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26.5.2002 | Von:
Dorit Sing

Die Situation älterer Menschen in der Phase nach dem Erwerbsleben

V. Forschungsbedarf

Das bisher nur fragmentarisch vorhandene Wissen in der Ehrenamtsforschung (gerade in diesem Bereich) muss in Zukunft um wesentliche Aspekte ergänzt werden. So ist es etwa erforderlich, vorhandene Modelle und Projekte im Detail auf schicht-, milieu- oder aber auch "problemgruppenspezifische" Integrations- bzw. Exklusionsmechanismen zu prüfen. Vor allem aber auch die aktiv ehrenamtlich Engagierten müssten nach ihrem Integrationsempfinden, ihrer (Lebens-) Zufriedenheit, Lebensqualität oder der Beurteilung ihres sozialen Rückhalts im Alltag befragt werden. Denn auch ähnliche Lebensbedingungen führen - aufgrund unterschiedlicher subjektiver Lebenslagen bzw. Lebensphasen - nicht notwendigerweise zu gleichen Bewertungen, Interpretationen oder Verhaltensweisen, sondern werden durch die persönlichen und sozialen Ressourcen, personenbezogenen Eigenschaften, Einstellungen oder Erfahrungen geprägt. Gerade das Herausarbeiten von Elementen bzw. Faktoren, die es beispielsweise Arbeitslosen, Vorruheständlern etc. ermöglichen, soziale Exklusion außerhalb der Arbeitswelt zu vermeiden bzw. zu überwinden, kann einen Beitrag zu einer neuen - integrativen und sozial ausgewogeneren - Gesellschaft leisten.

Wichtig ist aber auch zu wissen, warum ehrenamtlich Engagierte ihre Teilhabe an spezifischen Engagementbereichen als persönlich wichtige Erfahrung einschätzen bzw. welche Verbessungsvorschläge bezüglich Konzept und Durchführung aufgenommen werden müssen, um ein höheres Maß an sozialer Integration, aber auch individueller Unterstützung hinsichtlich der Befähigung zur z. B. Selbstorganisation bzw. zum ehrenamtlichen Engagement zu erreichen. So fällt auf, dass sich beispielsweise Frauen viel häufiger unabhängig von ihrer Arbeitsmarktintegration für ehrenamtliches Engagement entscheiden. Die Weiterentwicklung von Projekten und Modellen sollte daher - insbesondere vor dem Hintergrund einer weiteren demographisch bedingten Zuspitzung der Situation auf dem Arbeitsmarkt für Ältere [35] - unter Berücksichtigung der tatsächlichen Erwartungen, Hoffnungen, Motive und Wünsche der Teilnehmenden erfolgen: sei es für bürgerschaftliches, sei es für ehrenamtliches Engagement. Dass dabei gleichzeitig gesellschaftlich wichtige (Dienst-)Leistungen erstellt werden könnten, ist mehr als ein nur "wünschenswerter" (Neben-) Effekt!

Fußnoten

35.
Siehe hierzu den Beitrag von Ernst Kistler und Markus Hilpert in diesem Heft.