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26.5.2002 | Von:
Laurence McFalls

Die kulturelle Vereinigung Deutschlands

Ostdeutsche politische und Alltagskultur vom real existierenden Sozialismus zur postmodernen kapitalistischen Konsumkultur

II. Abschnitt

Verkürzt gesagt zeugen meine Interviews zwischen 1990 und 1998 von einer bemerkenswerten Umschichtung der kulturellen Werte der Menschen auf dem Gebiet der einstigen DDR. Solch ein dramatischer Wechsel verlangt nach Erklärung. Je nach theoretischem Vorverständnis über die Beschaffenheit der menschlichen Natur mag die Begründung für diesen atemberaubenden Wechsel subjektiver Ausrichtung entweder als selbstverständlich oder als unbegreiflich ausfallen. Gehen wir mit den Annahmen derjenigen Theoretiker, die wie die Vertreter der Rational choice-Theorie eine rationale Erklärung liefern und behaupten, dass die Verfolgung von Eigeninteressen von der Vernunft gesteuert ist und den größten Teil des menschlichen Sozialverhaltens bestimmt [7] , dann wäre die rasche ostdeutsche Angleichung an die Anforderungen der postindustriellen kapitalistischen Konsumgesellschaft kein Problem; vor allem weil der Ad-hoc-Transfer von westdeutschen Fachkräften und Institutionen in den Osten es offensichtlich machte, worin die "wahren" Interessen der rational handelnden Akteure lagen. Gehen wir jedoch umgekehrt von der Annahme kultursoziologischer Theoretiker aus, der zufolge das Individuum in Übereinstimmung mit tief verankerten subjektiven Dispositionen handelt, die das ganze Leben hindurch vermöge wachsender Sozialisierungs- und Lernprozesse erworben werden [8] , dann wäre der abrupte Orientierungswechsel, wie in meinen Interviews belegt, entweder ein rein oberflächliches oder ein unbegreifbares Verhalten. Allerdings enthält jeder theoretische Ansatz einen wahren Kern. So lässt sich denn auch aus meinen Interviews ein Verhalten ablesen, das gleichzeitig als rational und irrational interpretiert werden kann und von Menschen zeugt, die das rationale Bedürfnis äußern, sich aus diesen und jenen Gründen neuen Normen anpassen zu wollen, gefühlsmäßig jedoch den alten Werten verbunden bleiben und dabei durchaus bequem mit diesem Widerspruch leben. Wir können jedoch andererseits nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und behaupten, dass die sozialen Akteure einmal instrumentell handeln und sich den neuen gesellschaftlichen Bedingungen anpassen und ein anderes Mal in ihren sozialen Dispositionen gefangen bleiben, es sei denn, es ließe sich eine theoretische Begründung anbieten, weshalb in bestimmten Situationen die einen so handeln, die andern anders oder beides zugleich tun.

Eine adäquate Theoretisierung der politischen Kultur muss also zwei sich anscheinend widersprechende Beobachtungen miteinander versöhnen:

1. Gesellschaftsstrukturen und Kulturen reproduzieren und decken sich wechselseitig. Mit anderen Worten, die subjektive Ausrichtung eines Menschen korrespondiert in der Regel mit den objektiven Bedingungen, denen er ausgesetzt ist.

2. Obwohl sich Kulturen - wie auch die sie begleitenden Strukturen - normalerweise nur allmählich über lange Zeiträume entwickeln, lassen sich gelegentlich radikale Entwicklungsschübe nachweisen und manchmal sogar in viel kürzerer Zeit, als strukturelle Veränderungen in der Regel benötigen.

Wir haben es also mit einem grundlegenden Widerspruch zu tun zwischen einerseits Stabilität und Kongruenz, andererseits Divergenz und Autonomie von Gesellschaftsstruktur und Kultur. Der Schlüssel zur Erklärung dafür, wie sich diese entgegengesetzten Aussagen miteinander vertragen, liegt in der Tat in den sich widersprechenden Komponenten einer Kultur. Denn wie meine empirischen Forschungen über die ostdeutsche politische Kultur unter dem "real-existierenden" Sozialismus und unter dem spät- bzw. postmodernen Kapitalismus gezeigt haben, baut sich jede Kultur auf einer Reihe von gleichzeitig systemtragenden und systembedrohenden Widersprüchen auf.

