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12.11.2002 | Von:
Karsten Rudolf

Politische Bildung: (k)ein Thema für die Bevölkerung? Was wollen die Bürger?

Ergebnisse und Schlussfolgerungen einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung

II. Die Untersuchung

Um das herauszufinden, wurde im September sowie im Zeitraum von November bis Dezember 2001 mit dem Meinungsforschungsinstitut Emnid eine dreiteilige repräsentative Bevölkerungsbefragung mit über 5 000 Interviews durchgeführt. Die Grundgesamtheit der Umfragen bildete die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren, aus der drei Zufallsstichproben für 1 005 computergestützte Telefon- und zweimal 2 000 Interviews nach dem sog. Random-Route-Verfahren gezogen wurden. Das zum "Berichtssystem politische Bildung 2002" zusammengefasste und aufbereitete Datenmaterial liefert erstmals Erkenntnisse zu

1. dem Bedarf der Bevölkerung an konkreten politischen Bildungsinhalten und -formen;

2. dem Potenzial außerschulischer politischer Bildung in Deutschland;

3. den Motiven zur Nutzung politischer Bildungsangebote und

4. den Erwartungen der Bürger an Bildungsangebote und -träger.

Bei den Untersuchungen wurde nicht nur der Bedarf bzw. das Interesse an bestimmten Angeboten abgefragt, sondern auch die tatsächliche Nutzungsbereitschaft ermittelt. So ist es möglich, nicht nur zu bestimmen, was die Bürger wollen, sondern weitgehend auch (nach der sozialwissenschaftlichen "Theorie des geplanten Verhaltens" von Ajzen und Fishbein) das Verhalten bzw. die Nutzungswahrscheinlichkeit, bezogen auf konkrete Bildungsangebote, vorauszusagen. Ferner ist eine nähere Analyse dessen möglich, was unterschiedliche Nutzertypen antworteten. [2] Das Ziel des hier behandelten Empiriebausteins war es, erstmals den Gesamtmarkt politischer Erwachsenenbildung unter besonderer Berücksichtigung der Bürgerseite zu beleuchten - und das losgelöst vom Segment des bisher Erreichten und von bestimmten Inhalten, Bildungsformaten bzw. gar trägerspezifischen Sichtweisen. Mit den Ergebnissen ist eine zur Verwendung in Wissenschaft und Praxis taugliche Datenbasis entstanden, mit deren Hilfe nachgefragte und mit dem demokratietheoretischen Anspruch politischer Bildung in Einklang stehende Bildungsangebote konzipiert werden können.

Eine solche Datenbasis kann beispielsweise helfen, Aussagen darüber zu treffen, welche Gruppen in welchen Regionen sich für welche politischen und gesellschaftlichen Themen interessieren und welche Bildungsform [3] sie dazu bei welchem Träger nutzen würden. So entsteht ein aussagekräftiges Gesamtbild, das nach den Interessen unterschiedlicher Nutzergruppen weiter analysiert werden kann. Mit dem Datenmaterial wird eine konsequent nachfrageorientierte Bildungsplanung möglich, die nicht - wie es bisher noch oft gängige Praxis ist - vom fertigen Angebot her denkt oder eine missionarische Vorstellung von einem bestimmten inhaltlichen Angebot verfolgt. Es stehen somit nicht Vermarktungsgesichtspunkte, sondern die tatsächlichen Interessen derer im Vordergrund, für die man schließlich Bildungsarbeit betreiben sollte.

Fußnoten

2.
Das Forschungsprojekt ist Teil der Dissertationsarbeit des Autors, das von Prof. Dr. Wolfgang Sander (Institut für Didaktik der Universität Gießen) sowie von Prof. Dr. Henning Haase (Fachbereich Psychologie Universität Frankfurt) betreut und durch ein Bündnis aus Bildungsträgern (Büdinger Kreis e. V., Deutscher Volkshochschul-Verband e. V., Hessische Landeszentrale für politische Bildung) und Wirtschaftsunternehmen (Dresdner Bank AG, TNS Emnid) unterstützt wird.
3.
Seminar, Vortrag, Studienreisen, Internetangebote etc.