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26.5.2002 | Von:
Oliver Wolleh

Zivile Konfliktbearbeitung in ethnopolitischen Konflikten

II. Grundbegriffe

Modelle ziviler Konfliktbearbeitung basieren zumeist auf der Überzeugung, dass Konflikte ein integraler Bestandteil menschlichen Handelns sind und folglich einen wichtigen Motor für sozialen Wandel darstellen. Daher ist nicht der Konflikt an sich, sondern dessen gewaltsame Austragung problematisch. Nichtmilitärische und gewaltfreie Formen der Auseinandersetzung sind somit die vornehmste Qualität einer zivilen Konfliktbearbeitung. Das primäre Ziel ist keine "Konfliktprävention", sondern vielmehr eine Gewaltprävention [2] .

Der Konfliktbegriff ist vielfältig und schillernd. Von einem Konflikt kann gesprochen werden, wenn zwischen zwei oder mehr Parteien - wobei es sich um Personen, Gruppen oder Staaten handeln kann - eine Situation eintritt, in der mindestens eine Partei einen Gegensatz in Bezug auf ihre Interessen, Bedürfnisse oder Ziele wahrnimmt und sich bei der Realisierung derselben durch die andere(n) Partei(en) beeinträchtigt fühlt. Somit stellt nicht der Gegensatz an sich oder die Wahrnehmung eines solchen einen Konflikt dar, sondern das Handeln im Geiste des Gegensatzes [3] . Hierbei können die Parteien über sehr unterschiedliche Bewusstseinsniveaus und folglich Verhaltensweisen verfügen. Von "latenten" Konfliktphasen spricht man in diesem Zusammenhang, wenn einer Partei entweder das Bewusstsein oder die Kapazität zum konflikthaften Handeln fehlt. Demgegenüber ist beides in der "manifesten" Konfliktphase vorhanden. Von ethnopolitischen Konflikten kann gesprochen werden, wenn zumindest eine der Konfliktparteien eine politische Mobilisierung durch den Verweis auf ihre spezifischen ethnischen (z. B. sprachliche, religiöse) Merkmale betreibt [4] .

Die "Austragung" des Konfliktes bezeichnet im Allgemeinen den gesamten Prozess der konflikthaften Auseinandersetzung, während der Begriff der "Konfliktbearbeitung" eine von außen eingebrachte (Mit-)Gestaltung der Konfliktaustragung durch neutrale "Drittparteien" andeutet. Dabei kann es sich sowohl um inländische (interne) als auch ausländische (externe) Akteure handeln, die versuchen, den Prozess der Austragung in "konstruktive" oder "zivile" Bahnen zu lenken.

Fußnoten

2.
Der englische Begriff conflict prevention wird nur allzu schnell als "Konfliktprävention" übersetzt. Das Wort conflict bezeichnet jedoch gewaltförmig verlaufende Konflikte.
3.
Für einen Überblick über verschiedene Konfliktdefinitionen siehe Ulrike C. Wasmuth, Wozu und zu welchem Ende untersuchen wir Konflikte?, in: dies. (Hrsg.), Konfliktverwaltung: Ein Zerrbild unserer Demokratie? Analyse zu fünf innenpolitischen Streitfällen, Berlin 1992, S. 18-62.
4.
Vgl. Norbert Ropers, Die friedliche Bearbeitung ethno-politischer Konflikte: Eine Herausforderung für die Staaten- und die Gesellschaftswelt, in: Tobias Debiel/Norbert Ropers (Hrsg.), Friedliche Konfliktbearbeitung in der Staaten- und Gesellschaftswelt, Bonn 1995, S. 197-232.