhandenen Rüstungsstrukturen noch weitgehend auf den seinerzeitigen Militärdoktrinen beruhen. Künftige kriegerische Auseinandersetzungen, so Martin Hoch, werden einen ganz anderen Charakter haben: Es wird weder eindeutige Fronten geben, noch eindeutig identifizierbare Gegner; auch die bisher vom Völkerrecht beachtete Unterscheidung zwischen Militär und Zivilbevölkerung wird in den "kleinen Kriegen" immer mehr verschwinden. Es gibt daher nicht wenige Gründe für die Befürchtung einer "Rückkehr des Mittelalters" in zu erwartenden kriegerischen Konflikten.

Da diese sich mit herkömmlicher militärischer Intervention kaum wirksam beenden lassen, muss nach anderen Möglichkeiten gesucht werden. Eine davon wäre die Konfliktprävention - das Bemühen, es erst gar nicht zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen zu lassen. Da Staaten bzw. Militärbündnisse nicht als neutral gelten, ist dies die Stunde der Nichtregierungsorganisationen. Wie Oliver Wolleh in seinem Beitrag ausführt, gibt es für friedliche Konfliktregelungen bereits ermutigende Verfahren.

Ein wichtiges, aktuelles Beispiel für Konfliktregelungen jenseits militärischen Eingreifens ist die zivil-militärische Zusammenarbeit auf dem Balkan. Die Bundeswehr hat hier ein dichtes Kooperationsnetz aufgebaut, um zusammen mit Hilfsorganisationen und örtlichen Kräften zunächst das Überleben zu sichern, sodann erste Grundlagen für den Wiederaufbau einer Zivilgesellschaft zu schaffen. Peter Braunstein, Christian Wilhelm Meyer und Marcus Jurij Vogt berichten anhand von Beispielen über diese nicht nur für die Bundeswehr neue Herausforderung.