Wie bedeutsam sich kulturelle Konflikte für meinen theoretischen Ansatz erweisen sollten, wurde mir gleich zu Anfang meiner 1990 bis 1991 durchgeführten Untersuchung klar, als ich nämlich die Ergebnisse zu ordnen versuchte. Die Antworten auf die rückblickenden Fragen, die den DDR-Alltag vor dem Fall der Mauer betrafen, zeigten eine Gesellschaft, die ein sehr labiles Gleichgewicht hielt zwischen den positiven Werten wie Bescheidenheit, Solidarität und sozialer Gleichheit auf der einen Seite und den negativen Werten wie Konsumfrust, soziale Abhängigkeit und politische Ungleichheit auf der anderen. Es herrschte also Zufriedenheit über die mittelmäßigen, allerdings stets vorhersagbaren Annehmlichkeiten des Lebens, die den Frust für die unerfüllten Konsumansprüche in einer unrentablen Wirtschaft leidlich kompensieren halfen. Es existierte ein soziales Netz gegenseitiger Hilfe und Geselligkeit in weitgehend geschlossenen Kreisen als Ausgleich für das öffentliche Misstrauen und das Abhängigsein von weit verbreiteter Vetternwirtschaft zur Sicherung minimalsten Wohlbefindens. Außerdem überdeckte die Gleichstellung des Lebensstandards in allen Teilen des Landes und der Gesellschaft nicht nur die Eintönigkeit des Lebens, sondern verschleierte auch den Missbrauch politischer Privilegien. Tatsächlich lässt sich sagen, dass die soziale Gleichheit vielleicht den bedeutsamsten Wert auf der Skala der DDR-Ethik ausmachte, weil sie die Conditio sine qua non für eine bescheidene und solidarische Lebensführung verkörperte und den einzigen weitgehend umgesetzten Wert einer mit sozialistischen Vorzeichen operierenden Partei darstellte, die sich eben dadurch teilweise legitimieren konnte.

Im Spiegel dieser Ergebnisse zog ich die Schlussfolgerung, dass die relative Stabilität der DDR-Gesellschaft bis in die späten achtziger Jahre auf einem labilen Gleichgewicht beruhte bzw. auf der leicht positiven Bilanz, die sich aus dem Abwägen der erfüllten und versagten Ansprüche ergab. Dieser Zustand änderte sich jedoch Ende der achtziger Jahre zusehends, als sich schleichende und zunächst relativ unbedeutsame strukturelle Veränderungen abzeichneten und das nur sehr schwach ausbalancierte Wertesystem von Gleichheit, Solidarität und Bescheidenheit mehr und mehr zum Kippen brachten. Das führte in kürzester Zeit zu kulturellen Irritationen und zu Unzufriedenheit, die wiederum ursächlich für den Massenprotest und die Lähmung der Parteiführung sowie ihren ausbleibenden Widerstand war. Einige der strukturellen Veränderungen seien stichwortartig genannt: wirtschaftliche Stagnation, erleichterte Reisebedingungen, neue Privilegien der Funktionäre, aber auch abweichende Meinungen in der Spitze der Nomenklatura [9] .

