30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

26.5.2002 | Von:
Christopher Gohl

Bürgergesellschaft als politische Zielperspektive

Die Umbrüche unserer Zeit liegen in der Globalisierung und neuen Arbeits- und Wissensgesellschaft. Sie führen vor allem zu einer Neuverfassung des Politischen.

I. Einleitung

Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft bestehen wir nur mit und durch die Bürger - niemals für sie oder gegen sie. Das ist die Quintessenz des Nachdenkens über Bürgergesellschaft, oder besser: über regionale europäische Bürgergesellschaften. Das Lincoln'sche Ideal des "government of the people, by the people, for the people" hat eine neue Bedeutung für die Zukunft gewonnen.

  • PDF-Icon PDF-Version: 71 KB





  • Die Herausforderungen der Gegenwart sind unter den drei Überschriften Globalisierung/Transnationalisierung, Ende der industriellen Arbeitsgesellschaft/Neue Arbeitsgesellschaft und Wissensgesellschaft/vernetzte Gesellschaft bekannt. Aus der Perspektive des Individuums gedacht, fließen diese Themen in der "Multi-Optionsgesellschaft" zusammen [1] . Aber auch die politische Perspektive dieser Entwicklungen braucht einen Namen. Wo sich wirtschaftliche, rechtliche, kulturelle und soziale Systeme so umfassend verändern, muss sich auch das politische System über eine Reform des Wohlfahrtsstaates hinaus anpassen. Das inklusive politische Leitbild, in dem die genannten Veränderungen zusammengeführt werden können, ist das einer "umfassenden Bürgergesellschaft".

    Die Bürgergesellschaft als Zielperspektive politischer Veränderung zu denken hat die gegenwärtigen Diskussionen über Zivilgesellschaft oder kommunitaristisches Wunschdenken nur zum Ausgang. Das Zukunftsmodell Bürgergesellschaft soll in drei Perspektiven vorgestellt werden: in seiner lebensweltlichen und seiner politischen Dimension sowie als Antwort auf die große Herausforderung der Zukunft, um eine dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtete Gesellschaft zu bauen. Damit erweist sich die umfassende Bürgergesellschaft nicht nur als politische Antwort auf den gegenwärtigen Wandel, sondern auch auf die Herausforderungen der Zukunft.

    Fußnoten

    1.
    Peter Gross, Die Multioptionsgesellschaft, in: Armin Pongs (Hrsg.), In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich, München 1999, S. 105-125.