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26.5.2002 | Von:
Alexander Gallus
Eckhard Jesse

Was sind Dritte Wege?

Eine vergleichende Bestandsaufnahme

IV. Fazit

Das Fazit kann kurz ausfallen: Der wenig trennscharfe Begriff des Dritten Weges ist höchst schillernd. Unterschiedliche Strömungen berufen sich auf ihn. Damit wird er jedoch zur Bezeichnung einer Richtung weitgehend unbrauchbar. Zu verschiedenartig sind die Konnotationen. Was mit dem ersten und zweiten Weg gemeint ist, bleibt häufig verborgen. Die Zahl der Dritten Wege, die meistens keine Umsetzung erfahren haben, ist Legion. Die sechs analysierten Dritten (Haupt-) Wege (gabeln sich wieder in Seitenwege.

Der Terminus des Dritten Weges erscheint als eine "vieldeutige Bezeichnung" - gleich ob selbst oder von anderen gewählt, kritisch oder affirmativ genutzt - für allerlei "Startbahnen, Holzwege oder gar Traumpfade" [68] der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Die Dritte-Wegs-Konzepte legten ihren Schwerpunkt jeweils anders, manche auf politische, andere auf wirtschaftliche (und soziale) Anliegen. Nicht wenige solcher Entwürfe begriffen sich ihrem utopischen Charakter gemäß als Alternative zum ganzen System. Es verwundert nicht, dass Sektierer sich auf einen Dritten Weg berufen, wohl aber verwundert ein entsprechendes Engagement ausgewiesener Anhänger des demokratischen Verfassungsstaates. Der nahezu weltweite Zusammenbruch des "real existierenden Sozialismus" dürfte nicht zu einem Ende Dritter Wege führen, sondern zur Revitalisierung sozialistischer Denkfiguren, die als Elemente eines Dritten Weges verkauft werden. Was immer die Motive der Protagonisten sein mögen: Dritte Wege sind nicht lauter.

Fußnoten

68.
Manfred Wöhlcke, Ein Dritter Weg für die Dritte Welt? Nachholende Nationenbildung im Schnittpunkt entwicklungspolitischer und hegemonialer Interessen, Baden-Baden 1985, S. 7.