Diese durch meine Interviews inspirierte Deutung des Zusammenbruchs der DDR mag empirisch plausibel klingen, doch bleibt die Frage, ob sie, verallgemeinert gesehen, eine brauchbare theoretische Grundlage bietet, um die Kulturrevolution zu verstehen, die sich seit 1990 beobachten lässt. Tatsächlich korrespondierte mein Rückgriff auf kulturelle Widersprüche zur Erklärung des Umsturzes mit Antonio Gramscis Gebrauch des Begriffs "widersprüchliches Bewusstsein" in seiner Theorie der kulturellen Hegemonie [10] . In Gramscis Überarbeitung des marxistischen Strukturalismus hängt die soziale Stabilität nicht nur von der Fähigkeit einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse ab, andere Klassen strukturell zu beherrschen, sondern auch davon, ob eine bestimmte Schicht in der Lage ist, andere kulturell zu lenken oder von den beherrschten Teilen der Gesellschaft eine Form des Einvernehmens hinsichtlich der kulturellen Vorreiterrolle zu erhalten. Um diese kulturelle Hegemonie wirksam, das heißt systemstabilisierend, zu etablieren, genügt es nicht, die untergeordneten Klassen zu indoktrinieren und ihnen das gewünschte Bewusstsein anzuerziehen. Ganz im Gegenteil muss ihnen erlaubt sein, ihre eigenen Interessen zu artikulieren, wenn auch nur auf eine Art und Weise, welche die bestehenden Strukturen nur unwesentlich zu diesen in Widerspruch setzt. Die Möglichkeit der Artikulation sich widersprechender Interessen legitimiert die bestehende Ordnung und hält sie gleichzeitig offen für Reformen. Die Existenz eines Organisationsprinzips oder besser: eines Hegemonieprinzips, aus dem sich Werte und Bedeutungen scheinbar unabhängig und offen formulieren, bewahrt den kulturellen Zusammenhalt trotz abweichenden oder widersprüchlichen Bewusstseins. Letzteres hält die Gesellschaftsstruktur anpassungs- und reaktionsfähig, liefert jedoch auch den Keim für bedeutsame hegemoniale Gegenbewegungen bis hin zu Kulturrevolutionen.

Im Falle der DDR bestand das Hegemonieprinzip aus der "führenden Rolle der Partei". Im zeitgenössischen Kapitalismus ist das Hegemonieprinzip fast ebenso offensichtlich wie in der staatssozialistischen Gesellschaft. Der Konsum (Englisch: consumerism), d. h. die ständig wachsende Befriedigung (und Weckung) materieller Bedürfnisse, integriert den Einzelnen in einen ungleichen, ökologisch unhaltbaren Produktionsapparat und in eine Gesellschaftsordnung, die beide kritisiert werden dürfen. Diese Kritik wirkt aber zumindest teilweise systemtragend, weil sie - dem Hegemonieprinzip entsprechend - die Ungleichheit oder die zukünftige Sicherung der Konsummöglichkeiten in Frage stellt, aber dadurch stärkt sie den Konsum als Grundwert. Wie ich bereits dargelegt habe, partizipieren die Neubundesbürger ohne Abstriche an der postindustriellen kapitalistischen Konsumgesellschaft mit all ihren impliziten Widersprüchen, seien diese nun stabilisierend oder potentiell revolutionär. Doch ist die Frage, wie es dazu kam, immer noch nicht ganz beantwortet.

Gramscis Theorie der kulturellen Hegemonie bietet eine Erklärung für die Frage, wie kultureller Wechsel erfolgt. Hegemonie beschreibt ein diskursives, dialogisches Verhältnis, in dem ein dominanter Gesprächspartner keine Meinung aufdrängt, sondern "vorschlägt". Indem der dominierte Partner seine eigene Position als Antwort auf den Vorschlag formuliert, bewegt er sich in dem vorgegebenen Rahmen und beschäftigt sich mit all jenen Zwängen, die der andere ihm indirekt diktiert. Obwohl ungleich, konkurrenzfördernd und in der Regel mit offenem Ende produziert der Folgedialog dennoch im Grundsatz übereinstimmende Meinungen und Werte und macht auf diese Weise den gesellschaftlichen Austausch möglich, während gleichzeitig die dominanten Strukturen legitimiert und gestützt werden. Weil diese relative Übereinstimmung kultureller Werte aus einer Streitkultur entwickelt wurde, lässt sich nicht sagen, dass der Konsens aus der Gesellschaftsstruktur herrührt bzw. durch sie determiniert ist. Tatsächlich zeigt geschichtliche Erfahrung, dass eine gegebene Gesellschaftsordnung, sei es ein liberaler Kapitalismus, sei es ein staatssozialistisches Modell, mit kultureller Vielfalt kompatibel ist und verschiedene Entwicklungspotentiale und revolutionäre Keime in sich birgt. So gesehen müssen wir den gesellschaftlichen Dialog zwischen dominanten und untergeordneten Gruppen rekonstruieren, um den kulturellen Wechsel und seine verschiedenen Ausdrucksformen zu verstehen, die dieser hervorruft.

