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26.5.2002 | Von:
Oliver Wolleh

Zivile Konfliktbearbeitung in ethnopolitischen Konflikten

VIII. Entwicklungen auf gesellschaftlicher Ebene

Eine hervorstechende Dynamik ist die zunehmende informelle und formelle Vernetzung von Organisationen der konstruktiven Konfliktbearbeitung und Konfliktprävention. Dies gilt sowohl für die nationale als auch die europäische Ebene.

In Finnland, Kanada, der Schweiz und Deutschland sind in den letzten Jahren nationale Plattformen zur zivilen Konfliktbearbeitung entstanden, die zwar noch keine koordinierenden Funktionen haben, aber dem allgemeinen Bedürfnis nach Vernetzung entsprechen. In Deutschland ist dies die "Plattform Zivile Konfliktbearbeitung" [35] . Ihr Ziel ist es, die unterschiedlichsten Akteure in diesem Bereich zur Kooperation zu animieren und, wenn möglich, politische Forderungen zu artikulieren. Dabei bezieht sich die Deutsche Plattform auf eine breit angelegte Definition ziviler Konfliktbearbeitung, in der "alle Maßnahmen für eine konstruktive, Frieden fördernde Transformation von Konflikten" eingeschlossen sind [36] . Die nationalen Vernetzungstendenzen finden ihre Entsprechung auf europäischer Ebene. Einer der größten Zusammenschlüsse stellt die "European Platform for Conflict Prevention and Transformation" dar [37] . Die Ziele sind ähnlich jenen der nationalen Plattformen und umfassen neben Informationsaustausch auch Lobbyfunktionen.

Die zunehmende Vernetzung von gesellschaftlichen und staatlichen Akteuren im Bereich ziviler Konfliktbearbeitung eröffnet für alle Beteiligten neue Handlungsspielräume. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich außenpolitisch motivierte Beschränkungen auf interne und externe gesellschaftliche Akteure übertragen. In Anbetracht der implizit-oppositionellen Dimension vieler gesellschaftlicher Konfliktinterventionen ist es wichtig, dass die Vernetzung und Kooperation nicht ausschließlich unter dem Merkmal der Komplementarität erfolgt. Für die Ausgestaltung einer deutschen und europäischen Förderstruktur in diesem Bereich ist es daher wichtig, Vergabekriterien zu entwickeln, die unabhängig von staatlicher Einflussnahme sind.

Fußnoten

35.
Siehe hierzu die Webseite: www.konfliktbearbeitung.net.
36.
Insbesondere werden die Bereiche der Krisen- und Gewaltprävention, die Aufbau- und Versöhnungsarbeit, die Stärkung der Konfliktfähigkeit benachteiligter Gruppen sowie die Verbreitung von demokratischen Streitkulturen unter besonderer Berücksichtigung interkultureller Handlungskompetenz hervorgehoben.
37.
Siehe hierzu die Webseite: www.euconflict.org