Im Falle Ostdeutschlands markierte die Währungsunion vom 1. Juli 1990 jenen Zeitpunkt, der die kulturelle Angleichung an eine radikal neue Gesellschaftsordnung unvermeidlich machte. Die Einführung westdeutscher Gesellschaftsstrukturen legte jedoch keineswegs fest, wie diese kulturelle Angleichung im Einzelnen auszusehen habe. Stattdessen prägten die ziemlich unabhängig geführten kulturellen Auseinandersetzungen, die nahezu schlagartig zwischen Ost- und Westdeutschen ausbrachen, das Procedere der Anpassung an die neue Gesellschaftsordnung. Noch vor dem offiziellen Zusammengehen der beiden Staaten im Herbst 1990 brach in aller Öffentlichkeit ein regelrechter Kulturkrieg aus: Schriftsteller aus dem Westen wandten sich gegen Christa Wolf, die sie früher als Dissidentin mit Laudationes überschüttet hatten, und klagten sie nun an, die Staatsdichterin des Stasistaates gewesen zu sein. Im privaten Bereich kam es zu Aufgeregtheiten, weil die "Ossis" den Inhalt der einst so geschätzten "Westpakete" ihrer Verwandten nun etwas anders bewerteten. Umgekehrt beschwerten sich die "Wessis" darüber, dass sie für den alten und neuen Material- und Kapitaltransfer nichts als Undank ernten würden. Mit Hilfe der Interviews wurde mir sehr schnell klar, dass ironischerweise gerade die kulturellen Konflikte und die Missverständnisse, welche die Freude über die Einheit zu verderben schienen, für den dialektischen Mechanismus sorgten, der die rasche kulturelle Integration der "Ossis" in den deutschen Konsumkapitalismus betrieb.

In jeder der drei Befragungsrunden schürfte ich nach dem Verhältnis der "Ossis" zu den "Wessis" und interessierte mich dafür, mit welchen Augen die einstigen DDR-Bürger ihre Landsleute im Westen sahen. Überall förderten meine Fragen Stereotypen zu Tage, die auch umfangreichere Studien bestätigten: Die Westdeutschen wurden als arrogant und besserwisserisch - als "Besser-Wessis'' - geschildert, es wurde behauptet, sie verkörperten mehr Schein als Sein, während die Ostdeutschen sich selbst als anpassungsfähig und improvisationsfreudig darstellten und vorgaben, dass es ihnen nur an den nötigen Selbstdarstellungstechniken mangele. Ergänzende Fragen erlaubten mir jedoch einen Blick hinter die Kulissen. So banal es klingen mag, aber die Antagonismen zwischen "Ossis" und "Wessis", die meine Gesprächspartner beschrieben, schienen den Bausatz einer posthumen DDR-Identität gestiftet zu haben. Diese Konstruktion von Identität verlangt immer die Konfrontation mit dem und die Abgrenzung vom andern. So gesehen konnte nur die deutsche Einheit vollenden, was vorher nicht gelungen waren: das Schmieden einer selbstständigen und selbstbewussten DDR-Identität. Denn das plötzliche und uneingeschränkte Zumuten einer neuen Gesellschaftsordnung schuf in vorher nicht gekanntem Ausmaß allgegenwärtige und unzweideutige Begegnungen und rief bei den Betroffenen ebenso eindeutige Konflikte zwischen den Werten, Normen und Deutungsebenen der ehedem getrennte Wege gehenden Kulturen hervor. Diese Konflikte, so berichteten meine Interviewpartner, nahmen gelegentlich persönliche und sehr konkrete Formen an, wenn etwa ein Firmenchef oder Beamter aus dem Westen "importiert" wurde. Die Befragten gaben jedoch im Großen und Ganzen zu, dass sich ihre Beschwerden nicht auf die "Wessis" bezogen, die sie persönlich kennen gelernt hatten. Vielmehr half das Konstrukt eines verachtenswerten "Wessis" dem Neubundesbürger, seine Frustrationen darüber zu artikulieren, dass ihm ein Gesellschaftssystem von einer privilegierten Gruppe, wenn nicht gar gesellschaftlichen Klasse zu Herrschaftszwecken übergestülpt wurde. Mit anderen Worten: Der "Wessi" dient dem "Ossi" als konkretes, buchstäblich greifbares Symbol für Hegemoniestreben, das letzterem umso mehr erlaubt, den Status des offensichtlichen Beherrschtseins nur mit Widerspruch und Gegenwehr zu akzeptieren.

Gramscis Theorie zufolge stellt diese Initialzündung einer selbständigen, unabhängigen Identität in Opposition zur Dominanz des Westens einen notwendigen Schritt dar, damit der Einzelne sich in den neuen Gesellschaftsstrukturen aufgehoben fühlt. Er erleichtert sich dadurch die Akzeptanz einer hierarchischen Struktur, in der er primär schlechter abschneidet als sein Konkurrent im Westen. Dieses Paradox wird noch klarer, wenn wir uns die typischen Stellungnahmen auf meine Fragen näher anschauen, in denen Animositäten gegenüber dem "Wessi" geäußert wurden. "Wir mussten die Kosten des Krieges ganz alleine tragen", hieß es, und "Wir mussten auch die ganze Zeit harte Arbeit leisten, allerdings unter viel schlechteren Bedingungen" und weiter "Warum sollten wir für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt werden?" Ein anderer Gesprächsteilnehmer fasste die ganze Identitätsfrage in folgendem Widerspruch zusammen: "Klar doch sind die Westdeutschen anders als wir, trotzdem sind wir Deutsche wie sie." All diese Aussagen reklamieren Anerkennung, gleiche Rechte und Respekt. Durch solches Streiten für Gleichbehandlung setzen Ostdeutsche ihre untergeordnete Bedeutung voraus und akzeptieren gleichzeitig die Werte und Normen der dominanten Gesellschaft. Sie meinen, sie seien genötigt, länger und härter zu arbeiten, flexibler zu sein und verlangen deshalb im Austausch ebenso deutlich, wenn nicht gar in exzessiverer Ausprägung, die Befriedigung ihrer Konsumbedürfnisse.

Verkürzt gesagt haben gerade das Konkurrenzgebaren und die dialogischen Spannungen zwischen Ost und West für die Ausweitung der hegemonialen westdeutschen Kultur gesorgt und zwar, wie ich teilweise zu skizzieren versuchte, dergestalt, dass der Osten heute möglicherweise die unverfälschtere Variante dieser Kultur darstellt. Unabhängig davon, wie die normative Bewertung deutscher Kultur in ihrer west- und ostdeutschen Spielart ausfallen mag, bleibt, wie ich meine, die Tatsache bestehen, dass der Einigungsprozess bereits abgeschlossen ist. Die Behauptung, Deutschland durchlebe zehn Jahre nach der Einheit eine Kulturkrise, ist nichts weiter als eine Fiktion.

Fußnoten

7.
Für eine kritische Einführung, vgl. Donald Green/Ian Shapiro, Pathologies of Rational Choice Theory, New Haven 1995.
8.
Vgl. z. B. Harry Eckstein, A Culturalist theory of Political Change, in: American Political Science Review, 82, 3 (1988), S. 789-804.
9.
Vgl. L. McFalls (Anm. 1).
10.
Für eine gute Einführung in die nicht ganz durchsichtigen Gefängnisschriften von Gramsci, vgl. Chantal Mouffe (Hrsg.), Gramsci and Marxist Theory, London 1979.